Es wirkt etwas überdimensioniert, das ehemalige Bahnhofsgelände in Rupboden: Ein breiter Streifen, auf dem gut und gerne vier Schienenstränge Platz fänden. Eine massive Mauer, die den Bereich zur Staatsstraße 2289 von Bad Brückenau nach Zeitlofs abstützt. Dazu ein großzügiger, unbebauter Umgriff. Und das an der einstigen Sinntalbahn, die als Nebenstrecke zwischen Jossa und Oberwildflecken fast nur einspurig verlief.

Doch dem Bahnhof Rupboden sollte vor dem Krieg eine wichtige Funktion für ein Großprojekt der Nazis zukommen. Dort sollten Baumaterialien angeliefert und aufbereitet werden - für die nie fertiggestellte Autobahn Würzburg-Fulda ("Strecke 46", siehe Infokasten). Dazu kam es nicht mehr, weil die schon fertigen Gleisanlagen zu Kriegsbeginn abgebaut und Richtung Osten verfrachtet wurden. Aber den Bahnhof können sich Besucher als Teil eines Spurensucherpfades ansehen. Und nicht nur ihn

Von der "Strecke 46" ist auf Zeitlofser Gemarkung mehr als 80 Jahre nach Einstellung des Baus besonders bei Rupboden noch einiges zu sehen: außer dem Bahnhof vor allem zwei an der einstigen, oberhalb des Ortes verlaufenden Autobahntrasse gelegene Brücken, aber auch viele Entwässerungsbauwerke.

Der Spurensucherpfad beginnt am Rupbodener Friedhof, wo die Straße nach Weißenbach durch eine lange Unterführung unter der Trasse hindurchführt. Dort stand schon länger eine große Tafel, die über die Geschichte der Strecke 46 und das Bauwerk an sich informiert. Um die Stelle für Touristen noch anziehender zu gestalten, wurden ein weiteres kleines Infoschild, zwei Fahrradständer und ein stilisierter Bauarbeiter aus Metall dort aufgestellt.

Von der Straßenunterführung führt der Entdeckerpfad durchs Dorf hinunter zum ehemaligen Bahnhof. Gelbe Schilder mit der Aufschrift "Strecke 46" weisen den richtigen Weg. Am Bahnhof berichtet dann eine auch erst kürzlich installierte Infotafel über diesen speziellen Ort und die Reichsautobahn an sich.

Von dort aus verläuft der Spurensucherpfad in Richtung Bad Brückenau entlang des Rhönexpress-Bahnradwegs, vorbei am im Januar aufgestellten alten Schienenbus, der seines inneren Ausbaus harrt. Obwohl die Streckenführung nichts mit der Autobahntrasse an sich zu tun hat (die liegt weiter oben, am Waldrand), ist sie kein Zufall.

Denn laut Zeitlofs' Bürgermeister Matthias Hauke sollen sich die beiden touristischen Ziele gegenseitig befruchten: Wer den Bahnradweg entlangfährt oder -läuft, dem sollen Abstecher zu den Autobahn-Relikten angeboten werden. Und wer diese angeschaut hat, soll wieder auf den Bahnradweg stoßen.

Und so weist ein gelbes Schild kurz vorm Schmidthof auf eine weitere Attraktion hin: eine andere großzügige Überführung der Reichsautobahn, die einen in den Wald führenden Weg überspannt. Dort lädt seit kurzem eine Sitzgruppe zur Rast ein. Besucher können dort ihre Fahrräder abstellen und sich auf einer kleinen Tafel informieren.

Eigentlich hatten Hauke und sein Amtsvorgänger Wilhelm Friedrich geplant, den Pfad dann als Rundweg durch den Wald zum Rupbodener Friedhof zurückzuführen. Das hätte den Charme gehabt, dass die Route direkt oberhalb der früheren Autobahntrasse verlaufen wäre. Doch eine Einigung mit dem Eigentümer des Waldweges kam nach beider Angaben nicht zustande.

Der Rupbodener Spurensucherpfad ist einer von fünf seiner Art, die sich an der Strecke 46 entlangziehen. Laut Wilhelm Friedrich war der Markt Zeitlofs wie die anderen beteiligten Kommunen Gemünden, Gössenheim, Karsbach, Gräfendorf und Burgsinn (alle Main-Spessart) von Beginn an in die Planungen mit eingebunden. Jeder hat für sein eigenes Gebiet Vorschläge ausgesprochen, bei welchen Bauwerken es sich lohnt, sie herauszuheben", so der Altbürgermeister.

Und die Gemeinde hat ihren finanziellen Anteil zum über das europäische Leader-Programm geförderte Großprojekt geleistet. Laut Hauke waren das rund 40000 Euro Eigenanteil; die Hälfte davon bekam der Markt über die Förderung wieder.

Strecke 46 - ein Relikt aus der Anfangszeit des Autobahnbaus

Vorhaben

Die Strecke 46 sollte mit etwa 70 Kilometer Länge Fulda im Norden mit Würzburg im Süden verbinden. Gebaut wurde zwischen 1937 und 1939 (letzte Arbeiten 1940) auf rund 30 Kilometern etwa zwischen dem Gemündener Stadtteil Seifriedsburg und Schmidthof/Eckarts im heutigen Landkreis Bad Kissingen. Weitgehend fertiggestellt wurden auf diesem Abschnitt vor allem die heute noch zu findenden Brücken- und Entwässerungsbauwerke. Die Trasse war zwar von Bewuchs freigelegt und teilweise planiert; zum Betonieren der Fahrbahnen kam es aber nie.

Baustopp

Der Beginn des Zweiten Weltkriegs im September 1939 beendete das Großprojekt abrupt. Arbeitskräfte und Baumaterial wurden anderweitig gebraucht. Als bekanntestes Relikt gilt sicherlich der gut sichtbare Pfeiler des Bauwerks 144, dem nie fertiggestellten Saaleübergang zwischen Gräfendorf und Schonderfeld. Er wird gern von Kletterern benutzt.

Alternative

Nach dem Krieg wurde die Strecke 46 nicht weitergebaut. Die Steigungen und Kurvenradien der Reichsautobahn entsprachen nicht mehr den gestiegenen Anforderungen des Straßenverkehrs. Stattdessen wurde das Projekt der heutigen A7, weiter östlich, umgesetzt. Das auch, weil die deutsche Teilung die Verkehrsströme änderte und Teile der Rhön und des Spessarts zu Zonenrandgebieten wurden.

Erhalt

Seit 2003 stehen die Fragmente der Sttrecke 46, die meisten davon im Wald versteckt, unter Denkmalschutz.