Auf dem bisherigen Höhepunkt seiner Karriere als Bundespolitiker wurde der frühere CDU-Generalsekretär und spätere Staatssekretär im Verteidigungsministerium Peter Tauber durch eine lebensgefährliche Erkrankung plötzlich brutal ausgebremst. Er musste alle politischen Ämter aufgeben und sein künftiges Leben völlig neu ausrichten. Seine Erfahrungen im Umgang mit der Krankheit und seine Lehren aus dem plötzlichen Lebensumbruch schildert der heute 47-jährige Hesse, seit vergangenen Sommer Pressesprecher des Bekleidungsherstellers Engelbert Strauss (Main-Kinzig-Kreis), in seinem bereits im Jahr 2020 veröffentlichten Buch "Du musst kein Held sein", aus dem er am Donnerstag, 5. Mai, um 19 Uhr im Haus Volkersberg in einer kostenfreien Veranstaltung lesen wird. Anschließend steht er seinen Zuhörern zur Diskussion bereit.

Notoperation

Als Generalsekretär der CDU führte der gebürtige Hesse seine Partei in den Jahren 2013 bis 2018 vor allem während der Flüchtlingskrise erfolgreich durch eine schwierige Zeit. Im Dezember 2017 hatte er dann seine entzündliche Darmerkrankung öffentlich gemacht. Nur durch eine Notoperation hatten die Ärzte damals sein Leben retten können. Mit Beginn der vierten Amtsperiode von Kanzlerin Angela Merkel wurde er im März 2018 zum Parlamentarischen Staatssekretär im Verteidigungsministerium berufen. Doch im April vergangenen Jahres musste er dieses Amt wegen erneuter Darmentzündung aufgeben und legte schließlich Anfang Mai auch sein Bundestagsmandat nieder. Seine verheißungsvolle Karriere als Berufspolitiker war abrupt beendet. Wie sollte sein Leben jetzt weitergehen?

Fragen des Lebens

Die Wochen nach der Notoperation nutzte Tauber als aktiver Christ und Mitglied der Landessynode der evangelischen Landeskirche Kurhessen-Waldeck, in sich zu gehen, sein bisheriges Leben und seine Zukunft zu überdenken und sich selbst endlich die wichtigen Fragen des Lebens zu stellen, die er als Spitzenpolitiker im Stress seines bisherigen Berufsalltags immer ignoriert hatte: Was treibt mich eigentlich an, immer bis an meine Grenzen und auch darüber hinaus zu gehen? Wann ist ein Mann ein Mann? Was macht ein Mann, wenn er merkt, dass er nicht mehr kann und nicht mehr weiter weiß? Wofür lohnt es sich eigentlich, sich derart aufzureiben? Und was passiert mit dem Ego, wenn ich plötzlich feststelle, dass ich gar nicht so tough bin, wie ich immer dachte, und künftig kürzertreten muss? Und: Was wäre, wenn heute mein letzter Tag wäre? Was bleibt?

"Für mich war das Schlimme, mein eigenes Selbstbild ad acta legen zu müssen", äußerte sich Tauber kürzlich in einem Interview. "Ich war nicht der unbesiegbare, starke Mann mit Anfang 40, der dreimal im Jahr einen Marathon läuft, den alle Angriffe und Streitigkeiten kalt lassen. Sich dies einzugestehen, das tat richtig weh." Tauber hat erfahren müssen, dass er vieles nicht mehr kann und gelegentlich sogar selbst Hilfe braucht. "Hilfe wird einem viel bereitwilliger zuteil, als man denkt." Inzwischen weiß er: "Schwäche zugeben, kann zu eigentlicher Stärke führen." Selbstkritisch schildert er deshalb in seiner Autobiografie, in der er nebenbei auch einen spannenden Blick hinter die Kulissen der Spitzenpolitik zulässt, wie befreiend es ist, wenn Mann feststellt: "Ich muss kein Held sein!"

Lesung mit Peter Tauber: Donnerstag, 5. Mai, 19 Uhr, Haus Volkersberg, Volkersberg 2, 97769 Bad Brückenau, Eintritt frei

Informationen zum Buch: Peter Tauber: "Du musst kein Held sein", bene Verlag, gebunden, 224 Seiten, Preis: 18 Euro, ISBN 978-3963401121