Was macht eigentlich eine Gartenbäuerin? Begriffe wie naturnahes Gärtnern, Gemüse- und Kräutergarten, Gartenführungen sind Schlagworte, die zunächst dazu einfallen. Elisabeth Damm aus Oberstreu ist so eine Gartenbäuerin. Sie hat sich nach dem Besuch der Hauswirtschaftsschule in Bischofsheim (1999 bis 2001) weitergebildet, diverse weitere Ausbildungen und Zertifizierungen abgelegt. Ihre Ausbildung zur Gartenbäuerin absolvierte sie in einer zweijährigen Ausbildung in den Jahren 2003 bis 2005 in Schweinfurt. Die Ausbildung zur Gartenbäuerin gab es nämlich bisher nicht in Bischofsheim. Das soll jetzt anders werden.

Barbara Hein-Praag vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Bad Neustadt möchte an der Bischofsheimer Landwirtschaftsschule, Abteilung Hauswirtschaft, eine solche Ausbildung erstmals anbieten - vorausgesetzt, es finden sich genug Interessenten. Als erste Interessenten kommen die derzeit Studierenden der Schule in Frage. Sie haben gemeinsam mit Fachlehrerin Theresia Dietz den Hausgarten von Elisabeth Damm besucht und sich über die Aufgaben einer Gartenbäuerin und die Ausbildung informiert.

Auch ohne kompletten Schulbesuch

Voraussetzung, um die Ausbildung zur Gartenbäuerin angehen zu können, sei ein Grundlagenseminar, das die Studierenden bereits im Zuge ihres Unterrichts an der Hauswirtschaftsschule absolvieren, sagte Dietz. In solch einem Grundlagenseminar geht es um innovative Unternehmensführung und grundlegende Fragen zu Versicherung, anfallenden Kosten und der rechtlichen Situation. "Der Besuch der Hauswirtschaftsschule ist keine Voraussetzung, um Gartenbäuerin zu werden", betonte Dietz. Wer Interesse an dieser Ausbildung habe, der könne das Grundlagenseminar auch ohne den kompletten Schulbesuch absolvieren.

Die Aufbauqualifizierung zur Gartenbäuerin wird vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten angeboten. Bäuerinnen und Frauen aus dem ländlichen Raum, die mit verschiedensten Dienstleistungen rund um den Garten ein Einkommen erzielen möchten und sich dazu spezifisch-methodisch weiterbilden, werde dafür das nötige Rüstzeug an die Hand gegeben.

So gehören in die Ausbildung zur Gartenbäuerin die Grundlagen der Gartenarbeit. Eine Gartenbäuerin sollte Pflanzen, Boden-Kulturarten, Gemüse, Kräuter und Obst kennen, aber auch Verfahren und Arbeitsgeräte. Gartengestaltung und Floristik sind ein eigener Ausbildungsbereich, in dem es um die Gestaltung von Wohn- und Nutzgarten, Kübel- und Balkonbepflanzung, Zimmerpflanzen, Grabgestaltung und Floristik im Jahreskreis geht.

Individuelle Schwerpunkte

Welche Möglichkeiten eine Gartenbäuerin in ihrem Garten anbieten möchte, hängt natürlich von den individuellen Schwerpunkten und örtlichen Gegebenheiten ab. Angefangen von Gartenführungen, erlebnisorientierten Angeboten für alle Altersgruppen bis hin zu Urlaub auf dem Bauernhof und ländlichem Tourismus, Direktvermarktung, Bauerhofgastronomie und Partyservice reichen die Ideen. Für einiges Bereich gibt es weitere Aufbauseminar, beispielsweise die Erlebnisbäuerin.

Um die eigenen Angebote gewinnbringend zu vermarkten, gehören Angebotsentwicklung und -gestaltung, Kommunikation und Präsentation zu den weiteren Ausbildungsinhalten. Dabei geht es auch um Qualitätsstandards, die Erstellung eines Marketingkonzepts, Wirtschaftlichkeitsberechnungen, die Erstellung von Vorträgen, Workshops und Seminaren bis hin zu logistischen Fragen.

Workshops und Übungsbeispiele

Die angehenden Gartenbäuerinnen lernen dies alles nicht nur in der Theorie kennen. Einsatzmöglichkeiten der Natur- und Erlebnispädagogik im Garten gibt es anhand von Workshops, praktischer Übungsbeispiele und der Entwicklung eigener Konzepte.

"Die Ausbildung zur Gartenbäuerin richtet sich an Personen, die ihr Wissen, Können und die Liebe zum Garten an Interessierte gerne weitergeben wollen. Sie werden sich ihrer Potenziale bewusst und können ihren persönlichen Weg finden", fasste Dietz zusammen.

120 Seminareinheiten umfasst die Ausbildung. Fachliche Nachweise sind im Laufe der Ausbildung in Form eine schriftlichen Projektarbeit zu Themen wie Preiskalkulation, Marketingkonzept oder Präsentationsmappe und mindestens einer praktischen Präsentation in Form eines Vortrag oder eine Führung mit Berater-Feedback zu erbringen. Die Kosten des Grundlagenseminars sind mit 30 Euro angesetzt, die Ausbildung kostet 350 Euro, weitere Aufbaumodule bewegen sich zwischen 250 bis 350 Euro.

Infos zur Anmeldung

Wer Interesse hat, Gartenbäuerin zu werden, bekommt weitere Informationen zum Anmeldeverfahren, dem Zeitraum der Ausbildung usw. bei Barbara Hein-Praag am AELF in Bad Neustadt, Tel.: 09772/9328 130. Sie gibt auch Informationen zum benötigen Grundlagenseminar und verfügt über eine Liste bereits aktiver Gartenbäuerinnen.