Das Gewitter hatte sich schon eine Stunde lang ausgetobt und war schon fast über Hammelburg hinweg gezogen, als es doch noch zum Drama kam: "Um 23.41 Uhr ist ein Blitz direkt in den Mönchsturm eingeschlagen", berichtet Christian Fenn. Er kümmert sich um die Storchencam; also die Webcam, die seit 2009 das Leben des Hammelburger Storchenpaares Jakob und Adele sowie im Moment ihrer drei Küken ins Internet überträgt. Tierfreunde können so ganz nah dabei sein und beobachten, wie die Tiere nisten, brüten, ihre Jungen aufziehen - und im aktuellen Fall tragischerweise auch sterben.

"Die Eltern standen unmittelbar beieinander und die Küken hatten sich ins Nest geduckt", beschreibt Fenn die Bilder unmittelbar vor dem Einschlag. Nachdem der Blitz den Mönchsturm und das Nest getroffen hatte, fiel das Bild aus. Fenn fuhr sofort raus an den Turm, um sich einen ersten Überblick zu verschaffen. Am Fuß des Turms sah er den toten Elternstorch liegen, wahrscheinlich das Weibchen. Zu dem Zeitpunkt ging er vom schlimmsten aus und befürchtete er, dass der Blitz alle Tiere getötet hatte. "Sie waren im Nest auf engsten Raum und der Blitz hat direkt eingeschlagen", sagt er.

Zumindest diese Befürchtung stellte sich am Dienstagmorgen als unbegründet heraus: Die Küken hatten den Einschlag wie durch ein Wunder überlebt. Was aus zweiten Elternstorch geworden ist, lässt sich bisher noch nicht sicher sagen. Ein zweiter Kadaver wurde im Umfeld nicht gefunden, was darauf hoffen lässt, dass das Tier noch lebt.

Wie geht es mit den Küken weiter?

Vertreter vom Bund Naturschutz (BN) sowie vom Landesbund für Vogelschutz, von der Hammelburger Stadtverwaltung und von der Unteren Naturschutzbehörde kümmerten sich am Dienstag um die Angelegenheit. "Wir sind sicher, dass der tote Storch das Weibchen ist", berichtet Fenn. Sollte der Vater ebenfalls noch leben und zu den Küken zurückkehren, könnte er die Jungtiere allein aufziehen. Dies wisse man allerdings erst, wenn das erwachsene Tier (erkennbar am roten Schnabel) im Nest steht und die Jungen nicht attackiert.

Den Dienstag halten die Jungtiere ohne Nahrung durch. "Es gab am Dienstag mehrere Anrufe, dass das Alttier am Nest gesehen wurde", berichtet Elisabeth Assmann vom BN-Kreisverband. Die Untere Naturschutzbehörde und der BN wollen bis Mittwoch abwarten, ob Jakob zu den Küken zurückkehrt. Sollte das nicht passieren, würde man versuchen, die Küken zu einer Wildtierstation nach Coburg zu bringen, die sie aufzieht und später wieder auswildert. Aber: "Das Beste wäre, wenn das Alttier zurückkehrt", betont Assmann. Für den Fall, dass das passiert, appelliert sie an Spaziergänger, den Storch bei der Nahrungssuche in der Saale-Wiese nicht zu stören und Hunde anzuleinen. "Das ist dann überlebenswichtig für die Jungtiere", bekräftigt sie.

Keller und B286 geflutet

Das Unwetter hat den Rettungskräften in der Region Main-Rhön eine lange Nacht beschert. Nach Angaben der Integrierten Leitstelle des Rettungsdienstes (ILS) Schweinfurt wurde in der Region 40 Mal alarmiert, zwölf Einsätze waren es im Landkreis Bad Kissingen. Ab 22.50 Uhr ging es los: Vor allem mussten umgestürzte Bäume, abgebrochene Äste sowie herumfliegende Gegenstände von den Straßen geräumt werden. In Münnerstadt war die Freiwillige Feuerwehr damit beschäftigt, am Dach eines Wohnhaus am Oberen Tor wieder Ziegeln zu befestigen, die der Wind aus der Verankerung gerissen hatte.

Im Bereich um Geroda bereitete der starke Regen Probleme: Hier fielen laut Feuerwehrkommandant Achim Kohlhepp innerhalb kürzester Zeit 40 Liter Wasser pro Quadratmeter. Im Ortsteil Platz lief deshalb in einem Wohnhaus ein Keller voll. "Durch den Ablauf der Waschmaschine hat es das Wasser reingedrückt. Der Keller stand etwa zehn Zentimeter unter Wasser", berichtet er. Die Feuerwehr pumpte den Keller wieder leer. In Geroda überflutete die Thulba teilweise die B 286. In der Talsohle mitten im Ort stand die Bundesstraße etwa 40 Zentimeter unter Wasser. "Mehrere Autos haben ihre Kennzeichen eingebüßt, als sie durch das Wasser gefahren sind", sagt Kohlhepp. Die Halter wurden am Dienstag von der Polizei informiert, so dass sie ihre Kennzeichen wieder abholen konnten. "Gestern lag etwas in der Luft. Ich hatte schon vorher meine Einsatzklamotten an", erzählt der Feuerwehrler.

Nach Angaben der Autobahnpolizei ereigneten sich außerdem auf der A7 zwei Aquaplaning-Unfälle bei Oberthulba und bei Schondra. Dabei wurde eine Person verletzt, der Sachschaden beläuft sich auf 22 000 Euro.

Anteilnahme am Tod der Storchenmutter

Der Vorfall mit den Hammelburger Störchen ist in doppelter Hinsicht tragisch. Das alte Storchenpaar verschwand 2017. Drei Jahre lang nisteten keine Störche auf dem Mönchsturm, dieses Jahr hat sich dort dann endlich wieder ein neues Paar niedergelassen. "Im Gegensatz zu den alten Störchen sind die neuen nicht beringt", erläutert Christian Fenn den Unterschied. Die Störche wurden von den Hammelburgern erneut auf die Namen Jakob und Adele getauft. Die Freude darüber, dass sich die bedrohten Vögel wieder in Hammelburg niedergelassen hatten, war bei Webcam-Betreiber Fenn und bei Naturfreunden groß - ebenso groß ist nun die Anteilnahme über den Tod der Storchenmutter und die Ungewissheit für die Küken und den Storchenvater. Die Posts auf der Facebook-Seite der Storchencam zu dem Vorfall wurden vielfach kommentiert und geteilt.