Es war die erste große, öffentliche Badeanstalt der Stadt und eine besonders luxuriöse dazu: das Königliche Salinenbad am Gradierbau. Fürst Otto von Bismarck verfügte hier über eine eigens für ihn eingerichtete Kabine. Dort nahm der Reichskanzler seine Solbäder ein, wenn er einmal wieder in Bad Kissingen zur Kur weilte. Doch das ist lange her. Das Salinenbad ist mitsamt Salinenrestaurant und Musikpavillon vor 56 Jahren abgerissen worden - um Platz zu schaffen für die Heinz-Kalk-Klinik, die dann bis 2009 an der Stelle stand.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Bad Kissingen gerade auf dem Weg, sich zu einem Weltbad zu entwickeln. Eine große öffentliche Badeanstalt, die medizinische Bäder für die Kurgäste bereithielt, konnte die Stadt zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht vorweisen. Das Luitpoldbad entstand erst ab 1867. Das Kurhausbad existierte damals als Anbau am Kurhaus, als eigenständiges Gebäude wurde es erst 1927 errichtet.

Salinen als Heilmittel

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die heilsame Wirkung der Sole erkannt. Die Salzgewinnung war inzwischen nicht mehr so rentabel wie früher und wurde allmählich vernachlässigt. Also machte man sich Gedanken darüber, die Salinen für den Kurbetrieb einzusetzen. In den 1820er Jahren mehrten sich in Bad Kissingen die Stimmen, die forderten, das besonders gashaltige Heilwasser des Runden Brunnens für medizinische Zwecke zu verwenden. "Kurbäder standen in starker Konkurrenz und an anderen Orten gab es zu dieser Zeit bereits Gas- und Solebäder", erklärt Birgit Schmalz, Historikerin beim Stadtarchiv. Die Bad Kissinger bemühten sich darum, hier nachzuziehen.

1841 ließ die Königliche Regierung über dem Runden Brunnen das erste, schlichte Badehaus fertigstellen. Dieses erste Salinenbad blieb so allerdings gerade zehn Jahre bestehen, dann musste es bereits das erste Mal erweitert werden. "Das Salinenbad wurde immer wieder umgebaut und erweitert, weil es ständig nicht ausgereicht hat", sagt Schmalz. Von 1850 bis 1852 wurde es wohl abgerissen, neu und größer wieder aufgebaut und um ein Logierhaus ergänzt.

Ganzzeit und Niedergang

Bad Kissingen hatte inzwischen einen internationalen Ruf erlangt. Kaiser und Könige, aber auch bekannte Musiker und Literaten kamen zur Kur. Mit dem Zustrom an Kurgästen wuchs anfang der 1860er sowie Mitte der 1870er Jahre das Königliche Salinenbad weiter. Am Ende erreichte das zweigeschossige Gebäude eine Gesamtlänge von 98 Metern. Es verfügte über 102 Badekabinette, in denen Sole-, Strahl-, Wellen-, Gas- und Moorbäder geboten wurden. Im südlichen Endpavillon befanden sich Luxusbäder, unter anderem das Kaiserbad sowie der Badebereich Fürst Otto von Bismarcks. Im nördliche Endpavillon richtete man 1887 zusätzliche Nobelbäder für reiche Kurgäste ein.

Die Untere Saline entwickelte sich mit Gradierbau und Salinenbad zu einem beliebten Ausflugsziel. "Das Areal ist ein Schnittpunkt zwischen Kur und Tourismus geworden", sagt Schmalz. Neben der Badeanstalt entstanden das Salinenrestaurant und in dessen Außenbereich der sogenannte Rindenpavillon. Über den Schiffsverkehr auf der Saale und die beschauliche Salinenpromenade war das Areal für Kurgäste und Ausflügler gut an die Innenstadt angeschlossen.

Doch die glanzvolle Zeit des Salinenbades ging im 20. Jahrhundert vorüber. Die Nachfrage der Gästeschaft verlagerte sich in die Innenstadt. Dort bauten die Kurhäuser und Sanatorien nach und nach ihre eigenen Badeabteilungen auf, außerdem standen das Luitpold- sowie das Kurhausbad aufgrund der zentralen Lage bei den Besuchern höher im Kurs. "Das Salinenbad war am Ende zu abgelegen und wurde nicht mehr gebraucht", sagt Schmalz.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat die US-Armee das Salinenbad für militärische Zwecke genutzt. Danach gelang es nicht mehr, das einst prachtvolle Gebäude wieder als Badeanstalt in Betrieb zu nehmen. Am 14. April 1964 kam dann das Ende: Zwei Sprengladungen verwandelten Bismarcks Badehaus in Schutt und Trümmer.