"Wo bleibt denn eigentlich der groß angekündigte Stadtstrand? Verläuft der im Sande?" Diese Frage hat Kirsten Piening (in Facebook unter ihrem Mädchennamen Kaufungen angemeldet) im Internet gestellt. Die Reaktion anderer User zeigt, dass das Thema bewegt: 45 Kommentare gab es in kürzester Zeit dazu. Eine - nicht ganz ernst gemeinte - Antwort: "Mit dem Aufbau des Stadtstrandes soll gewartet werden bis nach dem Frühjahrshochwasser.
Also gleich nach der Schneeschmelze geht's los." Betreiber Edgar Gleinser weiß es besser: "Wir wollen am 30. April, also rechtzeitig vor dem 1. Mai eröffnen", sagt er auf Nachfrage der Saale-Zeitung.

Wechsel nach nur einem Jahr

Kirsten Piening war im vergangenen Jahr regelmäßig am Stadtstrand. "Es war sehr schön dort", sagt die 42-jährige Bad Kissingerin. Auch mit dieser Meinung war sie nicht alleine: Die Premiere 2013 wurde ein Erfolg. Umso überraschender war, dass der Wirtschaftsausschuss dem damaligen Betreiber Andreas Lampert das Projekt nach nur einem Jahr wieder wegnahm und sich für Edgar Gleinser, den Pächter des Spielbank-Restaurants "Le jeton", als neuen Betreiber entschied.
"Wir haben's nicht unterschätzt, aber es dauert einfach, bis alles so ist, wie wir das wollen", sagt Gleinser, der sich unter anderem als Vorstandsvorsitzender der Staatlichen Mineralbrunnen AG einen Namen in der Region gemacht hat. So sei etwa der Kurpark in dem Bereich nur befahrbar, wenn es trocken genug ist. Deshalb schränkt er auch für die geplante Eröffnung zum 1. Mai ein: "Voraussetzung ist, dass das Wetter mitspielt." Und: "Bei 5 oder 6 Grad Celsius brauchen wir nicht aufzumachen."

Trotzdem laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren: 250 Tonnen Sand seien bereits bestellt. "Das wird sich in den nächsten zwei Wochen sehr schnell entwickeln", verweist er auf Verträge mit Lieferanten. Dabei sei die Ausrichtung klar: "Alles, was okay war, wird übernommen", scheut sich Gleinser nicht, das Konzept seines Vorgängers Lampert vom Vorjahr zu kopieren.

Trotzdem punktete Gleinser im Wirtschaftsausschuss mit etlichen Änderungsvorschlägen: So hat er zum Beispiel angekündigt, dass es einen Sicherheitsdienst rund um das Gelände geben soll. Auch die Lautstärke will Gleinser begrenzen, schließlich sei er selbst im vergangenen Jahr im benachbarten "Le jeton" Leidtragender gewesen: Bis zur Terrasse des Restaurants schallte die Musik. Das soll nun zum einen durch eine dezentrale Beschallung und zum anderen durch eine Begrenzung der Lärmpegel vermieden werden.

"Es muss noch vieles abgesichert werden", sagt Gleinser über die Verhandlungen mit sämtlichen beteiligten Behörden. Die seien zum Teil skeptisch, weil 2013 wohl nicht alle Auflagen eingehalten wurden. "Es bedarf schon jeder Menge Organisation", bittet Gleinser um Verständnis, dass auch diese Verhandlungen zu Verzögerungen führen.

Angekündigt hat der neue Betreiber auch eine Video-Überwachung des Bereiches, weil es im Sommer 2013 Einbrüche gab. Aber: "Die Kameras laufen nur nachts, während des Betriebes wird niemand gefilmt", stellt Gleinser klar. Weitere Neuerung: Im Stadtstrand soll es alkoholfreie Schüler-Nachmittage geben, in Zusammenarbeit mit der Musikschule will er zudem kleine Konzerte organisieren.

Stadt hat keine Handhabe

"Die Beleuchtung wird von außen nach innen angeordnet", heißt es weiterhin im Konzept. Auch dadurch soll die Belästigung von Nachbarn vermieden werden. Zudem solle der Stadtstrand farblich besser abgestimmt werden, "um gediegener und hochwertiger zu wirken". Reduzieren will Gleinser die Sandflächen, stattdessen soll es mehr Gras- und Holzbodenfläche geben. Ein Holzboden ist unter anderem vorgesehen in den Brückenbögen, die passend zum Rosengarten verblendet werden sollen.

Über die Verzögerung hat Gleinser mittlerweile auch die Stadt Bad Kissingen informiert. "Es wäre unser Wunsch gewesen, dass der Stadtstrand schon an Ostern den Betrieb aufnimmt, aber das war nicht vertraglich fixiert", sagt Pressesprecher Thomas Hack. Bei der Vorstellung ihrer Konzepte im Wirtschaftsausschuss hatten beide Bewerber noch zugesagt, bereits an Ostern öffnen zu können. Trotzdem bleibt es laut Hack dabei: Der Eröffnungstermin und auch das Konzept liege alleine im Ermessen des Betreibers. Einziges Druckmittel: Auch für 2014 wurde der Vertrag lediglich für ein Jahr geschlossen, nach dieser Saison wird der Stadtstrand also erneut ausgeschrieben.