Die Tage von Dorothee Bär (CSU) in der Bundesregierung sind gezählt: Am Mittwoch postete die Noch-Staatssekretärin im Bundeskanzleramt ein Foto von der letzten Kabinettssitzung unter Bundeskanzlerin Angela Merkel. Mit der Ampel steht für Bär bald der Gang in die Opposition an. Trotzdem wird der Wahlkreis Bad Kissingen auch in Zukunft zwei Angehörige der Regierungsparteien haben: weiterhin Sabine Dittmar von der SPD, und neu Manuela Rottmann von den Grünen.

Sabine Dittmar zeigt sich über das Ergebnis der Koalitionsverhandlungen zufrieden: "Gemeinsam mit Bündnis 90/Die Grünen und FPD haben wir einen guten Koalitionsvertrag vorgelegt. Wir übernehmen Verantwortung für die notwendige Modernisierung unseres Landes und werden den Fortschritt gemeinsam gestalten." Es sei klar, dass sich in einer solchen Dreierkonstellation kein Partner allein durchsetzen könne. "Wir konnten aber wichtige Punkte vereinbaren, wie beispielsweise die Erhöhung des Mindestlohns auf zwölf Euro."

Sabine Dittmar als Gesundheitsministerin gehandelt

Ihr besonderes Augenmerk liege natürlich auf dem Gesundheitsbereich. "Auch hier sind wichtige Maßnahmen verankert zur finanziellen Stabilisierung des Gesundheitswesens, zur Weiterentwicklung der Pflegeversicherung, zur Reform der Krankenhaus- und Notfallstrukturen und für eine bessere sektorenunabhängige Versorgung der Patienten."

Gesundheitspolitisch würden die nächsten Wochen aber zweifelsohne von Corona geprägt sein, erklärt Dittmar. "Wir müssen jetzt alles daran setzen, die vierte Welle zu brechen. Ich begrüße es daher sehr, dass ein Bund-Länder-Krisenstab im Kanzleramt etabliert wird."

Die SPD-Politikerin aus Maßbach wurde in den Medien auch als mögliche neue Gesundheitsministerin genannt. "Dass ich in diesen schwierigen Zeiten für das Amt der Bundesgesundheitsministerin gehandelt werde, macht mich selbstverständlich auch ein bisschen stolz", sagt sie dazu. "Wer mich kennt weiß, dass ich mit großer Leidenschaft für die Verbesserung der medizinischen und pflegerischen Versorgung arbeite."

Manuela Rottmann hätte sich ein grünes Verkehrsministerium gewünscht

Die vergangenen Wochen komplett in Berlin verbrachte die Hammelburger Abgeordnete Manuela Rottmann, weil sie die Koalitionsverhandlungen gleich in zwei Arbeitskreisen begleitete: Zum einen ging es ihr um gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land, zum anderen brachte die Juristin ihre Erfahrungen aus dem Rechtsausschuss bei innenpolitischen Fragen ein. "Ich hätte mir ein grünes Verkehrsministerium gewünscht", kommentiert sie den Koalitionsvertrag, sieht insgesamt aber viele grüne Kernthemen berücksichtigt.

"Der Gang in die Opposition fällt nie leicht", räumt Dorothee Bär ein. "Zum Gestalten ist ein Regierungsamt natürlich das Richtige." Sie freue sich dennoch sehr auf ihre Arbeit als Parlamentarierin, "in der ich die ureigenste und ganz klassische Aufgabe in einer Demokratie, die Kontrollfunktion, nicht nur wahrnehmen darf, sondern auch werde".

Ihren Schwerpunkt lege sie weiterhin auf die Entwicklung des ländlichen Raums und auf die Fragen rund um den Mittelstand sowie auf die hiesigen touristischen Gebiete, die sich nicht nur aufgrund der Pandemie immer größerer Beliebtheit erfreuten, und auf die Familienpolitik.

Kritik von Dorothee Bär am Familienbild der Ampel-Koalition

Ihr Familienbild decke sich in vielen Punkten nicht mit dem der Ampel-Parteien, sagt Bär. Im Koalitionsvertrag heiße es zum Beispiel: "Familie ist vielfältig und überall dort, wo Menschen Verantwortung füreinander übernehmen." Das sei für sie eine zu offene Definition und eine Herabsetzung der klassischen Familie.

Bär kritisiert zudem, dass der Bereich Familie und auch der Bereich "Ländliche Regionen" und deren Entwicklung offenbar nicht im Fokus der Koalition stünden. "Bei einer solchen Gewichtung werde ich in Berlin besonders genau hinschauen, damit der ländliche Raum und unsere Familien in Deutschland nicht vergessen werden."