Die Nachricht vom Montagabend auf Facebook schlug eine gut geschwungene Kugel in ein Quadrat voller Kegel: "Der Sportkegelverein Bad Brückenau verlässt mit Ablauf des Kalenderjahres 2022 seine Heimat im Kegelkeller - und auch die Stadt Bad Brückenau." Doch warum wurde dieser drastische Schritt nötig?

Noch Anfang Oktober 2021 war Hoffnung aufgekeimt, dass die Sportkegler in Bad Brückenau eine neue Heimat finden. Denn der Keller der Therme Sinnflut steht ihnen nur noch begrenzte Zeit zur Verfügung, weil diese bald saniert wird.

In der ersten Mitgliederversammlung des FC Bad Brückenau nach den Corona-Lockdowns stimmten die Anwesenden mehrheitlich für Gespräche ihres Vorstands mit dem SKV. Diese sollten sich um den sanierungsbedürftigen oberen Teil der FC-Halle drehen. Möglicherweise eine Win-win-Situation für beide Vereine. Der obere Hallenteil wäre saniert und mit einer vierzügigen Kegelbahn versehen worden. Die Sportkegler hätten eine neue Heimat, die FCler ein bauliches Problem gelöst bekommen.

Nach Absichtserklärungen der Vereinschefs, sich zusammensetzen zu wollen, wurde es ruhig um die Sache, zumindest in der Öffentlichkeit. Aber nicht hinter den Kulissen.

SKV-Vorsitzender Bernd Hörmann schildert die folgenden Monate aus seiner Sicht: Er selbst habe bei drei Firmen Kostenvoranschläge eingeholt für den oberen Hallenteil. Der sollte abgetragen und neu aufgebaut werden. Bürgermeister Jochen Vogel (CSU) habe angekurbelt, dass das Vorhaben über ein Leader-Programm staatlich gefördert wird.

Projekt "Vereinsheimat" ausgerufen

Hörmann zufolge dauerte es bis März dieses Jahres, bis sich die Vereinsvorstände zusammensetzten, um das weitere Vorgehen abzustimmen. Das Projekt "Vereinsheimat" sei ausgerufen worden.

Allerdings stockte die Angelegenheit offensichtlich bald wieder. Die Regierung von Unterfranken als Fördergeber habe vom FC "verlässliche Zahlen zur Sanierung im Untergeschoss der Halle eingefordert", berichtet der SKV-Vorsitzende. Dass es offensichtlich beim Projekt "Vereinsheimat"auch darum ging, überraschte Hörmann nach eigenen Angaben. Diese Zahlen habe der FC als Halleneigner bis heute nicht beigebracht.

Dem Vorstand der Sportkegler rannte die Zeit weg, beginnt doch die neue Saison noch im September. Den Druck erhöhte ein Anruf Hörmanns bei Stadtwerke-Geschäftsführer Torsten Zwingmann. Der habe ihm Anfang August mitgeteilt, dass die Sanierung der Therme Sinnflut im Januar 2023 beginnen soll.

Der SVK-Chef reagierte - und berief für 7. August eine außerordentliche Mitgliederversammlung ein. Drei Wege stellte er zur Auswahl. Der erste: Die Kegler starten mit allen Teams in die Saison, stellen diesen aber zum Jahresende ein. Der zweite: Der Verein tritt nicht zum Spielbetrieb an und löst sich auf.

Der dritte: Der Verein startet in die Wettkämpfe, meldet aber seine Damenmannschaft ab. Denn diese spielt in der Landesliga, der vierthöchsten deutschen Spielklasse. Dafür vorgeschrieben ist eine vierzügige Kegelbahn, was das Grundproblem für den SKV bei der Suche nach einer geeigneten Alternativspielstätte für die Sinnflut darstellt. Die existiert laut Hörmann in der Umgebung nicht. Dafür aber genügend Anlagen mit zwei Bahnen, die für den niederklassigen Spielbetrieb ausreichen. Der Vorschlag beinhaltete, eine solche für den Verein zu finden.

Die SKV-Mitglieder entscheiden sich laut ihrem Vorsitzenden einstimmig für Möglichkeit drei. Wie überrascht war Bernd Hörmann, als er am 2. September in dieser Zeitung las, dass der Teilneubau der Sinnflut erst nach der Sommersaison 2023 beginnt. "Das ärgert uns. Wir hätten die anstehende Saison zu Ende spielen können und Zeit bis September 2023 für die Spielstättensuche gehabt."

Die Entscheidung der Mitglieder vom 7. August steht nun aber, kann nicht zurückgenommen werden. Sie zeitigt Konsequenzen. Hörmann: "Das Schlechteste ist sportlich gesehen die Abmeldung der 1. Damen. Die Landesliga hatten sie sich über Jahre erkämpft." Hörmanns Tochter Emma, hoffnungsvolle Landeskaderspielerin, wechselte inzwischen zu Victoria Bamberg, der "FC Bayern" in der Kegel-Bundesliga.

Und der SKV? Hat eine neue Spielstätte gefunden, und zwar im Untergeschoss der frisch sanierten Zeitlofser Grundschule. Die dortige Kegelbahn muss laut Hörmann zwar leicht von Hobby- auf Ligaspielbetrieb umgerüstet werden. Aber das sei kein Problem. Aus diesem Grund erfolge der Wechsel aus der Sinnflut auch erst zum Jahreswechsel. In Zeitlofs gebe es Erweiterungsmöglichkeiten.

Bedauern über Entscheidung

Der "Sportkeglerverein Bad Brückenau und Umgebung" wird dann wohl auf Wunsch der Mitglieder umgetauft. Voraussichtlicher neuer Name: "Sportkeglerverein Zeitlofs". Weder Stefan Richter als FC-Vorsitzender noch Stadtwerke-Geschäftsführer Torsten Zwingmann waren am Montag telefonisch erreichbar.

Jürgen Pfister als Stellvertretender Bürgermeister bedauert, dass SKV und FC nicht zueinander gefunden haben. "Schade, dass beide Vereine die Chance nicht genutzt haben. Möglichkeiten waren da." Schuldzuweisungen wolle er aber keinem machen.