Wer ein Stück Wald besitzt, dem wurde dieses meist von Generation zu Generation weitervererbt. So verhält es sich auch bei Familie Zeier. Am Milzbach bei Bad Brückenau nennen die Zeiers zehn Hektar Wald ihr Eigen. Doch der Klimawandel und damit verbunden vor allem der Befall durch den Borkenkäfer machen den Bäumen zu schaffen.

In den vergangenen zwei, drei Jahren habe man immer mehr mit Käferbefall zu kämpfen gehabt, berichtet Tobias Zeier. Um den Wald fit für die Zukunft zu machen, haben sich er und sein Vater entschlossen, an einem Projekt des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) teilzunehmen.

Den Wald an den Klimawandel anpassen

Auf einer insgesamt über 100 Hektar großen Fläche soll rund um den Milzbach ein Wald entstehen, der besser an die sich ändernden klimatischen Bedingungen angepasst ist und den Weg in die Zukunft weist. Projektverantwortlicher Alexander Schmidt hat das Gebiet auf einer Karte in unterschiedliche Bereiche eingeteilt und farblich markiert, welche Bestände dort vorzufinden sind.

Gemeinsam mit den Waldbesitzern, die am Projekt teilnehmen, berät er, welche Maßnahmen für das jeweilige Waldstück am sinnvollsten sind. Etwa, welche Bäume sich zum Wiederaufforsten eignen. Ziel ist es, klimastabilere Wälder zu errichten. "Diese werden im Vergleich zu den jetzt noch vielfach von der Fichte dominierten Wäldern deutlich mehr Mischbaumarten, im Wesentlichen mehr Laubholz, aufweisen", erklärt das AELF in einer Mitteilung.

Im Waldstück der Familie Zeier lassen sich die ersten Ergebnisse schon begutachten. Zuerst wurden vom Borkenkäfer befallene Bäume aus dem Wald gebracht. "Es ist wichtig, dass man das Holz zügig aus dem Wald nimmt", sagt Joachim Dahmer. Der Forstamtsrat ist für das Forstrevier Bad Brückenau zuständig, in dem das Projektgebiet liegt.

Borkenkäferbekämpfung in kleinteiligen Privatwäldern

Anders als Familie Zeier hätten heute viele Waldbesitzer dafür keine eigenen Gerätschaften mehr. Auch fehle mitunter das Fachwissen, berichtet Dahmer beim Termin vor Ort. Erschwert werde die Borkenkäferbekämpfung auch dadurch, dass Privatwaldflächen meist kleinteilig aufgebaut sind, so das AELF.

Das Amt weist darauf hin, dass jeder Waldbesitzer gesetzlich verpflichtet ist, seine Fichtenbestände in der Zeit von Anfang April bis Ende September regelmäßig, das heißt alle vier Wochen, auf Borkenkäferbefall zu kontrollieren.

Die Bedrohung durch den Borkenkäfer sei in den vergangenen Jahren zu einer wachsenden Herausforderung für alle Waldbesitzer geworden. Es würden daher auch mehr Fördergelder vom Staat bereitgestellt - für die direkte Bekämpfung sowie für vorbeugende Maßnahmen.

Wiederaufforsten zu klimastabilen Mischwäldern

Ist das Käferholz aus dem Wald, stellt sich die Frage, wie die Fläche wiederaufgeforstet werden kann. Der Wechsel von durch Fichten dominierten Beständen zu klimastabilen Mischwäldern sei in vollem Gang, erklärt das AELF mit Verweis auf das Projekt bei Bad Brückenau.

In einem Waldstück der Familie Zeier wachsen nun zum Beispiel unter anderem junge Buchen und Tannen heran. Dahmer deutet auf den Waldboden. "Hier ist ein leichter Hang, da können die Buchen gut wachsen." Etwa 60 bis 70 Jahre bräuchten diese, um zu stattlichen Bäumen zu werden. Während die jungen Buchen am Waldboden noch kaum wahrnehmbar sind, wachsen ein Stück weiter hinten, aufgrund ihres Grüns deutlicher sichtbar, die jungen Tannen in die Höhe. Ein Zaun ringsum schützt die Bäume.

Seitens des AELF hofft man, dass die anderen Waldbesitzer nachziehen. Etwa 70 Prozent hätten Interesse bekundet und würden sich beraten lassen. Hat das Projekt Erfolg, können die Waldstücke am Milzbach auch in Zukunft von Generation zu Generation weitergegeben werden, dann als klimastabilerer Wald.

Das Forstrevier Bad Brückenau unter neuer Leitung

Gebiet Das Forstrevier Bad Brückenau des Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Bad Neustadt erstreckt sich in den Gemeindegebieten Oberleichtersbach, Zeitlofs, Bad Brückenau, Schondra, Motten und Wildflecken. Hauptaufgabe des Forstreviers ist die Beratung und finanzielle Förderung der privaten und kommunalen Waldbesitzer auf einer Fläche von 8000 Hektar.

Revierleiter Zum 10. Februar 2020 hat Forstamtsrat Joachim Dahmer die Nachfolge von Forstamtmann Utz Flieger angetreten. Als Förster ist Dahmer auch für die Gemeindewälder in Schondra und Zeitlofs zuständig.

Fokus Arbeitsschwerpunkte sind im Forstrevier Bad Brückenau laut AELF aktuell die Bewältigung der Schadholzmengen und die Abwicklung von Fördermaßnahmen zur Wiederbewaldung.

~ 2000 Waldbesitzer zählt das Forstrevier Bad Brückenau. Geschätzt etwa ein Viertel von ihnen ist von Schadflächen durch Dürre und Borkenkäfer im Wald betroffen.

89 000 Jungbäume wurden im Herbst 2020 und im Frühjahr 2021 mithilfe staatlicher Fördermittel im Forstrevier Bad Brückenau gepflanzt. Darunter etwa 55 000 Buchen.