Es ist schon fast stockdunkel, als Pfarrer Florian Judmann, Architekt Michael Kirchner und Bürgermeister Gerd Kleinhenz (PWW) prüfende Blicke über den Rohbau der neuen Kapelle für Oberwildflecken werfen. Schon jetzt lässt sich sehr genau erkennen, wie das neue Gotteshaus ein mal aussehen wird. Das Oktagon mit "leicht geneigtem Flachdach", wie es der Architekt nennt, wird künftig Raum für maximal 50 Besucher bieten. Und ist da mit optimal an die Bedürfnisse des kleinen Ortsteils angepasst, wie Pfarrer Judmann unterstreicht.


Termin für Weihe festlegen

Läuft alles nach Plan, dann ist das Projekt Kapelle samt neuem Bürgerpark und Kapellenvorplatz im Mai 2016 abgeschlossen. "Ich bin sehr zuversichtlich. Auch wenn natürlich vieles vom bevorstehenden Rhöner Winter abhängt, so ist der Rohbau doch schon so weit fortgeschritten, dass es bestimmt klappen wird", ist Kirchner fest überzeugt. Schon jetzt kümmert sich Pfarrer Judmann um einen Termin für die Weihe der Kirche: "Schließlich brauchen wir dann auch einen Bischof."

Die seit Jahren überdimensionierte und sanierungsbedürftige Kirche "Sankt Kilian und Sankt Jakobus" war 1966 geweiht worden und wurde 2014 nach vielen Monaten Leerstand abgerissen. Wie die Patrone der neuen Kapelle heißen werden, das wird nach Auskunft des Pfarrers direkt in Würzburg entschieden. "Sankt Kilian bietet sich natürlich aufgrund der Nähe zum Kreuzberg quasi von selbst an. Und der heilige Jakobus war der Patron der ehemaligen Kirche von Reußendorf. Daher gibt es auch hier einen direkten Bezug", sagt Judmann. Daher sei es nicht unrealistisch, dass die Kirchenpatrone gar nicht geändert werden müssen.


Neue Läut-Technik

Die drei Kirchenglocken, die "Sankt Kilian", "Sankt Jakobus", "Sankt Josef" und der "Jungfrau Maria" geweiht sind, kommen wieder zur Verwendung. Noch ist der neue Glockenturm zwar nicht errichtet, aber Architekt Kirchner beschreibt ihn: "Eine vollkommen offene Stahlkonstruktion mit neun Metern Höhe und einer Grundfläche von 1,7 auf 1,7 Metern." Die drei Glocken werden sichtbar sein und übereinander im Innern des Stahlturmes aufgehängt. Klingen werden sie wieder, aber nicht mehr frei schwingen.

"Dann hätten wir nämlich einen deutlich größeren Turm gebraucht", so Kirchner. Die Glocken bekommen ein Schlagwerk, das sie mit getakteten Schlägen von außen zum Erklingen bringt. "Das sieht zwar anders aus, klingt aber genauso gut", sagt Judmann, der von dieser Technik überzeugt ist. Die von Regina Neisser gestiftete Muttergottes-Statue und die früher im Eingangsbereich stehende Pieta werden ebenfalls in der neuen Kirche wieder ihren Platz finden.Gedanken macht sich die Kirchenverwaltung derzeit auch um den Kapellen vorplatz, der künftig zum Beispiel für Feste genutzt werden kann.


Otto Denk als Namensgeber

Laut Judmann haben sich schon viele Einheimische für Wildfleckens früheren Pfarrer und späteren Ehrenbürger Otto Denk als Namensgeber für den Platz ausgesprochen. Sechs Jahre lang hatte Denk um eine Kirche in Oberwildflecken kämpfen müssen. Viele Gespräche waren notwendig, berichtete Denk 1966 bei der Einweihungsfeier des Gotteshauses. Das war damals noch für 500 Gottesdienstbesucher ausgelegt und auf den Fundamenten und Mauerresten eines Gebäudes der ehemaligen Munitionsanstalt errichtet worden. Altar, Ambo und Sakramentshaus wurden aus fränkischem Muschelkalk gefertigt. "Viele dieser Elemente wurden natürlich bewahrt und kommen nun wieder zur Verwendung. Für die neue Kapelle werden sie nur verkleinert, bleiben aber in ihren Grundzügen erhalten", erklärt Pfarrer Judmann. Der große Taufstein wird in den neuen Bürgerpark integriert.


Riesige Glasscheibe

Die ist nach den Erläuterungen Judmanns ein moderner, achteckiger Bau mit einer Glasfront, die den freien Blick in den neu gestalteten Park ermöglicht. Diese Glasfront, die noch nicht eingebaut ist, soll von einer Art natürlichem Chorraum unter freiem Himmel eingefasst werden. Konkret bedeutet dies, dass Bäume rund um ein Kreuz gepflanzt werden, das vom Inneren des Gotteshauses gut sichtbar ist. Der Park bildet also optisch eine Fortführung des Chorraumes im Freien. Und damit der Blick ins Freie durch nichts gestört wird, kommt eine riesige, durchgehende Glasscheibe zum Einsatz, ohne Verstrebungen.


Rhöner Basaltsäule

Bauherr des Bürgerparks mit Kapellenvorplatz ist die Gemeinde, die Geld aus Fördertöpfen erhält. Eine Einweihung im Mai hält Bürgermeister Gerd Kleinhenz (PWW) für geeignet: "Denn dann wird die Natur zum Leben erwachen, und man wird erkennen, wie der Bürgerpark künftig aussehen soll." Die Planierungsarbeiten für den Kapellenvorplatz sind fast abgeschlossen, sodass die Ausmaße des Platzes bereits gut zu erkennen sind. Während das Kapellen-Achteck bereits an eine Rhöner Basaltsäule erinnern soll, so kommt auch auf dem Vorplatz Basalt zum Einsatz. Im letzten Bauabschnitt werden auch noch Parkplätze in der Schlesierstraße und im Erlenweg entstehen.