Das Dorf Weißenbach feiert heuer 700 Jahre Dorfgeschichte. Im bunten Reigen der vielen Veranstaltungen hierzu standen am vergangenen Wochenende unter dem Motto "Abendweg" zwei Orgelkonzerte mit Kirchengeschichte in der evangelischen und katholischen Kirche des Ortes auf dem Programm.

"Etwas für die Ohren, etwas für die Füße und etwas für den Leib", versprach der evangelische Pfarrer Thomas Braun den Gästen in der evangelischen Kirche, wo die Veranstaltung ihren Anfang nahm. Bis auf den letzten Platz war das Gotteshaus aus dem 17. Jahrhundert gefüllt. "Mir gefällt an dieser Kirche vor allem der Umstand, dass sie ursprünglich gar keine Kirche war, sondern eine Scheune", gab der Geistliche einen Einblick in die Geschichte des Gebäudes.

Er berichtete von der Zerstörung der ehemaligen Zehntscheune der Familien von Thüngen im Zuge der Napoleonischen Kriege, dem Wiederaufbau Anfang des 19. Jahrhunderts und der Renovierung 1964/65. "Ich stell' mir vor, wie viel Kraft dieser Raum den Menschen gegeben hat in all den schlimmen Jahren, die diese Kirche erlebt hat", erzählte Braun. Orgelstücke von Lübeck und Bach, intoniert von Dekanatskantor Markus Wollmann aus Bad Brückenau und speziell von ihm für dieses Gotteshaus ausgesucht, ließen den Zuhörern Raum und Zeit, sich diesen Vorstellungen anzuschließen.

Für Heiterkeit auf dem anschließenden "Abendweg", vorbei an Pfarrhausweiher und dem Blauen Turm, sorgte der Weißenbacher Werner Schaidt mit Selbstgedichtetem zu den beiden Wahrzeichen des Ortes.


Kleines Jubiläum

Ziel der Wallfahrt in herrlicher Abendsonne war die auf einer Anhöhe liegende katholische Kirche St. Antonius. In der kleinen Holzkirche reichten schließlich die Plätze nicht aus, und einige Zuhörer lauschten vor dem geöffneten Kirchentor den Werken von Schnizer, Mozart und Pfeiffer auf der antiken Schlimbachorgel. "Dem Charakter der Kirche entsprechend, habe ich mich bewusst für Stücke aus der Klassik und Romantik entschieden", erklärte Wollmann. Er selbst habe die Orgel erst vor einigen Jahren durch Zufall kennengelernt, und es mache ihm große Freude, auf dem "kleinen Einod mit sechs Registern" spielen zu dürfen, so der Kirchenmusiker. "Da musste ich mich aber erst rantasten", gestand er.

Karola und Stefan Helfrich aus Weißenbach, Ideengeber und Initiatoren des "Abendweges", rundeten mit Wissenswertem rund um Baugeschichte der denkmalgeschützten Kirche und den "kleinen Schätzen" in deren Inneren die gelungene Abendveranstaltung ab. Auch ein kleines Jubiläum - nämlich 70 Jahre - feiere St. Antonius heuer, rief Stefan Helfrich ins Gedächtnis zurück. Das Gotteshaus sei als eine Art Notkirche in Holzständerbauweise von katholischen Siedlern ehemaliger Dörfer des Truppenübungsplatzes Wildflecken in Weißenbach errichtet worden, so Helfrich. Er berichtete von den anfänglichen Schwierigkeiten der Katholiken in dem protestantisch geprägten Dorf und der schwierigen Bauphase in 1946/1947. Die Materialbeschaffung kurz nach Kriegsende für den Kirchenbau sei zum Teil recht abenteuerlich gewesen.

"Lassen Sie den Blick nun schweifen", bat Karola Helfrich die Gäste und versprach noch abschließend "etwas für das Herz".

Zahlreiches im Innern der Kirche stamme aus den abgesiedelten Dörfern des Truppenübungsplatzes, erzählte sie. Die antike Orgel, der prächtige Altar, die fast verschollene Kirchenglocke und die zahlreichen schönen Heiligenfiguren an der Wand konnten von den Siedlern gerettet werden und schmückten nun St. Antonius. "Das Kirchlein ist ein kleines Schatzkästchen", so Helfrich.

Mit dem gemeinsam gesungenen "Großer Gott, wir loben Dich" und dem Segen von dem katholischen Pfarrer Armin Haas für die Zuhörer und die noch bevorstehenden Jubiläumsfeierlichkeiten endete der "Abendweg" in den Kirchen. Den Abend dieser einmaligen Veranstaltung ließen die Gläubigen beider Konfessionen auf dem Chrisamhof ausklingen - ein weiteres Zeichen gelebter Ökumene in Weißenbach.