Mit vielen Zahlen wird schon immer hantiert, wenn es um die Bad Kissinger Eishalle samt Liegenschaften geht. Übertrieben werden darf es aber nicht, weshalb an dieser Stelle eine wichtige Ergänzung erfolgen soll zum aktuellen Verkaufs-Angebot des Besitzers Alexander Kondrashov auf der Online-Plattform von immobilienscout.de. Dieses liegt, wie berichtet, bei 800 000 Euro. Die offerierten 64 150 Quadratmeter geben allerdings einen komplett falschen Eindruck wider.

Diese Fläche entspricht der Gesamtgröße des Sportpark-Areals, von der Stadt verkauft wurde im Juli 2017 aber nur etwa ein Zehntel dieser Fläche, wie aus dem Rathaus bestätigt wird. Eine Komplett-Veräußerung des Grundstücks ist nicht angedacht. "Das ist selbstverständlich überhaupt kein Thema. Und wenn, könnte das natürlich nur der Eigentümer machen, und das ist die Stadt Bad Kissingen", stellt Pressesprecher Thomas Hack unmissverständlich klar. Dort könne qua Vertrag auch nichts anderes entstehen oder betrieben werden als eine Eissporthalle. "Über die Bauleitplanung respektive das Baurecht hat die Stadt immer die Hand drauf", sagt Hack.

Deutliche Worte vom OB

Auch der Oberbürgermeister reagiert auf das Vorgehen der Besitzerseite mit mehr als deutlichen Worten: "Die aktuellen Vorgänge um die Eissporthalle halte ich gelinde gesagt für irritierend. Jetzt wird die Eishalle zum Verkauf angeboten, nachdem wir vor kurzem über laufende Renovierungsarbeiten informiert und Zukunftspläne avisiert wurden. Früher war häufiger der Zirkus Krone in der Nähe des Areals zeitweilig in der Stadt. Mittlerweile gastiert der Zirkus Eishalle dauerhaft am Dr. Hans-Weiß-Sportpark. An diesen Spielen werden wir uns nicht beteiligen. Wir führen keine Verhandlungen mit dem jetzigen Eigentümer. Wir prüfen unsere rechtlichen Interventionsmöglichkeiten. Wenn diese vorhanden sein sollten, werden wir an einer Nachfolgekonstruktion arbeiten, die den Eislaufbetrieb wieder ermöglichen könnte - einfach wird das nicht. Aus finanziellen Gründen kann die Stadt Bad Kissingen das allein nicht stemmen. Es müssen neue Partner an Bord kommen", sagt Dr. Dirk Vogel (SPD).

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Ein Überraschungs-Kandidat

Zusätzlich Bewegung kommt in die Sache, weil es offensichtlich einen Kauf-Interessenten gibt für die seit 2019 leer stehende Halle. Laut den Recherchen des Bayerischen Rundfunks möchte ein Eishockey-Trainer aus Stuttgart die Eissporthalle kaufen. Bei dem Interessenten handelt es sich laut BR um den 56-jährigen Frederick "Fred" Ledlin. Der Kanadier will in der Eissporthalle eine Eishockey-Schule für "ausgewählte Nachwuchsmannschaften" betreiben. Ledlin möchte zudem einen Verein gründen und Jugend- und Seniorenmannschaften trainieren. Darüber hinaus soll die Halle für die Öffentlichkeit, Vereine und Schulen zur Verfügung stehen.

Ledlin ist hauptamtlicher Headcoach der Young Rebels, die zum Stuttgarter Eishockey-Club SEC gehören. Der Ex-Profi wurde 1963 in Kanada geboren und spielte in seiner Karriere unter anderem für Hedos München, den EHC Freiburg, EC Bad Tölz oder die Adler aus Mannheim. Der 56-Jährige besitzt die A-Lizenz und darf damit als Trainer und Coach in allen deutschen Spielklassen tätig sein. Beim baden-württembergischen Eishockey-Regionalligisten zeigte man sich überrascht von den möglichen Absichten des Nachwuchs-Trainers. "Uns sind die Pläne nicht bekannt gewesen. Wir beobachten das Thema mit großem Interesse", heißt es auf Anfrage.