Reiner Gickelhorn (66) stochert mit einer Hacke in verkohlten Überresten, in Asche und Abfall. "Hier war das Büro", sagt er. "Rund 100 Aktenordner standen hier". Die Betonung liegt in der Vergangenheitsform. Standen. Jetzt liegen am Boden die Überreste davon, verbrannt, angekokelt, von der Feuerwehr gelöscht, unbrauchbar. Reiner Gickelhorn sucht weiter. Hier war auch ein Schlüsselbrett, an dem die Autoschlüssel für die Firmenwagen hingen. Die Autos stehen vor der Tür, aber keiner kann bewegt werden: Die Schlüssel sind weg.

Am Dienstagabend um 21 Uhr ist in der Gärtnerei mitten im Baugebiet in Reiterswiesen ein Brand ausgebrochen. Was die Ursache war, weiß zur Stunde noch niemand. Die Spezialermittler der Kripo Schweinfurt haben diesbezüglich ihre Arbeit aufgenommen und waren am Mittwochnachmittag auch mit einem Spürhund vor Ort, der trotz des alles überdeckenden Brandgeruches eventuell vorhandene Reste von Flüssigkeiten, die zum Brand geführt haben könnten, noch riechen kann.

Vermutungen

Doch da sieht Reiner Gickelhorn die Ursache für den Brand in seiner Gärtnerei nicht. Er vermutet die Brandursache in einem elektrischen Kurzschluss. Irgendwo. Etliche Computer laufen immer, erzählt er, der für Fleurop beispielsweise, auch andere. Seine Tochter Tanja pflichtet ihm bei. "Irgendwo da ist das Feuer ausgebrochen", ist sie sicher.

Das war gegen 21 Uhr am Dienstagabend. Ein Nachbar von Gegenüber hat fünf Minuten später von seinem Balkon aus den Brand entdeckt. Rauch kam aus dem Gebäude und schon wenig später schlugen die Flammen meterhoch aus dem Dach. Der Mann hat schnell reagiert, Polizei und Feuerwehr alarmiert. Dieser Reaktionsschnelle ist es zu verdanken, dass ein Übergreifen der Flammen auf das unmittelbar angebaute Wohnhaus noch in letzter Minute verhindert werden konnte.

Aber auch das Wohnhaus hat Schäden: Durch die enorme Hitzeentwicklung barsten Fenster, der Balkon ist ziemlich angebrannt, die Balken schwarz, ebenso die obersten Dachziegel des Firstes. Die Spuren deuten darauf hin, dass die Flammen schon aus dem Dach herausschlugen. Rund 100 Feuerwehrleute aus Bad Kissingen, Reiterswiesen und Arnshausen waren am Dienstag im Einsatz, auch Männer vom Atemschutzzentrum.

Immenser Schaden

Am Tag nach ihrem Einsatz zeigt sich das ganze Ausmaß des Schadens. Der Verkaufsraum, das Büro, die Sanitärräume, der Außenbereich mit den vielen Pflanzen sind nicht mehr. Nur schwarz ist alles, verkohlt, wie die toten Pflanzen. "Wie schnell das Feuer um sich gegriffen hat", kann Tochter Tanja noch immer nicht verstehen. In Windeseile war alles zerstört.
Reiner Gickelhorn stochert in den Resten seines Lebenswerkes. Die zuerst von der Polizei geschätzten 200 000 Euro Schaden hält er für illusorisch. "Noch zu DMark-Zeiten habe ich rund drei Millionen Mark in den Betrieb investiert. Für mich beläuft sich der Schaden auf rund eine Millionen Euro". Das genau feststellen werden andere.

Der Schock sitzt tief

Während die Familie zusammensteht, wortlos die verkohlten Pflanzen anstarrt, spürt man noch immer den Schock, der allen in den in den Knochen sitzt. "Es ist ein Totalschaden", sagt Reiner Gickelhorn, "alles ein Rätsel". Dann sucht er weiter nach den Autoschlüsseln. Neu aufbauen das alles? "Wir werden aufgeben müssen", sagt er dazu. Die Kosten für einen Neuaufbau zu finanzieren, hält er für unmöglich. Sechs bis sieben Mitarbeiter hat er beschäftigt, für sie, für ihn, für die Familie ist dieser Brand zunächst einmal das Aus.
Und dann holt die Realität alle wieder ein. "Wir machen auf jeden Fall gleich weiter", sagt Tochter Tanja. Zunächst einmal wird ein Anfall-Container bestellt ...

Info: Da die Gärtnerei Gickelhorn ist derzeit nicht mehr über Festnetz-Telefon erreichbar ist, können sich Kunden wegen abgegebener Bestellungen (Hochzeiten etc.) bei Tanja Mehn melden: Tel.: 0151/ 112 05817.