Er ist ein echter Prinz, auch wenn das in Deutschland keine Rolle mehr spielt: Karl Friedrich von Hohenzollern, Rechtsanwalt und amtierender Chef des ehemaligen Kaiserhauses. Aber wenn er zum Saxophon oder zum Mikrophon greift, verwandelt er sich in Charly. Dann spielt er Jazz, Swing, Blues, Dixie und vieles andere, was er und seine "Jivemates" so mögen: Norbert Rettenmaier (Saxophon, Orgel), Fieder Berlin (Klavier), Paul Müller (Kontrabass), Peter Schmidt (Schlagzeug) und Werner Acker (Gitarre), der Dienstjüngste im Bunde. Charly & The Jivemates waren schon mehrmals beim Kissinger Sommer, zum letzten Mal vor drei Jahren.

Das Programm, das sie in den Innenhof des Rathauses mitgebracht hatten, folgte keinen äußeren Vorgaben wie etwa durch Jubiläen, sondern brachte bunt gemischt eine Auswahl dessen, was das Sextett offensichtlich gerne spielt: "Flip, Flop & Fly" der Blues Brothers, Frank Sinatras "Chicago" oder "Learnin' the Blues", "My baby just cares for me" von Walter Donaldson, mit dem Nina Simone in den 50er Jahren Karreire gemacht hat, oder Ted Snyders berühmtes "The Sheik of Araby" von 1921.

Und natürlich gab's auch wieder einige Eigenkompositionen von Charly: "Red beans from New Orleans" oder die ruhige Blues-Ballade "Where are you?" mit einem wunderschönen Saxophonsolo oder, bei der Band besonders beliebt, "River of freedom", dessen Einstieg sehr stark an "Let it be" der Beatles erinnerte. Und dann natürlich der Blues für alle Verkaterten: "Early in the morning". Bei "Shake, rattle & roll" klatschte das Publikum endlich mit. Aber dann war's auch schon rum.

Das war alles ausgezeichnet musiziert, mit vielen engagierten Soli. Aber man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die sechs Musiker ihr Publikum insgesamt nicht mehr so leicht erreichten wie noch vor drei Jahren. Es war zum einen der Eindruck einer gewissen hermetischen Routine. Und dann war auch nicht zu überhören, dass Charly immer noch ein ausgezeichneter Bluessänger ist, dass seine Stimme in anderen Gefilden ein bisschen an Prägnanz und Farbe verloren hat - obwohl man noch nie wirklich Gefahr lief, ihn, wenn er Sinatra sang, mit dem Original zu verwechseln. Da schienen sechs ältere Herren vor allem für sich selber musizieren und nicht wirklich den Kontakt zum Publikum suchten. Das zeigte sich nicht nur an den etwas zähflüssigen Moderationen, die zudem lange Anläufe brauchten. Sondern auch daran, dass es erst nach der Pause auffiel, dass das Ansagemikrophon überhaupt nicht richtig eingestöpselt war. Da tat sich der berühmte Funke halt ein bisschen schwer, mit einem Sprung die Bühne zu verlassen.