Eine Diskussion bei der Jahreshauptversammlung des Rhönklub-Zweigvereins Walddörfer über die Finanzen des Gesamtrhönklubs brachte den Stein ins Rollen: "Wo sind die Gelder?", fragte Alfons Holzheimer - und zielte vor allem auf die Stiftungsgelder ab, die die langjährige Präsidentin Regina Rinke gesammelt hatte. "Der Kapitalstock wird nicht abgeschmolzen", erwidert der aktuelle Rhönklub-Präsident Jürgen Reinhardt auf Nachfrage - und lässt durchblicken, dass er hinter der Kritik einen neuen Streit im Rhönklub befürchtet.
Von "völliger Unklarheit" war in Sandberg die Rede. Am Ende wurde ein Antrag für die nächste Hauptversammlung Ende Juni in Oberelsbach gestellt, die Finanzsituation insbesondere der Stiftung offen zu legen, um etwaige Spekulation über die Verwendung und den Verbleib der Gelder zu beenden. "Der Zweigverein Walddörfer wirft indirekt dem Hauptvorstand des Rhönklubs Untreue und Unterschlagung vor", sagte Rhönklub-Präsident Reinhardt auf Nachfrage, und: "Auf Antrag bekommen alle Personen, die ein berechtigtes Interesse haben, Auskunft über die Stiftung." Er sei sehr verwundert gewesen, dass sich ein Zweigverein auf seiner Hauptversammlung mit den Finanzen des Gesamt-Rhönklubs befasse.


Schriftlich Rücktritt erklärt

"Die Rhönklubstiftung ist ein Sondervermögen des Rhönklub Hauptvorstands und wird im Jahreskassenbericht des Hauptvorstands nicht aufgeführt", stellt Reinhardt zudem klar. Die Stiftung heiße offiziell Rhönklub-Stiftung, allerdings erkenne auch er an, dass seine Vor-Vorgängerin die Gelder im Wesentlichen gesammelt habe. Deshalb sei sie ja auch laut Stiftungsurkunde eigentlich auf Lebzeiten Vorsitzende des Stiftungsrates: "Aber sie hat schriftlich vor einem Jahr ihren Rücktritt erklärt", betont Reinhardt.
Aktuell gehörten dem Stiftungsrat er selbst, Vize-Präsident Bernd Günder und Dr. Gerhard Zimmer aus Schmalkalden an. Gefördert würden Jugend- und Kulturprojekte, allerdings nur mit den Erträgen. Da liege auch das Problem: "Es gibt im Moment eben so gut wie keine Zinsen", sagt Reinhardt. Trotzdem seien im vergangenen Jahr unter anderem zwei Buch-Veröffentlichungen bezuschusst worden.
Für Reinhardt geht das Problem tiefer: "Es liegt der Verdacht nahe, dass von Seiten Dritter dieses Thema diskutiert werden sollte", vermutet er und zielt damit auf Rinke ab, die bereits seinem Vorgänger Ewald Klüber "übel mitgespielt" habe. Eine Neuauflage des Unruhestiftens werde er als Präsident nicht hinnehmen. Und in Richtung seiner Vor-Vorgängerin sagt er: "Ich habe ein gutes Verhältnis zu ihr, aber sie nicht zu mir."
22 Jahre lang stand Regina Rinke dem größten Verein der Rhön als Präsidentin vor. Trotzdem gab sie im vergangenen Jahr nicht nur ihren Sitz im Stiftungsrat, sondern auch ihre Urkunde als Ehrenpräsidentin zurück: "Ich habe den Rhönklub abgehakt, damit will ich nichts mehr zu tun haben", betont Rinke auf Nachfrage dieser Zeitung.
Rund 60 000 Euro habe sie für die Stiftung gesammelt: Ab dem 60. Geburtstag habe sie immer auf Geschenke verzichtet und ihre Gäste gebeten, die Stiftung zu unterstützen. Deshalb hätte sie natürlich gerne den Namen Regina-Rinke-Stiftung gesehen, aber ihr Nachfolger Klüber habe sie Rhönklub-Stiftung getauft. Und: Dass sie aus dem Stiftungsrat zurück trat, sei "leider völlig tot geschwiegen" worden.


Keine Kritik im Landkreis

"Ich war selbst ganz platt, als ich das hörte", kommentiert Rinke die Diskussionen in den Walddörfern und weist den Vorwurf der Einflussnahme zurück. Sie gehe eher davon aus, dass die Nachfragen mit der Beitragserhöhung des Haupt-Rhönklubs zusammenhänge: Zum 1. Januar 2018 müssen die Zweigvereine 16 statt bisher zwölf Euro für Haupt-Mitglieder und acht statt sechs Euro für Familienmitglieder weitergeben.
"Die Beitragserhöhung war bei uns kein Thema mehr", berichtet dagegen Thomas Hammelmann von der jüngsten Versammlung der Region Saale-Sinn (siehe ). Die meisten Zweigvereine hätten ihre Beiträge bereits erhöht, der Zweigverein Bad Kissingen etwa von 25 auf 30 Euro für Haupt- und von 12 auf 17 Euro für Anschluss-Mitglieder. "Wir hatten nur einen einzigen Austritt, der mit der Erhöhung begründet wurde", sagt Hammelmann.
Die 9184 Mitglieder in den 34 Zweigvereinen der Saale-Sinn-Region sind nun ohne Vertreter im Hauptvorstand: Thomas Hammelmann trat nach sechs Jahren als Regionsvorsitzender zurück. Das sei nicht im Ärger geschehen und habe auch nichts mit den aktuellen Diskussionen in den Walddörfern zu tun: "Es hat immer Spaß gemacht und ist mir nicht leicht gefallen", betont der 55-Jährige. Deshalb bleibe er auch Vorsitzender des Zweigvereins Bad Kissingen, den er schon seit 16 Jahren führt.
"Ich halte mich da raus", kommentiert Günther Wischert, Vorsitzender des ZV Bad Brückenau die Diskussionen im Rhönklub. Der Beitrag dort wurde von 16 auf 24 Euro erhöht, damit sei man gleich gewappnet, falls noch weitere Erhöhungen vom Haupt-Vorstand kommen. Die Mitglieder hätten das akzeptiert.