In einer Sondersitzung hat sich der Bezirkstag über die Schäden am Aschacher Schloss informiert. "An der Inneneinrichtung ist 60 Jahre lang nichts gemacht worden", stellte Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel (CSU) klar. Im Sommer hatte der Kulturausschuss bereits 1,25 Millionen Euro für ein neues Museumskonzept beschlossen. Schon damals waren zusätzlich 400 000 Euro für den Ausbau der Räume angesetzt worden. Nach genauem Hinschauen stellte sich jedoch heraus, dass sich dieser Betrag auf 1,3 Millionen Euro erhöht.


"Fass ohne Boden" für en Bezirk

"Da müssen wir vorher Beschlüsse fassen und dürfen nicht einfach blind in ein Wagnis laufen", betonte Dotzel vor der Sitzung. Deshalb habe er zunächst alle Aufträge für das neue Konzept auf Eis gelegt. Tatsächlich wurde auch in der insgesamt zweistündigen Beratung das Museum durchaus in Frage gestellt: "Entweder gehen wir mit diese Museum in die Zukunft oder wir schließen es ab", fasste die stellvertretende Bezirkstagspräsidentin Eva Maria Linsenbreder (SPD) die Alternativen zusammen. Mehrfach wurde das Museum als "Fass ohne Boden" bezeichnet. Trotz aller Bedenken stimmte der Bezirkstag der Investition aber am Ende sogar einstimmig zu.


Bauzeit steht noch nicht fest

Gernold Janke, Direktor der Bezirksverwaltung, wies darauf hin, dass die Bauabteilung die Arbeiten genau überwache. Das wurde auch im Beschluss fest gehalten. Auf Nachfrage dieser Zeitung war der beratende Ingenieur Klaus-Jürgen Edelhäuser zuversichtlich, dass die veranschlagten Kosten ausreichen. Edelhäuser hat seit 2006 mehrere Arbeiten im Schloss überwacht: "Ich kenne das Gebäude auch hinter den Kulissen." Bei der Dach-Sanierung, der statischen Ertüchtigung und dem Brandschutz habe es stets eine Punktlandung gegeben: "Unsere Aufgabe ist es, die Kosten im Blick zu haben."
Nicht festlegen wollten sich Edelhäuser und Felix Naumann von der Bauabteilung des Bezirks auf eine Bauzeit: Ursprünglich sollten die Arbeiten in den Wintermonaten während der Schließung des Museums stattfinden und 2018 abgeschlossen sein. Das sei nun sicher nicht mehr möglich. Allerdings könne zumindest ein Flügel zugänglich bleiben, auch Einblicke in die konservatorischen Arbeiten seien denkbar.
Im Jahr 1955 schenkte die Familie von Luxburg dem Bezirk das Aschacher Schloss samt Ausstattung und wertvollen Sammlungen. Mit dem Geschenk war die Auflage verbunden, Schloss und Kunstsammlung für die Nachwelt zu erhalten, zitierte Bezirkskämmerer Reiner Klingert aus der Schenkungsurkunde. "Eigentum verpflichtet", sagte auch Tamara Bischof, Kreisrätin und Kitzinger Landrätin der Freien Wähler. Trotzdem sei sie erschrocken über die Kostensteigerung um 900 000 Euro: "Es ist ärgerlich, dass wir diese Kosten erst jetzt haben."
Bischof und weitere Kreisräte sprachen sich zudem für ein besseres Marketing-Konzept aus. "Das ist eine halbe Weltreise von uns in Kitzingen", sagte die Landrätin. Grünen-Bezirksrätin Barbara Imhof ergänzte, dass selbst Bad Kissingen eine Beschilderung fehle. "Angefangen hat alles damit, dass der Rechnungsprüfungsausschuss fest gestellt hat, dass wir hier pro Karte 40 Euro drauflegen", erinnerte Johannes Sitter (CSU) an das Defizit. Tatsächlich hat der Bezirk seit dem Jahr 2000 insgesamt 12,57 Millionen Euro netto in das Aschacher Schloss-Gelände gesteckt, also rund 740 000 Euro pro Jahr. Konkret standen Ausgaben von 14,79 Millionen Euro nur Einnahmen von 2,23 Millionen Euro gegenüber.
Der Löwenanteil der Ausgaben (12,57 Millionen Euro) stammen aus der Unterfränkischen Kulturstiftung. Nach kurzer Diskussion beschlossen die Bezirksräte, dass auch die neuerliche Investition über die Kulturstiftung und nicht aus Steuergeldern finanziert werden. Zudem sollen Zuschuss-Möglichkeiten für das Baudenkmal geprüft werden.


Barrierefreier Zugang

Neben 1,3 Millionen Euro für bauliche Maßnahmen und 1,25 Millionen Euro für die museale Neugestaltung wurden 52 400 Euro für ein Raumbuch und ein verformungsgerechtes Aufmaß beschlossen. Nicht enthalten ist in diesen Kosten der Einbau eines neuen Aufzugs: Der Bezirk erhält aus dem Kommunalinvestitionsprogramm 315 000 Euro, um das Schloss barrierefrei zugänglich zu machen.

