Im August könnte der unendlichen Geschichte der Sinntalbahn ein neues Kapitel angefügt werden. "Nach unseren Informationen endet die Verhandlungsfrist Ende Juli", berichtete Jürgen Dobler, Leiter der Abteilung Tiefbau im Landratsamt Bad Kissingen, in der vergangenen Sitzung des Wirtschafts- und Umweltausschusses. Der Förderverein Hessisch-Bayerische Sinntal-Kreuzbergbahn möchte die Strecke von Jossa nach Wildflecken von der Deutschen Bahn (DB) pachten. Doch die Verhandlungen zögern sich hin.

Regierung kommt nicht weiter

"Bei meinem letzten Anruf waren die Unterlagen nicht mehr in der Immobilienabteilung der Bahn, sondern bei der Stelle, die für die Verpachtung zuständig ist", sagte Dobler. Nach seinen Informationen hat sich die Bahn intern selbst eine Frist bis Ende Juli gegeben. Das ist nicht ganz korrekt: Nicht die Bahn habe sich diese Frist gesetzt, es sei der Wunsch der Regierung von Unterfranken gewesen, sagt ein DB-Sprecher.

Denn stocken die Pachtverhandlungen, so stockt auch das Anhörungsverfahren für das Planfeststellungsverfahren bei der Regierung. Seit Mai versucht der zuständige Sachbearbeiter Heiko Brückner das Verfahren abzuschließen. Ohne Erfolg. Denn vom Pachtvertrag hängt ab, wie Brückners Empfehlung an das Eisenbahn-Bundesamt ausfällt.

"Es ist nicht so, dass die Pachtverhandlungen bei uns erste Priorität haben", sagt Hermann Bulheller, Vorsitzender des Fördervereins. Anfang Mai hatte der Verein bereits die Pachtung der Strecke verkündet - später stellte sich jedoch heraus, dass die Unterschrift der DB fehlte. Der peinliche Zwischenfall habe Vertrauen erschüttert. Trotzdem bemühe man sich um eine einvernehmliche Lösung, sagt Bulheller. Er rechnet damit, dass die Verhandlungen im Herbst erneut aufgenommen werden. Dann will der Verein auch wieder mit Aktionen auf die Bevölkerung zugehen, um für die Reaktivierung zu werben.

Landratsamt will Radweg

Doch nicht nur die Regierung von Unterfranken wartet auf eine Entscheidung. Auch das Landratsamt Bad Kissingen ist an der Strecke interessiert. Pläne für einen Radweg liegen in der Schublade. Doch solange nicht geklärt ist, was aus der Strecke wird, kommt Jürgen Dobler aus der Tiefbauabteilung nicht zum Zuge. Selbst für ihn als Fachmann ist die die Angelegenheit sehr unübersichtlich: "Da sind viele Unwägbarkeiten im Spiel."

Eine Option wäre, dass der Pachtvertrag im Herbst doch noch abgeschlossen werde. "Wenn der scheitern würde, wäre das für uns die einfachste Lösung", sagt Dobler. Denn: Der Landkreis möchte die Strecke am liebsten im aktuellen Zustand übernehmen. Das hat der Landkreis auch im laufenden Planfeststellungsverfahren angemeldet. Allerdings hat Dobler wenig Hoffnung, dadurch den Rückbau der Schienen zu verhindern. "Wenn die Bahn ihr Ding durchzieht, stehen wir ganz schön belämmert da."

Keine Lösung in Sicht

Die Mitarbeiter der Tiefbau-Abteilung haben nämlich ein Konzept für einen möglichst kostengünstigen Umbau zum Radweg ausgearbeitet. In Österreich gebe es ein Verfahren, bei dem auf einen Schlag die Gleise herausgenommen, die Wurzeln entfernt, der Unterbau vorbereitet und ein Oberbau aufgebracht werden. Kostenpunkt: rund 40 Euro pro laufenden Meter. "Sonst kostet ein Radweg 200 bis 300 Euro pro Meter", sagt Doble, und: "Andernfalls könnten wir nur Stück für Stück bauen." Den Erlös für den Verkauf der Schienen würde der Landkreis natürlich anteilig der Bahn auszahlen.

Vorerst sei der Radwege-Bau nur bis nach Riedenberg geplant, weiter oberhalb gebe es ja Lösung, wenn auch mit etlichen Steigungen. "Wir sind halt in der Rhön", sagt Dobler. Auf 800.000 Euro würde die Maßnahme nach jetziger Schätzung kommen. Vordringlich sei die Strecke zwischen Rupboden und Eckarts. "Da laufen immer wieder böse Beschwerdebriefe bei uns auf", berichtete Dobler im Wirtschafts- und Umweltausschuss. Konkrete Lösungen zum Beispiel für den Dammrutsch bei Römershag oder für die Querung der Bundesstraße seien bislang noch nicht ausgearbeitet, sagte Dobler. Die unendliche Geschichte geht also weiter.