Nein, Gewissheit, ob die "Nacht des Sports" im November wirklich stattfindet, hat der kommissarische TSV-Vorsitzende Michael Nachemia keine. Doch aufstecken will er nicht. Notfalls hat er Alternativen im Blick.

Bei der Nacht des Sports fungiert die Stadt als Veranstalter; der TSV gestaltet "nur" das Rahmenprogramm. Die Verwaltung muss also entscheiden. Doch aus dem Büro von Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) heißt es auf Anfrage nur: "Die Stadt Bad Kissingen und der TSV Bad Kissingen stehen bezüglich der Nacht des Sports in Gesprächen. Wir bewerten die Situation gemeinsam und werden Ihnen diese Entscheidung zu gegebener Zeit gerne mitteilen." Ein Gesprächstermin in den nächsten Wochen sei angedacht.

Konkretes im September?

Michael Nachemia hofft, "im Laufe des September etwas Konkretes zu hören". Doch eines kann der 56-Jährige sagen: "Die Nacht des Sports ist nicht ganz vom Tisch, obwohl es vonseiten der Stadt negativ aussieht. Aber es stehen kleinere Ersatzveranstaltungen im Raum."

Diese Aussage gründet der kommissarische TSV-Vorsitzende auf Gespräche mit dem zuständigen Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Und seinen festen Willen, bei einer Absage doch etwas Angemessenes auf die Beine zu stellen.

Ähnliches Konzept wie im Vorjahr

Im (recht unwahrscheinlichen) Fall, dass die Nacht des Sports stattfinden kann, setzt Nachemia auf das erst im vergangenen Jahr eingeführte Konzept mit zwei abgetrennten Bereichen, einem für die Ehrungen und einem für den Showteil. Auch möchte er wieder mit dem Circus Luna aus Langendorf zusammenarbeiten. Anders als 2019, als wegen des neuen Konzeptes eine längere Vorbereitung nötig war, hält der 56-Jährige eine Vorlaufzeit von vier Wochen für ausreichend.

Für den (wahrscheinlicheren) Fall einer Absage will Nachemia den Mitgliedern seines Vereins eine wichtige Frage stellen: Können sie sich vorstellen, gemeinsam eine TSV-interne Ersatzveranstaltung zu stemmen?

In Zeiten der Absagen etwas anbieten

Zwar sieht der bisherige Vize nicht allzu viele zu ehrende Sportler - einfach, weil wegen Corona viele Wettkämpfe abgeblasen wurden. Doch Menschen, deren Leistung eine Würdigung wert wäre, gebe es genug: Trainer und Verantwortliche, die wegen der Pandemie einen erhöhten Aufwand betreiben mussten und das gern in Kauf nahmen. Mitglieder, die trotz starker Beschränkungen standhaft ihrem Sport frönten. "Gerade in Zeiten, wo viel abgesagt wird,sind die Leute dankbar, wenn etwas stattfindet."

Ob es die Nacht des Sports wird oder etwas Anderes: Zu einem Knackpunkt dürften die Zuschauer werden. Denn das 2019 erstmals angewandte Konzept sah vor, dass sie dichter gestaffelt und näher am Geschehen auf der Showfläche sitzen. Die Stimmung sollte leichter auf sie überspringen können.

Gedränge unerwünscht

Derlei Gedränge ist in Corona-Zeiten unerwünscht. Michael Nachemia möchte sich mit Peter Bethäuser vom Circus Luna beraten, wie sich in der Bayernhalle "mit einer kleineren Menschenmenge, die nicht gedrängt sitzen darf, eine gute Atmosphäre zaubern" lässt. Eventuell könne man die Besucher auch auf zwei Veranstaltungsabende verteilen.

Die Nacht des Sports ist nicht die einzige Baustelle, die Michael Nachemia beschäftigt. Die TSV-Vorsitzende Claudia Lachmann legte mit Schreiben vom 28. Mai 2020 "aus privaten Gründen mit sofortiger Wirkung" ihr Amt nieder; ihr Stellvertreter Nachemia rückte als kommissarischer Vereinschef auf. Und zeichnet nun nicht mehr nur für Organisatorisches und die Entwicklung des Vereins für die Zukunft verantwortlich, sondern auch fürs Tagesgeschäft. Eine Doppelaufgabe, die den als IT-Unternehmer tätigen 56-Jährigen nach eigenen Angaben sehr in Anspruch nimmt - auch wenn es "nur" ein Ehrenamt ist.

Vorsitz bleibt ungeklärt

Große Ambitionen auf den offiziellen TSV-Vorsitz hegt Michael Nachemia nicht, sagt er. Er würde es machen. Aber nur, wenn die Aufgaben im 1000 Mitglieder starken Verein auf mehr Schultern verteilt und genau festgeschrieben sind. Der kommissarische Chef hofft auf weitere Kandidaten.

Eine Mitgliederversammlung zur Wahl eines neuen Vorstands hat Nachemia noch nicht einberufen. Wegen Corona. Da verhält es sich wie mit den Zuschauern bei der Nacht des Sports. Der 56-Jährige verfügt über keinen Platz, in dem er die Hunderten potenziellen Abstimmungsberechtigten abstandsgerecht und ohne Ansteckungsrisiko unterbringen kann. Auch wenn er aus Erfahrung weiß, dass wahrscheinlich nur 30 bis 40 Mitglieder erscheinen würden.