Zwei Reiterstege, zwei Schicksale. Während der Bauausschuss mit 7:4 Stimmen beschloss, den alten Steg abreißen zu lassen, akzeptierte er zähneknirschend, dass der neue Steg auf Höhe der Reitanlage zum 31. Oktober gesperrt werden muss.
Als es um den alten Reitersteg ging, musste sich der Bauausschuss um reges Publikumsinteresse keine Sorgen machen. So gab es durchaus Szenenapplaus für einige Beiträge aus dem Gremium, nicht jedoch für das Abstimmungsergebnis.
Thomas Honrnung vom Tiefbauamt der Stadt war noch einmal auf die Summen eingegangen, die ein Weiterleben des alten Stegs möglich gemacht hätten. Demnach würden für eine Gesamtin standsetzung 140 000 Euro fällig, für eine Teilinstandsetzung 90 000 Euro. Inzwischen dürften diese schon vor längerem erhobenen Beträge laut Hornung um zehn Prozent gestiegen sein.

Widerlager bleiben

Als Abbruchkosten waren bisher 60 000 Euro ermittelt worden. Das war in den Augen einiger Stadträte so viel, dass sie eine Teilinstandsetzung vorgezogen hätten. Nun kam eine neue Summe auf den Tisch. Laut Hornung kostet der Rückbau nur mehr 23 000, wenn die Fundamente der Widerlager stehen bleiben.
Auf die Frage von Stadtrat Bernd Czelustek (SPD), ob sich auf diesen Widerlagern irgendwann einmal eine neue Brücke aufbauen ließe, antwortete Hornung mit "Ja". Für einen Stahlsteg reichten sie aus.

Primitiv-Lösung nicht denkbar

Wolfgang Lutz (CSU) forderte die Ausschreibung einer einfachere Brücke. Diese müsse nicht behindertengerecht sein und könnte an beiden Seiten auch Stufen aufweisen. "Im öffentlichen Verkehrsraum sind gewisse Dinge zu beachten, ein primitiver Steg ist nicht möglich", entgegnete Bürgermeister Toni Schick (DBK). Und Hornung ergänzte, dass unter 90 000 Euro nichts gehe.
Letztlich stimmte der Bauausschuss mehrheitlich für den Abbruch. Die Widerlager bleiben erhalten. Was mit den 15 000 Euro geschieht, die private Befürworter der Steg-Sanierung gesammelt haben, ist Sache des Vereins.
Eine Gewissensentscheidung wurde dem Bauausschuss in Sachen neuer Reitersteg nicht abverlangt. Die Räte wurden informiert, dass der Steg zum Ende des Monats gesperrt werden muss. Das sei bei der letzten Untersuchung durch den Sachverständigen festgestellt worden. Abgebrochen wird der Steg vorerst allerdings nicht.

"Es führt kein Weg vorbei"

"An der Schließung führt kein Weg vorbei", sagte Schick. Doch müsse man die Zeit nutzen, um darüber nachzudenken, was man für den Reiterverein tun kann. Der nämlich bangt ohne den Steg um seine Existenz (wir berichteten).
Den Neubau einer Stahlkonstruktion für 195 000 Euro hatte der Bauausschuss eigentlich schon beschlossen. Bei der Haushaltsberatung fiel die Maßnahme allerdings durch.
Wie Hornung ergänzte, seien laut Gutachter alle weiteren Untersuchungen und baulichen Maßnahmen unwirtschaftlich. Alleine die am 1. November wieder anstehende Untersuchung schlage mit rund 5500 Euro zu Buche. Eine Beibehaltung der jetzigen Tragfähigkeit sei auch durch Instandsetzungsmaßnehmen, die mindestens 10 000 Euro kosten würden, nicht zu erwarten.
Abschließend wies Hornung die Stadträte noch darauf hin, dass er den schlechten Zustand des neuen Reiterstegs schon des öfteren im Bauausschuss thematisiert habe.
Während Karin Renner (CSU) den Reiterverein aufforderte, für den neuen Reitersteg genau so viel Geld aufzubringen wie die Bürger für den alten Steg, vermutete Walter Schuhmann (Freie Wähler), dass es die größten Probleme im Bereich der Auflieger gebe. Vielleicht sei es möglich, den eigentlichen Steg zu erhalten, wenn die Auflieger betoniert würden.
Einen etwas verwegenen Vorschlag machte Klaus Bollwein (CSU). Er fragte, ob den Stadt den "Brücken-TÜV" nicht wie beim Auto etwas überziehen könne. Das wies Rechtsrat Joachim Kohn entschieden zurück: "Wenn dann ein Unfall passiert, dann haftet die Stadt voll."
Dennoch wollen Bürgermeister und Stadträte nicht ganz aufgeben. So schlug Schick vor, die Verwaltung solle Perspektiven, ausarbeiten, wie dem Reiterverein geholfen werden kann, und an die Fraktionen schicken. Gleichzeitig gelte es, die Förderszenarien auszuloten.