Die Vorfreude auf das Sonderkonzert der Staatsbad Philharmonie Kissingen unter dem Titel "Wilfried Strehle präsentiert Raritäten der Salonmusik" war bei den Zuhörern groß. Was dann aber aus dem Abend im Max-Littmann-Saal wurde, hatte so wohl niemand erwartet: Der Solist verstrickte sich in langatmigen Erzählungen, die noch dazu aufgrund von Mikrofon-Schwierigkeiten kaum zu verstehen waren. Und dann verließ er auch noch vor dem offiziellen Schlusspunkt die Bühne.

Der Orchesterleiter Burghard Toelke kennt den Musiker von Auftritten in Japan und bei den Salzburger Festspielen. "Er ist ein Synonym für die Klangkunst der Berliner Orchester. Er ist auf seinem Instrument - der Bratsche (Viola) - ein Virtuose, welcher absolute Weltklasse verkörpert", so Burghard Toelke.

Karriere begann mit Karajan

Mit 23 Jahren startete Wilfried Strehle 1971 seine Karriere bei den Berliner Philharmonikern unter Herbert von Karajan, spielte von 1984 bis 2013 in der Position des Solobratschers. Die herausragende Qualität merkte man bei der Interpretation als Solist des Werkes "Kol Nidrei" von Max Bruch. Ebenso mit der "Symphonia Concertante" von Wolfgang Amadeus Mozart, welches er zusammen mit Burghard Toelke als Solistenduo intonierte.

Soweit lief alles nach Plan und verzauberte die Zuhörer. Die Musiker der Staatsbad Philharmonie hatten die Konzertliteratur für ein großes Salonorchester bearbeitet, was ihnen auch hervorragend gelang. Das Publikum belohnte die Aufführung der ersten drei Stücke mit rauschendem Beifall.

Langweilige, unverständliche Anekdoten

Doch die darauf folgenden 20 Minuten forderten die Geduld der Anwesenden durch ein nicht professionell benutztes Mikrofon und langweilige Anekdoten über Gebühr heraus. Wilfried Strehle erzählte langatmig Episoden, die er als Musiker mit berühmten Dirigenten wie Herbert von Karajan, Hans Knappertsbusch oder Karl Böhm erlebt hatte. Man verstand zudem seine Worte schlecht, da er das Mikrofon falsch handhabte. Den gelangweilten Konzertbesuchern wurde es nach 20 Minuten einfach zu viel. Mit Klatschen und Rufen "Musik, Musik" wurden seine Erzählungen von den Zuhörern jäh abgewürgt.

Dirigent ging - und kam nicht wieder

Wilfried Strehle war sichtlich vom Abbruch seiner Rede frustriert und reagierte verstört: "Man hat mir gesagt, ich soll etwas erzählen, das war nicht meine Idee." Strehle dirigierte noch das Stück "Nacht auf dem kahlen Berge" von Modest Petrowitsch Mussorgski und verließ verdrossen die Bühne. Er kam trotz großem Beifall und Aufforderung durch Orchesterleiter Toelke nicht mehr zur Schauplatz zurück.

Tschaikowsky entfiel

Verstörend auch, dass Burghard Toelke danach erklärte: "Wir haben vergessen anzusagen, das war das letzte Stück." Abrupt war das Konzert um 21 Uhr zu Ende, wobei die im Vorfeld angekündigte "Ouvertüre 1812" von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky entfiel. Zurück blieb ein irritiertes Publikum. Enttäuscht verließen Zuhörer noch während des Schlussapplauses den Saal. Schade, daran litt trotz hervorragenden Interpretierungen durch die Musiker die ganze Konzertqualität. Musikalisch war das Konzert ein wahrer Kunstgenuss, das Drumherum ein Desaster, zumal der Virtuose auch zu seinem Auftritt nach dem ersten Stück bereits verspätet auf die Bühne gekommen war und die Musiker gezwungen hatte, die Zeit mit nochmaligem Einstimmen zu überbrücken.