Das Rentnerehepaar aus Hamburg ist auf der Durchreise. Für zwei Nächte bleibt es mit seinem komfortablen Wohnmobil in Bad Brückenau, auf dem Stellplatz im Staatsbad. "Wir haben Zeit", sagt der Mann und lacht. Die Stadt kennt er aus seinem beruflichen Leben. Jetzt ist er zum Wandern hier.

So wie das Ehepaar aus Hamburg nutzen immer mehr Deutsche ein Wohnmobil zum Reisen. Die Neuzulassungen steigen - und auch im Altlandkreis ist das zu spüren. In der kürzeren Vergangenheit haben Motten, Geroda und Zeitlofs jeweils einen Platz mit Versorgungssäule errichten lasen.

Geroda bietet seit Mitte des vergangenen Jahres einen Stellplatz in der Ortsmitte an. Die Nähe zum Naherholungsgebiet Schwarze Berge ist ideal dafür. Das sieht auch Bürgermeister Alexander Scheider (AWG) so. "Das ist wirklich sehr gut angelaufen", sagt er. Sogar im Winter stünden immer wieder Fahrzeuge dort.

Konkrete Übernachtungszahlen gibt es in Geroda nicht. Die Bezahlung läuft auf Spendenbasis. "Wir haben viele positive Rückmeldungen, auch immer wieder nette Zettel mit Lob dabei", sagt der Bürgermeister. Es läuft so gut, dass der Platz neben dem Bauhof in nächster Zeit um eine Sitzecke erweitert werden soll. Ein Gewinn für die Gemeinde ist das allemal, findet Schneider.

Weniger Wildcamper

In Motten steht mittlerweile eine Ladesäule am Dorfplatz. Das sei der erste Schritt, erklärt Bürgermeisterin Katja Habersack (parteilos). "Die Neuzulassungen sind sehr hoch, dafür muss nun die Infrastruktur geschaffen werden", ist sie sich sicher. Sie sieht die Wohnmobil-Stellplätze als Ergänzung zum vorhandenen Angebot, nicht als Konkurrenz.

Auch der Markt Zeitlofs ist auf den Trend mitaufgesprungen.Dort ist im Hauptort ein Stellplatz am Sportplatz entstanden. Genau wie in Geroda und Motten konnte die Einrichtung über das Regionalbudget der Rhönallianz finanziert werden. Der SV Zeitlofs Rupboden hat mit der Förderung eine Zapfsäule für Strom und Waser installieren lassen.

Der Platz ist seit Herbst 2020 nutzbar und ganzjährig geöffnet. "Während der Wintermonate wird allerdings das Wasser abgestellt, um Frostschäden zu vermeiden, Strom ist dauerhaft nutzbar", erklärt Tobias Fritzmann von der Marktgemeinde. Konkrete Übernachtungszahlen gibt es hier auch keine. "Aber wir können sagen, dass der Platz sehr gut angenommen wird. Es spiegelt sich auch hier der Boom der gesamten Branche wider", sagt er.

Weniger Übernachtungen

Das Staatsbad Brückenau bietet seit 2009 Wohnmobilstellplätze am Rand des Schlossparkes an. Hier bezahlen die Gäste neben dem Platzticket eine Kurtaxe in der Gästeinformation. "Daran sehen wir die Zahlen der Übernachtungsgäste auf dem Stellplatz", erklärt Kurdirektorin Andrea Schallenkammer.

Und die Zahlen zeigen, dass in den vergangenen zwei Pandemie-Jahren deutlich weniger Wohnmobilisten den Stellplatz nutzten als in den Jahren zuvor. Waren es im Jahr 2020 insgesamt 794 Übernachtungen, lag die Zahl 2021 bei 922.

Schallenkammer erklärt: Während der Lockdowns sei der Platz im Staatsbad geschlossen gewesen. "Darüber hinaus gab es natürlich auch das Reiseverbot." Unter das Beherbergungsverbot fielen damals auch die Campingplätze oder Wohnmobilstellplätze, da es sich um touristische Übernachtungen handelt. Die Zunahme in der Branche sei aber vor Pandemiebeginn anhand der Übernachtungszahlen deutlich erkennbar.

Hohe Nachfrage

Im Gegensatz zum Staatsbad kann die Stadt Bad Brückenau eine Zunahme an Übernachtungen auf den beiden Stellplätzen in der Ancenis- und der Buchwaldstraße verzeichnen. Amina Hartke, Leiterin der Tourist Info, kommentiert: "Wir freuen uns sehr über diesen starken Zuwachs und sind auch für das Jahr 2022 sehr zuversichtlich."

Konkret gab es im vergangenen Jahr 2294 Übernachtungen und im Jahr davor (2020) 1547. Und der Trend setzt sich offensichtlich auch 2022 fort, denn: "Wir haben schon jetzt eine deutlich gesteigerte Anfragerate in der Tourist Information für die touristische Hauptsaison in Bad Brückenau", schreibt Hartke. Die sei für den Monat Januar eher unüblich da dieser sonst etwas ruhiger verläuft.

In Oberbach ernannte die Marktgemeinde Wildflecken den großen Parkplatz gegenüber des Hauses der Schwarzen Berge zu einem Wohnmobilstellplatz. Ein Grund dafür ist sicher die atemberaubende Aussicht "Dort werden keine Gebühren erhoben, und es gibt bisher keine Infrastruktur, also keine Ver- oder Entsorgung", sagt Bürgermeister Gerd Kleinhenz (PWW).

Gemeinsame Überlegung

Trotzdem wird der Platz sehr gut genutzt, weiß der Bürgermeister. "Die Gäste nutzen ihn als Ausgangspunkt für Wanderungen oder für Radtouren auf dem Rhönexpress-Radweg", sagt Kleinhenz. Der Anklang sei enorm. Deshalb überlege die Gemeinde, weitere Stellplätze einzurichten.

Damit nicht jeder dazu ein eigenes Süppchen kocht, versuchen die Bürgermeister der Rhönallianz, das Thema auf eine höhere Ebene zu heben. "Wir möchten einerseits herausfinden, wo es weitere Möglichkeiten für Stellplätze gibt, und andererseits, wie die bestehenden Plätze optimiert werden können", erklärt Umsetzungsbegleiter Uwe Schmidt.

Beispielsweise könnten Tafeln auf den Stellplätzen auf regionale Einkaufsmöglichkeiten hinweisen oder auf nahe gelegene Stellplätze, erklärt Schmidt. Damit gebe es eine bessere Vernetzung und Touristen könnten länger in der Rhön gehalten werden. "Wir sehen darin ein großes Potenzial", sagt er. Dafür soll in naher Zukunft ein Büro beauftragt werden.