Schön, schnell oder beides, Oldtimer oder frisch vom Band: Die Leidenschaft für Autos fasziniert viele. Egal, wofür sich ein Mensch begeistern kann: Die Leidenschaft für etwas sollte unbedingt in den Entscheidungsprozess einfließen, wenn es darum geht eine Ausbildung oder einen Beruf zu wählen.

Nicht mehr lange, dann starten Jugendliche in ihre Lehrzeit. Wer jetzt noch keinen Ausbildungsplatz hat oder schlechte Noten im Jahreszeugnis befürchtet, kann noch mal richtig Gas geben - auch während der Corona-Zeit steht dem Lernen nichts im Weg. Drei ehemalige Auszubildende bestätigen, dass es sich lohnt, für gute Noten am Ball zu bleiben. Jan Vorndran, Automobilkaufmann, Kristina Vasilev, Automobilkauffrau und Marco Ganshorn, Kfz-Mechatroniker wollen jungen Leuten Mut machen, sich trotz Corona für den Traumjob oder ein Praktikum zu bewerben.

Wer gerne handwerklich arbeitet, ist in einer Werkstatt besser aufgehoben als am Schreibtisch im Büro. "Darüber sollten sich künftige Auszubildende schon im Vorfeld Gedanken machen", sagen die drei jungen Leute. Während der Prüfungszeit machte Corona den Präsenzunterricht in der Berufsschule unmöglich. Die drei büffelten jeweils daheim in Bad Kissingen und Bad Neustadt, und das Engagement lohnte sich: Sie schnitten als die Besten in Mainfranken ab und das würdigten die Regierung von Unterfranken und die IHK mit einer Urkunde.

Eigeninitiative kommt gut an

Ihr Ausbildungsbetrieb, BMW-Rhein Rhön-Saale, hat die erfolgreichen Ex-Azubis übernommen. "Beim ersten Anlauf, direkt nach der Wirtschaftsschule, waren die Plätze im Automobilbereich belegt", erinnert sich Vorndran, der Automobilkaufmann als zweite Ausbildung absolviert hat. Ein halbes Jahr vor dem Ende der ersten Lehre bewarb er sich für die Ausbildung zum Automobilkaufmann. Die direkt auf den Betrieb zugeschnittene Bewerbung gefiel Jürgen Maier, Niederlassungsleiter bei BMW-Rhein Rhön-Saale in Bad Neustadt. Kurz darauf kam eine Einladung zum "Schnuppertag".

Natürlich sei er an diesem Tag nervös gewesen, sagt Vorndran im Rückblick. Unbegründet, wie sich im Nachhinein zeigte. Er bekam den begehrten Platz. "Aber nicht nur Wissen ist essenziell, auch Eigeninitiative, Engagement und Leidenschaft sind das Fundament für eine erfolgreiche Ausbildung", erklärt Melissa Dehn, die am Standort in Bad Neustadt die Auszubildenden betreut.

Fehler sind zum Lernen da

Unter ihren Fittichen erreichten bereits mehrere Auszubildende außerordentlichen Leistungen. Trotz einer Lehrzeitverkürzung sei auch schon ein Notendurchschnitt von 1,0 im Abschlusszeugnis dabei gewesen, so Dehn. "Diese Leistungen basieren zweifellos auf dem Fleiß und dem Ehrgeiz unserer Azubis, der sicherlich nicht immer von Anfang an gegeben ist", führt sie aus und stellt fest, dass kleine Erfolge großes Engagement bewirken können. Der ausbildende Betrieb sei für das richtige Timing und Maß an individueller Unterstützung verantwortlich - sei es in der Berufsschule oder am Arbeitsplatz. Manche der Schützlinge, daran sollte jeder Ausbilder denken, brauchen Richtlinien, andere mehr eigene Verantwortung. Wenn dann einmal etwas schief läuft, sei das kein Beinbruch. Fehler seien zum Lernen da.

"Automobilkaufmann ist mein Traumberuf", gibt Vorndran unumwunden zu und erklärt, dass Autos schon lange eine Rolle in seinem Leben spielen. Es geht aber nie nur um Daten und Fakten der Fahrzeuge. Bei Vorndran entstand über BMW-Art Cars eine ganz andere Perspektive auf Künstler des 20. Jahrhunderts: Andy Warhol gestaltete 1979 einen Rennwagen - der Künstler hatte einst Suppendosen zum Kunstwerk erklärt - auch Roy Lichtenstein, er gilt als einer der Väter der amerikanischen Pop-Art, bemalte 1977 einen PS-Boliden für BMW.

Wer mit der Ausbildung in weiten Teilen zufrieden ist und sich gut betreut fühlt, der bringt seine Ausbildung zu Ende. Wenn es nach den üblichen drei Jahren Lehrzeit dann doch noch einmal ein höherer Schulabschluss sein soll oder ein anderer Beruf, dann steht der Neuorientierung nichts im Weg.

Praktika sind unwahrscheinlich hilfreich

Um Erfahrungen zu sammeln helfen Praktika, die an manchen Schulen Pflicht sind. Dehn rät, verschiedene Angebote auszuprobieren, wenn sich jemand unsicher ist. Und, keiner sollte den Kopf zu früh den Sand stecken, lautet ein weiterer Tipp der Ausbilderin. Natürlich ist ein Praktikum in der Corona-Zeit vielleicht nicht einfach durchzuführen, dennoch sei eine Nachfrage beim Wunschunternehmen besser, als nichts zu tun. Vielleicht entpuppt sich der Traumjob als Seifenblase - sie sind bekannt dafür, schnell zu platzen. Wer schon bei einem "Schnuppertag" merkt, dass die angestrebte Tätigkeit nicht das passende ist, sollte nicht zögern, sich anders zu entscheiden und weiter zu suchen.

Umgesatttelt

Diese Erfahrung hat Kristina Vasilev gemacht und kurzerhand auf Automobilkauffrau umgesattelt. "Bei meiner jetzigen Tätigkeit mag ich die Abwechslung, den Kundenkontakt und natürlich auch die Fahrzeuge", sagt die 22-Jährige aus Bad Neustadt, die den Realschulabschluss in der Tasche hat und sich mit Kraftsport fit hält.

Für Marco Ganshorn aus Bad Neustadt, leidenschaftlicher Motorradfahrer, ist Kfz-Mechatroniker genau das Richtige. Der 20-Jährige ist nach dem Hauptschulabschluss in die Lehre gegangen. "Handwerkliches liegt mir, etwas zu reparieren, einen Fehler zu finden und zu beheben, das gefällt mir", nennt er als Gründe für seine Berufswahl.