Fahrradfahrer sind auch touristisch eine wichtige Zielgruppe: "An der Tourist-Info gehen Anfragen sowohl für Fahrräder, als auch für E-Bikes ein", berichtet die Staatsbad GmbH auf Nachfrage. Darauf würden auch immer mehr Häuser reagieren und selbst Räder für ihre Gäste anbieten. Die Rhön-Klinik in der Kurhausstraße verleiht sogar an externe Gäste. Ältester Fahrrad-Verleiher in der Stadt dürfte jedoch der Quellenhof in der Rosenstraße sein. "Zu den Glanzzeiten hatten wir mal 70 Räder", berichtet Inhaber Stefan Kuhn.


Per Brief im März gekündigt

Wegen der zunehmenden Konkurrenz durch die Gastgeber habe er mittlerweile aber nur noch rund 30 Fahrräder, dafür sind aber auch zwei E-Bikes im Angebot. Bis Herbst bot Kuhn die geführten Fahrrad-Touren in Zusammenarbeit mit der Staatsbad GmbH an. Diese Kooperation wurde allerdings im März gekündigt. Zu den Hintergründen gibt es unterschiedliche Angaben: Die Staatsbad GmbH verweist auf Beschwerden von Gästen, Kfz-Techniker-Meister Stefan Kuhn weist solche Vorwürfe zurück.
Das Schreiben der Staatsbad GmbH besteht aus nur zwei Sätzen: "Sehr geehrter Herr Kuhn, hiermit möchten wir Ihnen mitteilen, dass von Seiten der Bayer. Staatsbad GmbH ab diesem Jahr 2017 keine Radtouren mehr für unsere Gäste angeboten werden. Wir bedanken uns für die Zusammenarbeit in den letzten Jahren und wünschen Ihnen alles Gute für die Zukunft", schreibt Timo Tully, der Leiter des Gästeservices das Staatsbad GmbH.
"Das kam völlig überraschend, wenn man wenigstens vorher mal drüber geredet hätte", ärgert sich Stefan Kuhn. Er fühlt sich an das Vorgehen der Staatsbad GmbH beim Buchladen von Barbara Weyh auf der Ludwigsbrücke erinnert: "Es gab keine Nachfragen oder Signale der Staatsbad", betont er, selbst auf Nachfrage habe er keine Begründung erhalten. Sogar Ausgaben hat Kuhn wegen der Absage, weil er zu Jahresbeginn die Versicherung für die Touren verlängert habe.


"Immer wieder in Kontakt"

