Die Kanäle sind marode, Asphalt durchzieht seit Jahren das Steinpflaster wie ein Flickenteppich. Darauf, dass die Fußgängerzone saniert und modernisiert wird, warten die Gastronomen und Geschäftsleute im Zentrum schon lange. Ein Baustart ist nach wie vor nicht in Sicht, in diesem Jahr will das Rathaus vor allem das Altstadtkarree mit Hilfe von EU-Zuschüssen spürbar verschönern. Dabei geht es darum, die Stadtmöblierung auszutauschen und öffentliche Plätze umzugestalten (siehe unten) sowie markante Gebäude neu auszuleuchten.

"Bedarf ist da"

Die Initiative stößt bei den Gewerbetreibenden auf großen Zuspruch. "In der Stadt gibt es einige Ecken, die schöner sein könnten. Bedarf ist da", findet Sabine Servatius, die am Marktplatz ein Uhren und Schmuckgeschäft betreibt. Für Händler, Gastronomen und Hoteliers könne das etwas Schwung geben, um aus dem Coronatal zu kommen. "Im Moment hat jeder einen Hänger", sagt sie. Umso wichtiger sei es, dass die Kur- und Welterbestadt sich ihren Besuchern ordentlich präsentiert.

"Wir haben schöne Gebäude. Wenn die stärker in den Vordergrund gestellt werden, ist das nicht schlecht", meint Optiker Jochen Köllmer. Grundsätzlich müsse bei den Anschaffungen aber darauf geachtet werden, dass sie zur späteren Altstadt-Sanierung passen.

Gudrun Groß, Inhaberin des Gasthauses zur Post, findet die Idee gut, dass die Stadt in dem Zug einheitliche Sonnenschirme für die Außenbestuhlung aller Gastronomen besorgt. "Wir müssen die Stadt attraktiver machen", sagt sie. Zum positiven Gesamtbild gehört ihrer Meinung nach auch, imposante Gebäude mit Beleuchtung ordentlich in Szene zu setzen. Grundsätzlich findet sie es wichtig, dass die Fußgängerzone bald saniert wird - die aktuellen Ideen seien gut, aber nicht ausreichend.

Wie und wo das Rathaus die Innenstadt neu und schöner ausleuchten will, hat das Bauamt jetzt vorgestellt. "Wir sind überzeugt, dass wir damit eine starke Verbesserung hinbekommen", sagt Bauamtsleiterin Christine Schwind. Die Wahl fiel auf das Alte Rathaus sowie das historische Fachwerkhaus (Weigands Gaststätte) auf der gegenüberliegenden Seite des Marktplatzes, das Neue Rathaus, das Kurtheater samt Theaterplatz, die evangelische Erlöserkirche, die Herz-Jesu Stadtpfarrkirche sowie das Feuertürmle.

Teilweise zu hell, teilweise zu dunkel

Das Grundproblem bei diesen markanten Gebäuden: Wenn Strahler vorhanden sind, sind sie schlecht ausgerichtet, oder die Technik ist veraltet. Der Theaterplatz ist beispielsweise überstrahlt, die beiden Kirchen oder das Feuertürmle dagegen sind nachts in voller Höhe nicht zu erkennen. Neue Konturenstrahler für die Fassaden sowie Strahler zur Hinterleuchtung von Fenstern sollen die historischen Bauten endlich ins rechte Licht rücken.

Die modernen LED-Strahler bieten mehrere Vorteile. "Es wird die Lichtverschmutzung vermindert", sagt Ingrid Fleischer aus dem Bauamt. Die Stadt orientiere sich an den Vorgaben des Sternenpark Rhön. Die Strahler sind sparsamer - am Rathausplatz werde der Energieverbrauch von 3600 auf 600 Watt gesenkt - und insektenfreundlicher. In den späten Nachtstunden wird die Leuchtstärke der Strahler zurückgefahren. Auch das spart Energie, hilft Insekten und reduziert Lichtverschmutzung.

Zusätzlich plant die Stadtverwaltung, ein Lichterzelt für den Marktplatz anzuschaffen, das ganzjährig bei Veranstaltungen als Festbeleuchtung zur Verfügung steht. Am Theaterplatz wird ein Projektionsstrahler installiert, der auf das gegenüberliegende Telekomgebäude Lichteffekte werfen soll, zudem soll es laut Schwind einen Lichterspaziergang mit Projektionen geben, der Besucher durch die Stadt führt.

Das Lichtkonzept fand unter den Stadträten breite Zustimmung, von Seiten der DBK-Fraktion gab es jedoch auch Kritik. Martina Greubel lehnte das Konzept in der jüngsten Sitzung ab, weil es sich nur auf einzelne Punkte fokussierte. "Mir fehlen die Seitengassen", sagte sie. Die Gäschen abseits der Hauptpunkte würden versteckt im Dunkeln bleiben. "Ich freue mich, dass der Marktplatz drinnen ist, als die gute Stube der Stadt", meinte Klaus Bollwein, DBK-Stadtrat und Geschäftsführer des Stadtmarketingvereins Pro Bad Kissingen. Er war der Ansicht, dass der Innenstadt mit einer ganzjährigen Eventbeleuchtung in der ganzen Fußgängerzone mehr geholfen wäre, als mit dem Ausleuchten einzelner Gebäude. "Ich finde es schade, dass wir die Gelegenheit nicht beim Schopf gepackt haben", sagte er.

Der Stadtrat sprach sich einstimmig dafür aus, das Lichtkonzept wie vorgeschlagen umzusetzen.

Schönheitskur in Zahlen

Budget 1,5 Millionen Euro hat die Stadt in diesem Jahr für Investitionen in die Innenstadt zur Verfügung. Möglich macht das ein EU-Förderprogramm, das helfen soll, Innenstädte zu beleben. Die EU bezuschusst 90 Prozent der Kosten.

Möblierung 880.000 Euro sind dafür da, neue Sitzbänke, Pflanzkübel, Fahrradbügel, Abfallbehälter sowie die Sonnenschirme für die Gastronomie anzuschaffen. Zudem werden öffentliche Plätze wie Marien-und Theaterplatz neu gestaltet.

Beleuchtung Das restliche Budget von rund 600.000 Euro ist für die Beleuchtung gedacht.