Trotz Hitze wagten sich rund 80 Wallfahrer von Euerdorf auf den Heiligen Berg der Franken. Kein leichtes Unterfangen, mussten an zwei Tagen 74 Kilometer Fußmarsch, darunter der steile Aufstieg, bei Temperaturen von über 30 °C bewältigt werden. Eine gute Organisation seitens der Verantwortlichen und Vernunft seitens der Teilnehmer waren Garant für den Erfolg.
Quartiermeister Bruno Brimer und Wallfahrtsleiterin Gisela Leber hatten bereits zahlreiche Vorkehrungen
getroffen: "Für die Wallfahrer stehen 20 Kisten Wasser bereit, außerdem haben wir Kühl-Akkus dabei, die wir verteilen. Wir können jede Menge Traubenzucker verteilen und halten außerdem Eisgel bereit." Auf allen Wegen, die es von der Beschaffenheit erlaubten, fuhr ein kleiner Bus hinter der Gruppe her, um diejenigen aufzusammeln, die nicht mehr weitergehen konnten. Ganz oft hielt der Bus außerdem, um den Wallfahrern - die Älteste mit 77 Jahren, die Jüngste mit acht Jahren - Getränke anzubieten.

Herausforderung "Kniebrech"

Traditionell machten sich die Wallfahrer am Samstag um 6 Uhr nach einer kurzen Morgenandacht mit Standarten und Kreuz auf den Weg. Zuerst durch die Wälder von Euerdorf, Aura und Bad Kissingen über Stralsbach nach Burkardroth. Dort wurde die erste längere Rast eingelegt. Weiter ging es nach Stangenroth und Waldberg, wo die Gläubigen zur zweiten längeren Rast von der dortigen Pfarrgemeinde mit einer Leberknödelsuppe versorgt wurden.
Der lange Weg ist kein Spaziergang, er ist anstrengend. Die Hitze trieb den Schweiß aus allen Poren. Der letzte Streckenabschnitt, die "Kniebrech`" hinauf lief jeder Teilnehmer sein eigenes Tempo. Vor dem Kloster wurde gewartet, bis jeder angekommen war, um anschließend gemeinsam in der Klosterkirche einzuziehen. Für jeden Teilnehmer sicher ein bewegender Moment, wenn das Ziel erreicht ist und die Anstrengung der Dankbarkeit weicht.

Gebete, Tipps und Lieder

Auf dem langen Weg wurde viel gebetet und gesungen. Aber es war auch ein fröhlicher Weg, auf dem sich die Teilnehmer kennenlernen konnten, sich unterhielten und gemeinsam lachten. Man gab sich Tipps, wie man den langen Weg bei Hitze und starker Sonnenstrahlung unbeschadet überstehen konnte. Immer mehr wuchs die Wallfahrts-Gemeinschaft Richtung Kreuzberg zusammen. Glockengeläut empfing die Gläubigen aus Wirmsthal, Euerdorf und vielen weiteren Gemeinden beim Einzug in durchquerte Ortschaften.
Gute Laune war ständiger Begleiter, trotz aller Strapazen. Jürgen Hartmann war zum ersten Mal dabei und musste den ganzen Weg ebenfalls kräftig schwitzen: "Dem Wetter gemäß ist das Laufen ok, nur die Kniebrech` war schlimm."
Seine Frau wallt schon einige Jahre zum Heiligen Berg der Franken und konnte ihn diesmal motivieren, mitzukommen. Er fasst zusammen: "Ein schönes Erlebnis, wohl auch deswegen weil die Organisation optimal ist." Das stimmt, denn es trugen unzählige Helfer dazu bei, dass diese Wallfahrt ein einzigartiges Erlebnis für die Gläubigen werden konnte.

Das Kreuz voran

Bereits im Vorfeld waren viele tätig, aber auch bei der Wallfahrt selbst. So waren Musikanten dabei, die auf vielen Streckenabschnitten spielten, Verkehrs-Helfer, Beiwagen-Fahrer, Vorbeter, Lautsprecher- und Fahnenträger, wie auch Kreuzträger Thomas Wahler, der auf der gesamten Strecke dieses nicht aus der Hand gab. "Ja, es ist ganz schön schwer. Aber ich habe es von meinem Vorgänger bekommen und ich werde es tragen, wann immer ich kann." Schweiß steht ihm auf der Stirn. Trotzdem strahlen die Augen des 51-jährigen Gemeindearbeiters. Thomas Wahler geht damit voran und bestimmt mit den beiden vorderen Fahnenträgern das Tempo des gesamten Weges.
Auf dem Rückweg vom Kreuzberg nach Euerdorf erhielten die Wallfahrer nach mehreren Stunden Gluthitze noch eine unfreiwillige Abkühlung. Trotz strömenden Regens wurde die Gruppe am Ortseingang der Marktgemeinde von Pastoralreferent Horst Löwenstein und vielen Wartenden mit brennenden Kerzen empfangen und zur Kirche geleitet wurden.