Ab Montag, 18. Januar, soll es eine Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken in öffentlichen Verkehrsmitteln und beim Einkaufen geben. Das erregt die Gemüter der Bevölkerung. Zum einen, weil sie merkbar teurer sind, als einfache selbstgenähte Masken - und, weil die Zeit zwischen Ankündigung und Umsetzung sehr kurz ist. In sozialen Netzwerken sprachen Nutzer davon, keine Masken mehr bekommen zu haben.

Zumindest in den Apotheken sind die Masken vorhanden. Von fünf angefragten Apotheken in der Kurstadt meldete keine einen Mangel an. Alle versicherten, auch für die kommenden Tage noch genügend FFP2-Masken auf Lager zu haben. Das hat aber einen anderen Grund: "Eigentlich bereiten wir uns derzeit auf die Aktion von den Krankenkassen und Jens Spahn vor", sagt Tilman Bayer, Inhaber der Ludwig-Apotheke in Bad Kissingen.

Bei der genannten Aktion bekommen Risikogruppen zwei Mal einen Sechserpack FFP2-Masken für zwei Euro. Es war geplant, die Masken ab kommender Woche auszugeben. "Über die neue Regelung habe ich auch erst Dienstag über das Autoradio erfahren", sagt Bayer.

Ein gewisser Aktionismus

"Das Problem ist, dass es praktisch jede Woche eine neue Idee gibt. Und wir müssen das dann umsetzen", sagt der Apotheker. "Die neue Regelung hat einen gewissen Aktionismus. Es ist nicht zu Ende gedacht." Die Angestellten in den Apotheken packen derzeit eigentlich Sechserpacks für die Bedarfsberechtigungsscheine. Nun müssen sie mit diesem Vorrat den Bedarf der gesamten Bevölkerung vor Ort decken.

"Wir bräuchten eigentlich mehr Vorlauf, damit wir den Bedarf abschätzen können", sagt Bayer. Denn: Er habe noch keine Vorstellung, wie viele Masken die beiden Gruppen - also die Risikogruppen zum einen und der Rest der Bevölkerung auf der anderen Seite - brauchen.

"Jeder möchte Masken, und das bestenfalls schnell und billig." Das sei für die Apotheken in dieser Lage schwierig: "Das Grundproblem ist, dass es nicht abgesprochen wurde", sagt Bayer. An sich sei er bereit, solche Vorhaben umzusetzen - wenn zuvor eine ausreichende Planung möglich ist.

Drogeriemarkt Müller bald wieder ausgestattet

In den Drogeriemärkten schaut es anders aus. Sie hatten weniger Vorrat, da sie im Gegensatz zu den Apotheken nicht an der Ausgabe der Sechserpacks Masken beteiligt sind. Andrea Karch, Filialleiterin des Drogeriemarktes Müller in Bad Kissingen, sagt: "Bis Dienstagmittag hatten wir Masken vorrätig." Bis sie von der neuen Regelung erfahren hatte und darauf reagieren konnte, waren die Masken bereits ausverkauft.

Doch in der Nacht auf Donnerstag kommt neue Ware an: "Die Lieferung wurde Dienstagmorgen gepackt." Eine Lieferung mit noch mehr Masken ist ebenfalls in Planung, sodass ab Montag genügend Masken vorhanden sein sollten.

Längere Anlaufzeit wäre besser gewesen

"Es ist ein bisschen wie ein Überfall: Wie soll ich als Filialleitung reagieren, wenn jemand in den Laden kommt und keine FFP2-Maske trägt, wenn ich auch vorher nicht genügend anbieten konnte?" Sie hätte es begrüßt, wenn es eine längere Anlaufzeit gegeben hätte - also von der Ankündigung bis Inkrafttreten der Regelung. Das wäre für die Menschen und die Geschäfte leichter gewesen.

Auch in Supermärkten gibt es FFP2-Masken. André Pfennig, stellvertretender Leiter des E-Center Rüttger in Bad Kissingen, sagt: "Ich hatte vorher bereits Masken, aber nur wenige. Die liefen nicht besonders. Die sind jetzt alle weg." Gegen Ende der Woche soll bei ihm Nachschub ankommen.

Im Netz laufen derweil Fragen auf. Einige sollen hier beantwortet werden:

Einen Kommentar zur Einführung der FFP2-Maskenpflicht lesen Sie hier.

Fragen zu FFP2-Masken

Wo gibt es die Masken?

Im Netz, bei Apotheken, Drogeriemärkten und vermehrt auch in Supermärkten sind Masken vorhanden.

Woran erkenne ich, ob meine Maske sicher ist?

Käufer sollten immer auf die CE-Kennzeichnung achten, die auf die Maske gedruckt ist. Es bedeutet, dass die Hersteller bestimmte europäische Standards einhalten. Hinter der CE-Kennzeichnung ist die vierstellige Kennnummer des Prüfunternehmens.

Welche Unterschiede gibt es?

Es gibt FFP2, KN95 und N95. Das sind Bezeichnungen für partikelfiltrierende Halbmasken aus verschiedenen Ländern: FFP2-Masken erfüllen eine deutsche DIN-Norm. Sie hat eine Filterwirkung von mindestens 94 Prozent. Die N95-Masken sind nach US-Standard zugelassen und haben eine Filterwirkung von mindestens 95 Prozent. Ebenso die KN95-Masken. Sie sind nach chinesischem Standard zugelassen.

Welche Trageregeln gibt es?

Hersteller empfehlen, die Maske zu wechseln, wenn sie durchfeuchtet ist. Zudem weisen sie eine Höchst-Tragedauer aus. Nach deutschem Arbeitsschutzrecht dürfen FFP2-Masken ohne Ventil 75 Minuten getragen werden, dann sollte eine mindestens halbstündige Pause folgen. Beim Einkaufen oder Bus fahren wird diese Zeit jedoch selten überschritten.

Darf ich die Maske mehrfach verwenden?

Ja. Zum Desinfizieren die Maske bei 80 Grad in den Backofen legen oder sieben Tage zum Trocknen aufhängen. Mehr als fünfmal sollte die FFP2-Maske nicht mehr verwendet werden.

Verdient Markus Söders Frau Karin an der Maskenpflicht?

Nein. Im Netz taucht diese Aussage wieder vermehrt auf. 242 Millionen Euro Umsatz habe sie erwirtschaftet. Denn die Baumüller Gruppe, bei der die Miteigentümerin ist, habe kurz nach der Anordnung Söders zur Maskenpflicht im April 2020 die Maskenproduktion gestartet. Es handelt sich jedoch um sogenannte "Face Shields", also um Plastik-Gesichts-Schilde, die nicht als Maske zählen.