Verfügbar. Und zwar ab sofort. Kein Impfstoff zwar, sondern die Eishalle Bad Kissingen. Was nicht minder überrascht. Denn die Immobilie, die schon so viele Schlagzeilen produzierte, steht tatsächlich samt "großem Grundstück" öffentlich zum Verkauf, feilgeboten auf dem online-Portal immobilienscout24.de. Für den Preis von 800 000 Euro. Kein Schnapper also. Sowohl der direkte Verkauf, als auch der Verkauf von Aktien des Objekts wäre möglich.

Mit dem Verkauf beauftragt wurde die Dominart Real Estate GmbH, eine internationale Unternehmensgruppe mit dem Hauptsitz in Berlin, in deren Portfolio übrigens auch andere Liegenschaften aus der Kurstadt auftauchen. Die Eissport GmbH, die längst ihren Sitz von Bad Kissingen nach Fulda verlegt hat, hatte die Immobilie im Juli 2017 von der Stadt Bad Kissingen erworben für 231 500 Euro - was angesichts der Lage und der Grundstücksgröße von über 60 000 Quadratmetern schon eher ein Schnäppchen war.

Das sagt die Stadt

Von der aktuellen Verkaufsabsicht hatte die Stadt laut einer Information aus dem Rathaus Kenntnis erhalten. "Die IEG GmbH hat sich bei der Stadt Bad Kissingen gemeldet und sie über laufende Renovierungsarbeiten informiert. Damit zielt sie mutmaßlich auf eine vertragliche Klausel aus dem Vertrag ab, die besagt, dass damit das Rückkaufsrecht seitens der Stadt Bad Kissingen nicht ausgeübt werden kann - die zentrale Voraussetzung dafür, dass eine Nachfolgekonstruktion geschaffen werden kann, welche eine Nutzung als Eishalle wieder ermöglicht. Der oben genannte Sachverhalt wird, auch vor dem Hintergrund der aktuellen Pandemielage, einer juristischen Prüfung unterzogen, um die rechtliche Interventionsmöglichkeiten zu prüfen", sagt mit Thomas Hack der Pressesprecher der Stadt. Und verweist darauf, dass es nach wie vor das Ziel sei, dass die Eissporthalle der Öffentlichkeit zum Eislaufen zur Verfügung steht, so wie es vertraglich vereinbart wurde.

Angeboten wie ein Luxus-Objekt

Das Online-Angebot vermittelt den Eindruck, als handele es sich um ein Objekt im Luxus-Segment mit Eishalle, 20 Parkplatz-Stellplätzen, einem betriebsbereiten Restaurant und einem freistehenden Wohnhaus, welches bisher für die Umkleidekabinen der Athleten und Lagerfunktionen genutzt wurde. Die geschäftliche Attraktivität bestünde darin, dass es zu solchen Objekten in der Region keine Alternative gibt und dementsprechend der Wettbewerb minimal sei, da sich die nächsten Eisstadien in Schweinfurt, Würzburg, Haßfurt, Lauterbach und Nürnberg befinden würden.

Weiter heißt es wörtlich: "Es ist zu beachten, dass für zwei Würzburger Eishockeyvereine das Training während des Betriebs der Anlage aufgrund der vollen Eiskapazität des örtlichen Stadions aufrechterhalten wurde. Das hier angebotene Eisstadion ist ebenfalls ein alternativer Standort für Mannschaften im Eissport der Region (Hockey; Eiskunstlauf, Curling usw.). Für die Saison wurden unbefristete Verträge mit Schulen und Vereinen in der Region mit unterschiedlicher sportlicher Ausrichtung abgeschlossen." Abgerundet wird die Bewerbung mit einer Kurz-Vorstellung des Landkreises. Kein Wort darüber, dass der Zwist zwischen Besitzerseite und den Kissinger Wölfen zum Insolvenz-Aus des örtlichen Eishockeyvereins führte, womit dem Kufensport in Bad Kissingen aktuell schlichtweg die Basis fehlt.

Unkosten wurden inzwischen beglichen

Um das Eisstadion für den vorgesehenen Zweck zu aktivieren, sei es notwendig, die "Eishockeybretter" und die laufende Wartung der Kühlsysteme betriebsbereit zu machen. Viele Wochen hatte das Landratsamt auf die Kostenerstattung gewartet für das Entsorgen des Ammoniaks aus der Kühlanlage, diese auch juristisch einklagt. Tatsächlich wurden die Kosten für die Ersatzvornahme mittlerweile von Besitzerseite beglichen, wie das Landratsamt auf Nachfrage bestätigt. Vom Verkauf hatte die lokale Behörde allerdings nichts gewusst. "Bisher war uns davon nichts bekannt. Allerdings hat der Landkreis an der Immobilie keinerlei Rechte, so dass uns der Noch-Eigentümer von dem Verkauf nicht in Kenntnis setzen musste", sagt Pressesprecherin Nathalie Bachmann. Und: "Bleibt die Nutzung immissionsschutzrechtlich relevant, wie eben beim Betrieb einer Eishalle, ist das Landratsamt zuständig. Im Falle einer anderer geplanten Nutzung wäre die Bauaufsichtsbehörde der Stadt zuständig."

Der Verkauf Veräußert wurde Eishalle Bad Kissingen am 21. Juli 2017. Der Verkäufer, die Stadt Bad Kissingen, wurde vertraglich vertreten vom damaligen Oberbürgermeister, Kay Blankenburg. Die Erwerber-Seite, die Eissport Bad Kissingen GmbH, vertrat Dmytrtro Kryvorutskyy, der später aus dem Vertrag ausstieg, womit Alexander Kondrashov zum alleinigen Immobilien-Besitzer wurde. Mit in den Verkauf eingebunden waren die Stadtwerke Bad Kissingen, vertreten durch Manfred Zimmer.

Verpflichtungen Mit dem Kauf hatte sich der Erwerber bis zum 31. Dezember 2037 verpflichtet, den Grundbesitz zu keinen anderen Zwecken als zum Betrieb mindestens einer Eissporthalle samt Gaststätte zu nutzen und zu unterhalten. Zudem hat der Erwerber der Stadt Bad Kissingen vertraglich ein Wieder- und Vorkaufsrecht eingeräumt. Das Wiederkaufsrecht kann ausgeübt werden, wenn der Erwerber die Eissporthalle länger als ein Jahr nicht betreibt. Aber nicht, wenn der Betrieb der Eissporthalle aufgrund von Umbau- und Instandhaltungsmaßnahmen oder aufgrund von höherer Gewalt ausgesetzt ist. Das Vorkaufsrecht tritt in Kraft, wenn der Erwerber den Vertragsbesitz ganz oder teilweise ohne Zustimmung der Stadt Bad Kissingen veräußert.