Welche Schadstoffe befinden sich in Spielzeugen, Cremes, Geschirr, Schmuck oder Kleidung? Geht von ihnen eine Gefahr aus, weil der Körper sie in einer schädlichen Dosis aufnimmt? Wie viel Promille Blutalkohol hatte der Autofahrer, den die Polizei nach dem letzten Kneipenabend kontrolliert hat? All das analysiert das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) künftig für ganz Bayern zentral von Bad Kissingen aus.

Vor fünf Jahren wurde damit begonnen, das Kurhausbad und den Neumannflügel für 56,9 Millionen Euro zur LGL-Dienststelle umzubauen und generalzusanieren. Inzwischen sind die Bauarbeiten nahezu abgeschlossen und rund 80 von im ersten Schritt 100 LGL-Mitarbeitern sind am Standort bereits im Einsatz.

Die promovierte Lebensmitteltechnikerin Nina Zänglein ist eine davon. Eine ihrer Hauptaufgaben im Moment: die höchstempfindlichen und teuren Laborgeräte für den Analytikbetrieb vorbereiten. Zänglein ist Sachbearbeiterin für Messtechnik. Zu ihrer Arbeit gehört das Bedienen der Massenspektrometer, der Foto-, Flüssig- und Gaschromatographen. "Diese Geräte brauchen wir, um zu bestimmen, welche Schadstoffe in einer Probe vorhanden sind", sagt sie. Eine Gerät kostet neu mehrere hunderttausend Euro. Entsprechend exakte Messergebnisse sind möglich und entsprechend sorgfältig müssen die Geräte eingestellt werden. "Wenn man einen Zuckerwürfel in den Bodensee werfen würde und umrührt, könnten wir die Rückstände nachweisen", erklärt sie.

Laborbetrieb startet 2023

"Wir arbeiten noch nicht im Ernstbetrieb. Bis jetzt wird alles eingemessen", sagt Professor Christian Weidner. Der Humanmediziner und Physiker ist der Präsident des Landesamtes und für alle Mitarbeiter an den 16 LGL-Standorten in Bayern verantwortlich. Das Einmessen ist deshalb so wichtig, weil die Akkreditierung der Labore davon abhängt. Sowohl die Geräte, als auch die die Prüfverfahren mit denen die Labormitarbeiter später arbeiten, als auch die Mitarbeiter selbst - alles wird in den nächsten Monaten von einer unabhängigen Prüfstelle abgenommen. "Erst wenn wir die Akkreditierung haben, können wir in Bad Kissingen amtliche Proben messen", erklärt der LGL-Präsident.

Die 45 Labore im Neumannflügel sind weitgehend eingerichtet, der reguläre Betrieb wird dennoch erst voraussichtlich 2023 starten. "Die Labore ziehen peu à peu um, aus dem laufenden Betrieb", sagt Weidner. Das sei organisatorisch eine Herausforderung, weil das LGL immer in der Lage sein muss, seine Aufgaben zu erledigen. Hinzu kommt, dass nicht einfach Personal von einem bestehenden Standort nach Bad Kissingen verlagert wird. Ein Beispiel: Kosmetikprodukte werden bislang in Oberschleißheim untersucht. Wird dort eine Stelle frei, stellt das LGL den neuen Mitarbeiter für Bad Kissingen ein. Der Personalaufbau in Bad Kissingen sei deshalb ein mehrjähriger Übergangsprozess.

"Die 80 Mitarbeiter wurden nahezu alle neu für Bad Kissingen eingestellt", berichtet Weidner. Stark spezialisiertes Personal habe das LGL deutschlandweit gewonnen, anteilig seien das aber nur wenige. "Die Mitarbeiter kommen überwiegend aus der Region. Wir haben auch einige, die aus der Gegend stammen und froh sind, dass sie jetzt wieder heimatnah arbeiten können", sagt Leiter des Landesamtes.

Das Kurhausbad dient dem LGL als reines Bürogebäude. Hier ist die Verwaltung und die IT untergebracht, die Mitarbeiter des Instituts für Kurortmedizin, das Zentrum für Prävention und Gesundheitsförderung sowie eine Abteilung, die sich mit der Ärzteversorgung im ländlichen Raum beschäftigt. Der Neumannflügel dient als Laborgebäude. Dort wird der Betrieb mit den Blutalkoholanalysen für die Polizei starten. Weidner betont: "Da muss der Übergang nach Bad Kissingen lückenlos funktionieren."

Die Abteilungen für die Produktprüfungen werden nach und nach in Betrieb genommen. Von den generalsanierten, historischen Kurbauten ist sowohl der LGL-Chef, als auch die Mitarbeiter in Bad Kissingen begeistert. "Ich höre nur positive Aussagen. Es ist ein Privileg in einem Welterbegebäude zu arbeiten", lobt Weidner. Die Gebäude tragen zur Attraktivität des Arbeitsplatzes bei, ebenso wie die innerstädtische Lage. Besonders angetan hat es ihm der Neumannflügel, der früher als Königliches Logierhaus den Hochadel beherbergte. "In den Laboren dort glaubt man nicht, dass man eigentlich in einem Barockgebäude steht", sagt er.

Wo das LGL sich erweitern will

Der LGL-Standort ist noch nicht vollständig in Betrieb und das Personal noch nicht komplett, laufen dennoch bereits die Planungen für die zweite LGL-Ansiedlung in Bad Kissingen. Im Zuge des zweiten Teil der bayerischen Behörderverlagerung, wird auch das Aus- und Fortbildungszentrum des Landesamtes mit weiteren 100 Arbeitsplätzen in die Kurstadt verlegt. "Beide Verlagerungen sind miteinander verzahnt", erklärt Weidner. Schon jetzt sind Mitarbeiter aus der zweiten Verlagerung für Bad Kissingen eingestellt, etwa Mitarbeiter des Krebsregisters oder einer Infektionstaskforce. Wo der zweite Standort unterkommt, werde derzeit geprüft. Wunsch des LGL ist es, das ans Kurhausbad angrenzende Anwesen in der Prinzregentenstraße 4 zu nutzen. Das Gebäude gehört dem Freistaat, hier waren früher Büros der staatlichen Immobilienverwaltung untergebracht.