Als vor fünfzehn Jahren Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer die Partnerschaft zwischen den unterfränkischen Reservisten und den ungarischen Reservisten des Regierungsbezirks HEVEZ aus der Taufe hob, dachte noch niemand daran, was aus dieser Vereinigung einmal entstehen würde. Was als kameradschaftlicher Bund gedacht war wurde zu einem humanitären Projekt immer größeren Ausmaßes.

Schon nach wenigen Besuchen in der an der Grenze zur Ukraine gelegenen Region um Eger (Deutsch Erlau) wurde den unterfränkischen Kameraden klar, dass sie nicht nur zum Feiern kommen sollten. Hohe Arbeitslosigkeit, veraltete Gesundheitsversorgung, marode Schulen und viele bedürftige Familien brachten sie auf die Idee: hier müssen und können wir helfen. Sie gingen in die örtlichen Krankenhäuser, besuchten Altenheime und Schulen, bekamen Kontakt mit dem "Verein kinderreicher Familien" und ließen sich Listen mit den am dringendsten benötigten Hilfsgütern geben.

Netzwerk der Hilfsbereitschaft

Bald entstand ein unterfränkisches Netzwerk: Ulrich Feldmann aus Bad Kissingen, selbst Reserveoffizier, nahm als Beauftragter für die Humanitäre Hilfe für Ungarn Kontakt zu Krankenhäusern, Pflege- und Seniorenheimen der Region auf und bat um Spenden. Es war erstaunlich, wieviel gebrauchsfähiges medizinisches Gerät, Mobiliar und Pflegeausstattung aufgrund von Modernisierungen der Häuser dem Hilfsprojekt zur Weiterverwendung überlassen und damit der Entsorgung entrissen werden konnten. Inzwischen werden zwei bis drei Transporte pro Jahr zusammengestellt, meist mit Sattelzügen von Subunternehmen der Bad Neustädter Spedition Geis.

"Die Engel aus dem Westen"

Oft begleitete eine Abordnung die Transporte nach Ungarn, wo unsere Reservisten in der Presse bald den Ehrentitel "Die Engel aus dem Westen" erhielten. Leider ist das seit Beginn der Corona-Pandemie nicht mehr möglich.

Auch die Öffentlichkeit wurde auf das Projekt aufmerksam und so kommen jedes Jahr wertvolle Kleiderspenden für die sozialschwachen Familien an der ukrainischen Grenze zusammen. Seit mehreren Jahren können die gesammelten Hilfsgüter dank des Vorstands der Helios-Kliniken Bad Kissingen und Hammelburg im Bereich der Hammelburger Ortho Klinik zwischengelagert werden.

Vor Kurzem war es wieder soweit. Ein Anruf von Dr. Dirk Keßler, Chefarzt der Bavaria-Klinik, Bad Kissingen: "Wir könnten 15 elektrische Betten mit komplettem Zubehör sowie Klinik-Mobiliar dem Hilfsprojekt überlassen - aber in einer Woche muss alles aus dem Lager weg sein." Oberstabsfeldwebel d. Res. Otto Jahrsdörfer, stellvertretender Bezirksvorsitzender und zugleich Vorsitzender der Bad Neustädter Reservisten, nahm sofort Verbindung mit dem Präsidenten der ungarischen Reservisten des Bezirks Hevez, Oberst d. Res. Sandor Munkacsy auf und erfuhr, dass ein Seniorenheim bei Eger dringend moderne Betten und Pflegeausstattung benötige. Sponsoren zur Finanzierung eines Sattelzuges seien bereits gefunden. Schnell wurde wieder eine Belademannschaft aus der Bezirksgruppe zusammengestellt und in Absprache mit der ungarischen Transportfirma der Termin für die Beladung festgelegt.

Feldmann hatte inzwischen beim Gesundheitsamt eine Ausnahmegenehmigung der Infektionsschutzbestimmungen für die erforderliche gemeinsame Arbeit der beteiligten Reservisten erwirkt. Gleichzeitig mit dem Lkw aus Ungarn traf an der Bavaria-Klinik ein 7,5 Tonner ein, den die Reservisten aus Bad Neustadt mit Pflegeausstattung aus dem dortigen Campus beladen hatten. Großzügig hatte die Neustädter Wäscherei Ullmer wieder sechs Container mit Pflege- und Bettwäsche, die von mehreren Kliniken wegen Modernisierung nicht mehr benötigt wird, für das Hilfsprojekt gewaschen und gespendet.

Als der ungarische Lkw eintraf, hatte Lothar Schmitt von den Kissinger Reservisten bereits mit zwei Kameraden die gesamte Bettwäsche in Kartons verpackt. Inzwischen hatten die Helfer der Klinik unter Leitung von Mathias Schaub die Betten auch bereits verladefertig gestapelt. Der Lkw der Firma Geis Bad Neustadt wurde sofort "Heck an Heck" von der sechsköpfigen Mannschaft der Neustädter Reservisten auf den Sattelzug umgeladen. Stabsfeldwebel d. Res. Kurt Berger, Vorsitzender des ungarisch-deutschen Partnerschaftskomitees leitete danach die Verladung der Betten mit der "Ameise", dem Hubwagen der Klinik.

In drei Stunden war es geschafft: Der 42. Hilfstransport mit Gütern im Wert von etwa 25 000 Euro konnte seine Reise nach Eger antreten, wo ihn die ungarischen Kameraden abladen und die Verteilung der Güter leiten werden.

Michael Presl, Eigentümer und zugleich Geschäftsführer der Bavaria-Klinik überzeugte sich persönlich vom reibungs-losen Ablauf der Aktion und spendete den Reservisten Beifall für ihre gute Organisation und ihren Einsatz.

Beeindruckend ist die bisherige Bilanz des Hilfsprojekts der Rhön-Saale-Reservisten: so konnten seit 2017 dank der Spendenbereitschaft vieler Einrichtungen und Menschen der Region bereits circa 490 Tonnen Hilfsgüter im geschätzten Wert von 2,5 Millionen Euro an mehrere Hospitäler, Seniorenheime, Schulen und Landpraxen sowie kinderreiche Familien im Komitat HEVEZ übergeben werden, und das alles in ehrenamtlicher Arbeit Hunderter Reservisten unserer Region Main-Rhön-Saale. Ulrich Feldmann