Jan Bluhm von der Autobahndirektion Nordbayern führt einen Journalisten unter die gesprengte Sinntalbrücke. Bluhm ist zufrieden, wie alle seine Kollegen. "Alles hat wunderbar geklappt. Die Brücke ist genau so gefallen wie sie sollte, genau auf die 'Fallbetten', die dafür vorbereitet waren.



"Fallbetten" sind Dämme aus Erdreich und abgeschweißten Metallteilen der Brücke.
Sie wurden am Boden dort aufgeschüttet, wo die Brücke hinfallen sollte. Der Hintergrund: So sollten Schäden an Straßen und im Erdreich verlegten Versorgungsleitungen verhindert werden. Das war der Plan. Jetzt musste die Brücke nur noch richtig runter fallen. Sie tat es, fast auf den Zentimeter genau.

Schon gut zwei Stunden nach der Sprengung, nachdem man sich darüber informiert hatte, dass alles sicher war, konnte die Zuschauer schon auf dem Weg Richtung Pilsterhof wieder laufen. Man inspizierte die Reste der alten Brücke. In manchen Bereichen stand sie nicht mal drei Meter neben der neuen Brücke und der ist nichts passiert. Ein paar Betonsteinchen waren auf sie gefallen und wurden von Polizeibeamten nach der Sprengung bei einer Inspektionsfahrt wieder entfernt.

Jan Bluhm konnte sich wirklich freuen. "Das war wohl das größte Bauwerk, das jemals in Europa gesprengt wurde", sagt er. Ganz sicher ist er nicht. Es könnte mal in Italien eine Brücke ähnlichen Ausmaßes gegeben haben, sagt er, die auch gesprengt wurde. Aber Genaues weiß man nicht. In jedem Fall wird die Sprengung der Sinntalbrücke in die Geschichtsbücher eingehen.

Am Samstag haben sich in Riedenberg die Menschen und Zuschauer der Brückensprengung dann wieder schnell verlaufen. Gegen 13 Uhr wurden die Sperrungen peu à peu wieder aufgehoben. Allein die Staatsstraße ST 2289 Richtung Bad Brückenau blieb gesperrt. Über dieser Straße lag ein großes Brückenteil, das vom Widerlager abgesprengt worden war. Gegen 12 Uhr begannen Bagger, das darunter liegende Erdreich des Fallbettes zu verteilen. Da machte sich ein Dutzend Schweißer ans Werk und zerschnitten das große Brückenstück in handliche Teile zu je 2,5 mal 6,0 Meter. Diese Größe passt in Container auf Lkw, die bereitstanden, die Brückenstückchen abzutransportieren. Am Sonntagfrüh war die Staatsstraße dann wieder an dieser Stelle passierbar. Wie überhaupt wieder Normalität in Riedenberg einkehrte: Alles war wieder so wie an einem normalen Sonntag bis auf eines: Die alte Sinnbergbrücke fehlte. An diesen Anblick muss man sich noch gewöhnen.