Der Markt Wildflecken bringt ein eigenes Tourismuskonzept auf den Weg. Zum zweiten Mal haben sich dazu die Bürger im Haus der Schwarzen Berge in Oberbach getroffen, um ihre Ideen und Wünsche rund um das Thema Fremdenverkehr einzubringen. "Es geht um unsere Zukunft. Wir dürfen nicht schlafen. Andere schlafen auch nicht", appellierte Bürgermeister Gerd Kleinhenz (PWW) an die Einheimischen. "Wir wollen und brauchen keinen Massentourismus. Aber wir müssen unsere Gemeinde attraktiv gestalten, damit auch jüngere Menschen hierbleiben wollen oder später wieder zurückkommen."
Oliver Melchert und Dana Roberts von der Tourismus- und Regionalberatung "BTE" präsentierten eine erste grobe Strategie und zahlreiche Visionen zum Thema Tourismus. "Die Urlauber wollen heute erlebnisreicher verreisen", so Melchert. "Viele Menschen fahren kürzer, dafür aber öfter in den Urlaub." Eine intakte Natur, Fitness- und Wellness-Angebote seien notwendig, um Touristen in die Region zu locken. "Sie sind eine gewachsene Region, auch wenn sie touristisch noch nicht so stark sind." Naturnaher Tourismus, Outdoor-Adventure oder auch Tourismus rund um den Truppenübungsplatz waren nur einige von vielen Schlagworten in dem strategischen Konzept.
Mountainbiking, Sternenpark, Wandern und Wintersport - sämtliche Möglichkeiten in der Rhön wurden ausgelotet und zusammengetragen. Wie kann es gelingen, aktive Erlebnisse für Tagesausflügler, Kurzurlauber und Wochenendausflügler in Wildflecken zu schaffen?
Die zentrale Lage Wildfleckens und die gute Erreichbarkeit im Herzen der Rhön nannte Melchert als unbestreitbare Pluspunkte der Marktgemeinde. Das Interesse am Markt Wildflecken reiche außerdem bis in die USA hinein, da über Jahrzehnte tausende amerikanische Soldaten in Wildflecken stationiert waren.

Alleinstellung betonen

Wildflecken will Teil haben am bereits bestehenden Tourismus der Rhön. Durch die einzigartige Militärgeschichte eine touristische Alleinstellung erreichen. Die Besonderheit Wildfleckens als Militärstandort könnte herausgehoben und den Touristen nähergebracht werden.
Bürgermeister Kleinhenz verwies auf das Thema "abgesiedelte Orte" im Truppenübungsplatz, das bis heute die Menschen in den Bann zieht. "Militärtourismus darf nicht falsch verstanden werden", so Kleinhenz. "Man müsste hier einen besseren Begriff finden."
Adolf Kreuzpaintner berichtete von der militärhistorischen Sammlung im Truppenübungsplatz, die er in den zurückliegenden 20 Jahren aufgebaut hat und bis heute betreut. Hans Rohrmüller beschrieb das Problem, dass sich die militärhistorische Sammlung im Kasernengelände der Bundeswehr befindet und damit nicht frei zugänglich ist. Insofern könne man sich Gedanken machen, ob eine Verlagerung des Museums möglich wäre, so Rohrmüller.
"Ich habe das Gefühl, dass sich ein Museum außerhalb nicht dauerhaft tragen wird", sagte Kreuzpaintner. "Das Erlebnis wäre nicht vergleichbar." Denn verbunden mit dem Besuch der militärhistorischen Sammlung wird zumeist eine Führung durch den Truppenübungsplatz. "Unter der Woche geht das gar nicht, nur an Feiertagen oder am Wochenende", so Kreuzpaintner, der das kleine Museum ehrenamtlich und mit viel persönlichem Engagement betreut.

Nachfolger gefunden

Gerd Kleinhenz pflichtete Kreuzpaintner bei: "Kann man das Museum überhaupt herauslösen? Das ist eine sehr schwierige Frage." Platzrundfahrten, Besuche der Friedhöfe der abgesiedelten Dörfer, Museumsführungen - Kreuzpaintners ehrenamtliche Arbeit habe über viele Jahre die Menschen begeistert.
Immerhin ist bereits ein Nachfolger gefunden, der in die Fußstapfen treten wird. Das Sichern des militärhistorischen Erbes und Bündeln der Angebote werden Herausforderungen der Zukunft sein. Denn ein eigenes Informationszentrum zum Thema Militär oder ein Archiv für die Nachverfolgung würden gewaltige Investitionen erforderlich machen.
Im nahe gelegenen Hammelburg befindet sich die wohl bedeutendste Sammlung für die Infanterie, die auch zu Ausbildungszwecken genutzt wird. Das Gleiche in Wildflecken anzustreben, scheint schon allein aufgrund der räumlichen Nähe aussichtslos.
Natur- und Aktivangebote mit der militärhistorischen Thematik zu verbinden, schlug Melchert vor. Die Skepsis, ob ein zusätzliches Museum Touristen anlocken kann, blieb bei den Einheimischen groß. Die Bedeutung der Gastronomie für den Fremdenverkehr wollten einige Teilnehmer noch stärker herausgehoben wissen.

Survival, Leben im Feld

"Die Wirtshauskultur wird nicht mehr gelebt", so Kleinhenz. In der Umgebung sei das Angebot an Wirtschaften regelrecht zusammengebrochen, da die Nachfrage zurückgegangen war. Weil sich die Lage so schnell nicht ändern lasse, müsse man sich über alternative Angebote Gedanken machen: Wandern mit Lasttieren, Survival, Nachtwanderungen, Orientierungsfahrten, Leben im Feld, Übernachtung in der Natur, Hindernisparcours bei Nacht, Lagerfeuerkochkurs. Flexible gastronomische Angebote könnten dabei hilfreich sein.
"Man braucht nicht darauf zu warten, dass jemand kommt, der viel Geld in die Hand nimmt und hier investiert", so Dieter Feller. In Kooperation mit dem Haus der Schwarzen Berge könne man aber die Angebote bündeln. Auch das gastronomische Angebot in der Einrichtung sei durchaus noch erweiterbar. "Pläne für ein neues Konzept im Haus der Schwarzen Berge gibt es bereits, nun muss noch die Finanzierung geklärt werden", so Kleinhenz.
Für Natur- und Aktivtourismus müssten die Freizeitwege ausgebaut werden. Die Transportmöglichkeiten und die Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr seien ebenso noch verbesserungswürdig.
Zu Zeiten, als die US-Army in Wildflecken stationiert war und Handwerk, Gastronomie und Handel von der Kaufkraft profitierten, habe man sich über Tourismus keine großen Gedanken machen müssen, so Kleinhenz. "Wir stehen voll und ganz zur Bundeswehr. Aber wir müssen uns nun über ein weiteres Standbein Gedanken machen."