"Wir hätten eine ideale Ergänzung der unterfränkischen Museen", warb Dr. Klaus Reder, Kulturdirektor und Bezirksheimatpfleger, für das neue Konzept des Graf-Luxburg-Museums in Schloss Aschach. Und zum SelbstVerständnis des Bezirks sagte er: "Wir sind das kulturelle Gedächtnis von Unterfranken." Allerdings könne der Bezirk eben auch nicht alles erhalten und ausstellen. Die 1,3 Millionen Euro teure Sanierung der Raumhülle von Schloss Aschach (siehe Titelseite) sei eine Voraussetzung für die neue Ausstellung: "Das sind keine Luxus-Maßnahmen, sondern notwendiger Bau-Unterhalt."
Besucher-Befragungen hätten eindeutig ergeben, dass das Hauptgebäude auf dem Schlossgelände der Besucher-Magnet in Aschach ist. Ein Berliner Büro erarbeitete das neue Konzept in Zusammenarbeit mit Museumsleiterin Anette Späth. "Die ostasiatische Sammlung soll deutlich mehr Platz bekommen", nannte sie in der Sondersitzung des Bezirkstags als ein Beispiel für Neuerungen. Die Bibliothek und zwei Besucherräume würden in Zukunft genutzt, um die wertvollen und überregional bedeutenden Exponate besser zeigen zu können. Außerdem soll laut Ingenieur Klaus-Jürgen Edelhäuser zum Beispiel ein Werk von Lukas Cranach, das im Moment eher unscheinbar aufgehängt sei, besser zur Geltung kommen.


Nur erhalten, nicht ersetzen

Neue Vitrinen, neue Läufer und andere Beleuchtung seien Sache des Gestalters, betonte Edelhäuser. Seine Aufgabe sei es, die Voraussetzungen für die Umgestaltung zu schaffen. Also etwa Elektro-Leitungen neu zu verlegen, Böden zu überarbeiten, Fenster auszubessern und die Alarm-Anlage zu ergänzen. "Wir sehen nur eine konservatorische Behandlung vor, keine Rekonstruktion", stellte Edelhäuser beim Rundgang der Bezirksräte klar, dass bereits möglichst kostengünstige Lösung gesucht wurden. So werden zum Beispiel Wandflächen lediglich gesäubert oder Stuck gesichert, aber es würden keine alten Putze frei gelegt oder verloren gegangenen Teile ersetzt.
Alles beim Alten bleibt im Schul-Museum nebenan. Dagegen wird die Ausstellung im Volkskunde-Museum zurückgefahren: "Dort zeigen wir das Wohnen auf dem Lande, im Schloss stehen das Leben der Familie Luxburg und die Bediensteten im Mittelpunkt", erläuterte Reder. Weitgehend aufgegeben werde im Volkskundemuseum der Teil, in dem die Mechanisierung der Landwirtschaft zu sehen war. "Das machen andere Standorte besser." Deshalb seien die ersten Traktoren und landwirtschaftlichen Geräte auch bereits in Richtung Freilandmuseum Fladungen abgegeben. Andere Geräte gehen zurück an die ehemaligen Eigentümer, etwa eine alte Dreschmaschine nach Hammelburg.


Neuer Raum für Veranstaltungen

Durch die Umorganisation entsteht mehr Freiraum: Das Hauptgebäude des Volkskundemuseums bleibt im Obergeschoss weitgehend unverändert, im Erdgeschoss wird Platz für Sonderausstellungen geschaffen. Die Scheune dagegen sei in Zukunft komplett frei. Während des Umbaus könne sie als Depot genutzt werden, später als Veranstaltungsraum. "Das ist ohne zusätzliche Kosten möglich", betonte Reder.
"Wir haben in den vergangenen Jahren sehr viel in die Statik investiert, aber innen haben wir immer nur das Notwendigste gemacht", berichtete Museumsleiterin Späth. Die Mängel waren beim Rundgang auch eindeutig zu erkennen: Risse in den Wänden, Verfärbungen und vor alem jede Menge Stromleitungen, die kreuz und quer an Decken und Wänden entlang laufen, passen nicht zu einer neuen Ausstellung.


Schau in Original-Ambiente

"Die historischen Raumhüllen gehören zu Schloss Aschach, das ist das Besondere des Hauses", verwies Späth darauf, dass Gemälde, Besteck, Gläser und vieles mehr in Aschach genau so präsentiert werden, wie sie im 19. Jahrhundert verwendet wurden. Und: "Wenn das alles jetzt ausgeräumt wird, sollten wir alles erledigen", warb auch Späth für die Verbindung aus neuer Konzeption und Sanierung.
Ingenieur Edelhäuser wies beim Rundgang unter anderem darauf hin, dass viele Exponate nicht ausgeräumt werden können, etwa der große Schrank im Eingangsbereich oder die historischen Öfen und Kamine. Zudem müssten 1200 Quadratmeter historischer Böden während der Bauarbeiten geschützt werden. Allein diese Maßnahmen addieren sich laut Edelhäuser auf eine fünfstellige Summe.