Die Begründung liefert die Presseabteilung der Staatsbad GmbH auf Anfrage nach: "Leider erreichten uns immer wieder Hinweise von Gästen, die mit dem Service und Angebot nicht zufrieden waren, diese nehmen wir ernst", heißt es dazu schriftlich. Die Staatsbad GmbH sei "dazu auch immer wieder in Kontakt mit dem Anbieter" gewesen. Wegen des hohen Qualitätsanspruchs sei beschlossen worden, "die Zusammenarbeit und das Angebot aufgrund der Resonanzen in dieser Form nicht weiter anzubieten".
Das Merkwürdige: Im Widerspruch zum Schreiben an Kuhn gibt es weiterhin geführte Radtouren - und zwar sogar mit dem bewährten Gästeführer Paul Munack, der bisher im Auftrag von Stefan Kuhn unterwegs war und jetzt direkt von der Staatsbad GmbH entlohnt wird.
"Herr Kuhn hat das vorher gewusst", widerspricht Timo Tully von der Staatsbad GmbH ganz direkt. Zudem habe es auch keinen Vertrag gegeben, lediglich eine lose Kooperation. Nach Meinung des Leiters Gästeservice müsse die Staatsbad GmbH auf "Glaubwürdigkeit und Qualität" achten. "Eine Frau wurde barsch angegangen", nennt Tully als konkreten Vorwurf. Zudem hätten Gäste die Räder als "klapprig" bezeichnet und sich beschwert, dass Räder angeblich nicht verkehrstauglich waren. Tully: "Da hört der Spaß auf."
"Das entspricht nicht der Wahrheit", wehrt sich Kuhn gegen solche Vorwürfe, und: "Alle meine Fahrräder sind verkehrssicher." Er habe zwar eher das "gemütliche Stadtrat" im Angebot und nicht die neuesten Mountain-Bikes, aber die seien immer gut gewartet, betont der Kfz-Techniker-Meister. Zudem biete er einen umfassenden Service an: "Ich bin sieben Tage die Woche erreichbar." Wer bei ihm ein Fahrrad leihe, bekomme bei einer Panne unterwegs sofort ein Ersatzrad nachgefahren. Bei seinen beiden E-Bikes sei zudem sogar eine Unfall-Versicherung im Preis enthalten. Dass es bei der Ausgabe von mehreren Rädern innerhalb kurzer Zeit vor den Touren auch mal schnell gehen müsse, gesteht Kuhn ein. Trotzdem sei er nie unhöflich zu Gästen gewesen.
Aus dem Streit komplett raushalten will sich Gästeführer Paul Munack: "Wir hatten nie einen Unfall", stellt er nur klar, und: "Meckerer gibt es natürlich immer wieder, aber das betraf meistens die Räder, die die Teilnehmer aus Hotels mitbrachten." Überhaupt sei merkwürdig, wie wenig sich die Gäste zum Teil mit den geliehenen Rädern auskennen: "Wer ein normales Fahrrad leiht, kann nicht erwarten, dass er ein E-Bike bekommt, das von selbst fährt", nennt Munack als Beispiel, und: "Wenn die Leute mit einem Fahrrad zu meinen Touren kommen, muss ich davon ausgehen können, dass sie das Fahrrad auch beherrschen." Zum Streit zwischen Staatsbad und Quellenhof sagt der passionierte Radler ansonsten nur eines: "Ich war selbst überrascht."


Von leicht bis anspruchsvoll

Unabhängig von dem Streit gibt es auch heuer von Mai bis Oktober dienstags und samstags jeweils um 14 Uhr geführte Radtouren zu unterschiedlichen Zielen. Bei den leichten Touren begleitet Munack die Teilnehmer im Saale-Tal zum Beispiel bis nach Bad Bocklet, Aschach oder Frauenroth, als mittelschwer sind die Strecken nach Haard oder zur Ruine Aura gekennzeichnet, anspruchsvoll sind die Ziele Wittelsbacher Turm und Ramsthal mit Weinbergsrunde.
Wer sich lieber alleine auf den Weg macht, erhält bei der Tourist-Info die Karten dazu: Die Wander- und Radwanderkarten für die Bayerische Rhön umfassen die Landkreise Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld. Die Radwanderkarte "Rhöner Land" reicht bis bis Gersfeld. Einer der Höhepunkte der Fahrrad-Saison ist schon seit Jahren die gemeinsame Radtour des Bäderlandes Bayerische Rhön. Heuer machen sich Kurdirektoren und Bürgermeister am Montag, 26. Juni, mit Interessierten auf den Weg von Bad Königshofen nach Bad Brückenau.

Dazu ein "Angemerkt" von Redakteur Ralf Ruppert:

Der Umgangston ist rau geworden.

Aussage steht gegen Aussage

Der nüchterne Bericht verträgt sich nicht mit einer Wertung, Reporter sind zunächst einmal nur Boten, keine Richter. Deshalb bleiben in unserem Bericht zu den Querelen der Staatsbad GmbH mit Quellenhof-Inhaber Stefan Kuhn Aussage gegen Aussage stehen. Das ist auch für uns manchmal unbefriedigend. Unter der Rubrik "Angemerkt" dagegen wird hier auf der Titelseite jeden Tag Tacheles geredet. Also: Vielleicht ist es tatsächlich notwendig, dass die Staatsbad GmbH den ein oder anderen alten Zopf abschneidet, um die Qualität zu sichern oder sogar zu erhöhen. Wie bereits bei der Buchhandlung Weyh scheint sie das jedoch äußerst ungeschickt und unsanft zu tun. Das ist mehr ein Ausreißen als ein Abschneiden der Zöpfe - und so etwas hinterlässt bekanntlich Narben, die nie oder nur schwer wieder verheilen.