Als erster linker Ministerpräsident überhaupt führt Bodo Ramelow seit knapp vier Jahren den Freistaat Thüringen. Der 62-Jährige stammt aus Niedersachsen und engagierte sich sehr stark gewerkschaftlich. Von 2005 bis 2009 saß er im Deutschen Bundestag.

Herr Ramelow, waren Sie in Chemnitz, um Ihre Solidarität auszudrücken? Nein. Ich bin Ministerpräsident des Freistaates Thüringen und neige nicht dazu, mich in aktuelle politische Auseinandersetzungen in anderen Bundesländern hineinzubegeben. Ich habe eine Meinung zu einem bestimmten Vorfall in Chemnitz, und zwar, dass auch ein jüdisches Lokal überfallen worden ist. Als Stiftungsratsmitglied im Abraham-Geiger-Kolleg kümmere ich mich intensiv darum, dass das Zusammenleben mit Menschen jüdischen Glaubens in unserer Gesellschaft einen höheren Schutz bekommt. Ich war ziemlich betroffen darüber, dass es Tage dauerte, bis man überhaupt zur Kenntnis genommen hat, dass das passiert ist.

Wann wird so etwas Ähnliches wie in Chemnitz in Gera, Jena oder Eisenach passieren? Das hat doch alles schon stattgefunden. In Eisenach ist vor 15 Jahren ein Döner-Imbiss in die Luft gesprengt worden. Der Täter war im Gefängnis und ist heute der NPD-Kreisvorsitzende. In Saalfeld haben wir zwei große Demonstrationen gehabt, da war ich noch Gewerkschaftschef. Da war das, was heute Chemnitz ist, auch schon sichtbar. Aber ich bitte darum zur Kenntnis zu nehmen, dass sich das gleiche Thema auch auf der anderen Seite abspielt, also in Franken, Nürnberg, Bayern, Hessen. Wenn ich mal an Karl-Heinz Hoffmann und seine Wehrsportgruppe erinnern darf, der war aus Nürnberg und dem Großraum Franken, gebürtig aber aus Kahla. Was mich in Chemnitz umgetrieben hat, ist der Schulterschluss von Björn Höcke mit den Rechten. Da hat er es öffentlich gezeigt, obwohl er es vorher schon immer gemacht hat.