Auch wenn die Stadt Bad Brückenau mit 260 Hektar Waldfläche nur ein vergleichsweise kleiner Waldbesitzer ist, ist die Pflege und Bewirtschaftung des Waldes für die Stadt und die Stadträte sehr wichtig. Die neuen Stadträte und der neue Bürgermeister Jochen Vogel unternahmen mit Jochen Manke und Birgit Badde von der Forstverwaltung Rupboden einen zweistündigen Waldbegang. Dieser Waldbegang fand noch weit vor dem Corona-Lockdown statt.

Während des Waldbegangs wurden Problempunkte aufgezeigt, aber auch positive Entwicklungen, die trotz Trockenheit und Schädlingsbefall Anlass zu Hoffnung geben.Zunächst gaben Manke und Badde eine grundsätzliche Einführung in die aktuelle Situation des Waldes in Deutschland. Sie sprachen vom eingebrochenen Holzmarkt und Preisverfall speziell für Nadelholz. Die Trockenheit an und für sich stelle einen extremen Stress für die Bäume dar, der Borkenkäfer habe bei den ohnehin schon geschwächten Bäumen ein leichtes Spiel. Dennoch sei die Rhön in den vergangenen Jahren noch relativ gut weg gekommen, zumindest im Vergleich zu Regionen wie dem Sauerland, dem Harz und der Eifel.

Sehr viel Schadholz

220 Millionen Festmeter Fichtenholz seien derzeit am Markt, in Deutschland werden jährlich 57 Millionen Festmeter insgesamt benötigt, und das sei nicht nur Fichtenholz. An Fichtenholz sei das vierfache des jährlichen Einschlags aufgrund Kamalitätsholz (Schadholz) angefallen. "Das stellt ein Riesenproblem auf der betriebswirtschaftlichen Seite dar", erklärte Manke. Von 90 Euro pro Festmeter sei der Preis auf 30 Euro gefallen. "Holz ist im Moment eigentlich gar nicht zu vermarkten." Gleichzeitig seien für den Verbraucher die Holzpreise nicht gefallen. Handel und Produktion geben die gefallenen Preise nicht weiter.

Die Besichtigung des Brückenauer Waldes begann im Gewerbegebiet am Buchrasen oberhalb der Stadt. Deutlich ist eine große Lücke aufgrund von Käferbefall im Wald erkennbar. "Hier ist das Waldinnenklima nicht mehr gegeben", erklärten die Forstfachleute. Eine Waldrandgestaltung sei sinnvoll, um den Bestand zu stabilisieren - allerdings nur, wenn das Gewerbegebiet in dieser Richtung nicht mehr erweitert werde. Im Inneren der Fläche sei eine Naturverjüngung derzeit kaum machbar, die Sonne trockene den Boden zu sehr aus, es müssten junge Bäume nachgepflanzt werden. Die Wiederaufforstung von Schadflächen werde so bezuschusst, dass für den Waldbesitzer kaum Kosten anfallen, erklärte Badde. Daher sei es auch nicht sinnvoll, weniger Pflanzen auf eine Fläche zu setzen, um Kosten zu sparen. Dies führe zu mehr Astbildung, als in einem engeren Bestand, was der Qualität als Bauholz abträglich sei.

Pflege und Durchforstung wichtig

An verschiedenen Stellen wurde den Stadträten aufgezeigt, dass auch in diesen Zeiten eine Pflege und Durchforstung der jüngeren Bestände wichtig und notwendig sei, um stabile Bestände zu bekommen. Diese Pflegemaßnahmen bringen der Stadtkasse zwar im Moment kein Geld, seien aber für die Zukunft des städtischen Waldes unumgänglich.

Brandschutz ein Zukunftsthema?

In Anbetracht der Waldbrände in Kalifornien wurde die Frage laut, ob forstliche Brandschutzmaßnahmen ergriffen werden. Dies habe bislang keine Rolle gespielt, sagte Manke. Es sei keine Notwendigkeit gesehen worden, Schutzstreifen oder ähnliches anzulegen. Im Zuge des Klimawandels könnte dies aber möglicherweise ein Zukunftsthema sein. Derzeit sei ihm aber in der Rhön kein Forstbetrieb bekannt, der solche Vorkehrungen getroffen habe.

Ein waldbauliches Highlight ist der rund 20 Jahre alte Mischwald mit Eichen, Buchen und Hainbuchen, eine Wegstrecke weiter. Es sei keine Selbstverständlichkeit mehr, einen gesunden Mischwald nachzuziehen, wurde den Stadträten deutlich gemacht. An anderer Stelle seien Jungpflanzen den Raupen, der Trockenheit und weiteren Schädlingen zum Opfer gefallen. Hinzu kommen Verbissschäden durch Rehwild, was im schlimmsten Fall ebenfalls zum Absterben junger Bäume führe.

Gelbe Bänder für mehr Wuchs

Was bedeuten gelbe Bänder an vereinzelten Bäumen? Das seien Zukunftsbäume, erklärte Manke. Bäume, in denen die Forstleute Wuchspotenzial sehen, die markiert wurden, damit bei der nächsten Durchforstung das Umfeld dieser Bäume so frei geschnitten wird, dass sie keine Konkurrenz im Kronen- und Wurzelbereich haben.

Der jährliche Einschlag im städtischen Wald beträgt laut Forsteinrichtung 1500 Festmeter, im vorigen Jahr wurden allein an Kamalitätsholz 1680 Festmeter aufgearbeitet. Die gerissenen Löcher müssen wieder aufgeforstet werden. Welche Baumarten hierfür in Frage kommen, wurde beim Waldbegang ebenfalls diskutiert. Die Douglasie sei klimatoleranter als die Fichte und hat ebenfalls einen schnellen Wuchs. Allerdings fiel eine Nachpflanzung am Gänsrain aufgrund von Schädlingsbefall durch den Rüsselkäfer nahezu komplett aus. Chemische Schutzmaßnahmen bei künftigen Pflanzungen könnten für Abhilfe sorgen.

Totholzanteil muss im Wald bleiben

Deutlich gemacht wurde auch, dass ein aufgeräumter Wald nicht das Ziel einer modernen Forstwirtschaft sei. Ein Totholzanteil müsse im Wald bleiben, um die Vitalität der Böden dauerhaft zu erhalten. Beispiele wurden gezeigt, wo noch deutlicher Nachholbedarf bestehe. Es sei wichtig, Privatwerber im Wald darauf hinzuweisen, dass sie nicht jeden Ast raus holen dürfen.

Letztlich liege es in der Entscheidung des Stadtrates, welche Funktion der Wald haben soll, ob der Blick ausschließlich auf den Holzerlösen liege oder auch Biodiversität, Wasserhaushalt und Erholungsfaktor berücksichtigt werden sollen, erklärte Manke. Für den Bürgermeister und die Stadträte war dies Frage klar zu beantworten: "Wir wollen nicht die letzten sein, die den Wald genießen", sagte Vogel.