Die Welt der Mobilität wandelt sich: Autos mit Hybrid- oder Elektroantrieb finden sich vermehrt auf den Straßen.Darauf müssen sich nicht nur Werkstätten, sondern auch die Feuerwehren einstellen. Das Löschen eines Elektroautos birgt nämlich Hürden. Die Bad Kissinger Floriansjünger bauen sich derzeit selbst die notwendige Ausrüstung dafür.

Elektroautos und die Risiken beim Brand

"Elektroautos brennen anders", sagt Harald Albert, der Stadtbrandinspektor. In der Batterie kann es zu einer Kettenreaktion von Kurzschlüssen kommen. Das heißt: "Ist das Feuer an einer Stelle gelöscht, entfacht sich das Feuer möglicherweise wieder an anderer Stelle." Der Brand in einer Akkuzelle erzeugt sozusagen einen Brand in der nächsten Zelle. Das sorgt dann schlimmstenfalls beim Abtransport und Lagern des Auto-Wracks für Probleme, denn die Entzündung erfolgt zeitversetzt. Die Lösung für Albert: "Es empfiehlt sich, das Auto in eine mit Wasser gefüllte Wanne zu stellen, um ein weiteres Entzünden und mehrfaches Ausrücken der Wehr zu vermeiden." Aber: Eine solche Gerätschaft hat die Bad Kissinger Wehr derzeit nicht. Als Folge wurden die Floriansjünger selbst tätig.

Nachdem sich die Wehrleute erste Gedanken gemacht hatten, stand ein Plan fest. Vorgesehen war, ein gebrauchtes Anhängerfahrgestell und eine passende Mulde zu kaufen. Die Kosten für das Vorhaben lagen bei etwa 8000 Euro. Um das zu stemmen, bat die Wehr um Spenden. Diese flossen in den Kauf der Löschmulde, die Mitte Dezember bei der Kissinger Wehr ankommt. Für das Projekt spendeten unter anderem die Klinik Bavaria, das Labor LS, das Institut Dr. Nuss, die Sparkasse Bad Kissingen oder Wiedamann Bedachungen. Das Fahrgestell zahlte die Wehr selbst.

Wehr änderte ihren Plan

Bei der Besichtigung kam es jedoch anders als geplant: "Durch einen Glücksfall haben wir statt eines gebrauchten Anhängerfahrgestells ein gebrauchtes Lkw-Fahrgestell angeboten bekommen." Die Wehr entschloss sich nach internen Beratungen, dieses zu kaufen. "Der Lkw hat den Vorteil, dass er handlicher als der Anhänger ist. Das gilt besonders beim Rangieren oder rückwärts fahren", erklärt Albert. Den Aufbau des Fahrgestells zahlt die Stadt Bad Kissingen.

Bad Kissingen: 15 Feuerwehrler arbeiten am Projekt

Regelmäßig arbeiten nun etwa 15 Mitglieder - in unterschiedlichen Teams und unter Achtung der gültigen Corona-Auflagen - der Kissinger Wehr an dem Projekt. "Das Lackieren war richtige Teamarbeit", sagt Albert. Die Floriansjünger waren dafür etwa drei Stunden im Einsatz, rührten Farbe an, leuchteten das Fahrzeug aus und unterstützten die Lackierarbeiten. Das obligatorische Blaulicht und das Funkgerät hat das ehrenamtliche Team ebenfalls am Lkw verbaut.

Neues Einsatzfahrzeug: Das passiert mit der Löschmulde

An der Mulde wollen die Wehrleute noch Hand anlegen. "Sie ist wasserdicht und soll mehrere Anschlüsse, etwa zum Absaugen vom Wasser, bekommen", sagt Albert. Das Fassungsvermögen der Wanne liegt bei etwa 20 000 Liter. Geplant ist, das Fahrzeug multifunktionell zu verwenden. Beispielsweise lasse sich die Mulde auch als Wasserreservoir bei Bränden nutzen.

Winde zieht das Autowrack

Kommt es zu einem Verkehrsunfall mit einem Elektroauto, verfrachtet eine Winde oder ein Kran das Fahrzeug dann in die Löschmulde. Bislang sorgten Unfälle mit Elektroautos für die Bad Kissinger Wehr für wenig Arbeit. "Es waren zwei Fahrzeuge, die aber nicht gebrannt haben", sagt Albert. Notwendig sei der Lkw mit der Mulde dennoch: "Wenn alarmiert wird, dann fahren mir damit landkreisweit." Die Investition sei wichtig für die Zukunft.

Auf der Homepage der Bad Kissinger Feuerwehr lässt sich der Baufortschritt des neuen Einsatzfahrzeuges verfolgen.