Alexander Zugsbradl hat in einem petrol-türkisen Sessel Platz genommen. Dieser ist Teil einer ebensofarbigen Sitzgruppe in einem gemütlichen Zimmer mit breitem Bett, ansprechenden Einbaumöbeln, einem großen Flachbildschirm und Minibar. Es fühlt sich an wie in einem Hotel.

Der Eindruck täuscht. Denn endgültig fertig im Hauptgebäude des ehemaligen "Regena Gesundheits-Resort & Spa", das ab dem nächsten Jahr unter dem Namen "Hescuro Kliniken Bad Brückenau" firmieren soll, ist nichts. Nicht einmal der angenehm eingerichtete Raum, in dem der Hescuro-Vorstand sitzt. "Versuchszimmer" nennt Zugsbradl ihn. Was bedeutet, dass die künftigen Patienten-Unterkünfte so oder ähnlich aussehen könnten - oder doch anders.

Privatklinik mit Hotel-Anklängen

Die "Hescuro Kliniken Bad Brückenau" - sie werden weder optisch noch konzeptionell dem alten Regena gleichen, auch wenn Anklänge bleiben. Zugsbradl beschreibt das Haus als "akute Privatklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie". Zielgruppe seien "privat Versicherte und Selbstzahler", wobei er damit durchaus Staatsbeamte wie Polizisten, Lehrer oder auch Politiker meint. Der Charakter des Hauses und des medizinischen Angebotes sei stationär, das Personal in Therapie, Pflege und ärztlichem Dienst fest angestellt.

Das unterscheide es von dem einstigen Regena, das der 56-Jährige eher als "Hotel mit medizinisch-therapeutischen Leistungen und einem umfangreichen Wellness-Spa-Angebot" beschreibt. Aber: Zugsbradl will für die maximal 85 Patienten trotzdem "die Leistungen eines hochwertigen Hotels mit Spitzenmedizin verbinden. Das ist unser Anspruch." Mehr als zehn Millionen Euro investiere Hescuro deshalb ins 2021 erworbene Gelände, insbesondere ins Gebäude und dessen Ausstattung. "Circa 100 neue Arbeitsverhältnisse" sollen entstehen.

Als ideal bezeichnet der Vorstand es, mit Prof. Dr. Dr. Niels Bergemann schon einen Ärztlichen Direktor gewonnen zu haben. Gemeinsam mit der Kaufmännischen Leiterin Sophia Scheuring und Architekt Stefan Buttler vom Würzbur-ger Büro Planwerk könne man nun das medizinische Konzept auch baulich umsetzen. So wird es auch einen kleineren Mutter-Neugeborenen-Bereich für Frauen geben, die während und nach der Schwangerschaft mit psychischen Problemen zu kämpfen haben.

Gebäudeinneres fast komplett entkernt

Ein neues Konzept benötigt einen neuen Stil. Deswegen wurde in den vergangenen Monaten das Inventar im Haupthaus (außer der Küche) entfernt, entsorgt oder karitativen Zwecken wie der Rumänienhilfe zur Verfügung gestellt (wir berichteten). Die alten Teppichböden mussten weichen, ebenso Bäder in den Zimmern, die nicht in den vergangenen Jahren erneuert wurden. Das Gebäude wurde "fast entkernt".

Was im Wesentlichen erhalten bleibt, ist der rund 4000 Quadratmeter große Wellnessbereich mit Saunen, Schwimm- und Bewegungsbecken, Fitness- und Massageräumen.

Zugsbradl möchte nur den vorherrschenden "antiken Stil" abschaffen. Einheimische erhalten leider keinen Zugang mehr zu der Wellness-Wasserlandschaft. Da setzt der Kliniken-Vorstand auf Diskretion den Patienten gegenüber. Er verspricht aber, dass Außengelände und Umgebung mit ihren Wanderwegen öffentlich zugänglich bleiben. Und natürlich können Besucher mit Patienten im Gastroareal Kaffee trinken.

Laut Zugsbradl sind die Ausschreibungen abgeschlossen; nächste Woche erfolge die Auftragsvergabe für große Gewerke wie Heizung, Lüftung und Elektro, vorzugsweise an regionale Firmen. Auch viele Fenster müssen getauscht, Dächer und Fassade erneuert werden. "Das Mobiliar der Zimmer schaffen wir komplett neu an."

Der hintere Empfangsbereich werde per Anbau erweitert und großzügiger gestaltet. Aber auch der vordere Empfang kommt wieder an Ort und Stelle.

Anfang 2023, aber noch nicht im Januar, wird das Innere der "Hescuro Kliniken Bad Brückenau" fertig sein. Wann die ersten Patienten in vielleicht türkis-petrolfarbenen Sesseln Platz nehmen, weiß der Hescuro-Vorstand noch nicht genau.