Über Afghanistan-Erfahrung verfügt Daniel Kleinheinz. Sechseinhalb Monate verbrachte der Verwaltungsleiter des Marktes Wildflecken einst als Bundeswehr-Angehöriger in dem Land. "Alles, was wir hier gut machen, ist besser als drüben", sagte er mit Blick auf die etwas anderen Standards am Hindukusch. Ganz so einfach ist es nicht. Denn die Flüchtlinge, die in Kürze erwartet werden, sollen menschenwürdig unterkommen. Und sich vor allem integrieren. Ein Gespräch von Vertretern der Regierung von Unterfranken und anderen Behörden mit Wildfleckener Verantwortlichen im SV-Sportheim warf drängende Fragen auf. Ihre Lösung wird nicht einfach.

1. Auf was für Menschen müssen sich die Wildfleckener einstellen?

Maria-Antonette Graber, Sachgebietsleiterin Flüchtlingsbetreuung und Integration bei der Regierung von Unterfranken, hat eine klare Antwort: "Wir wissen es nicht." War vor ein paar Monaten von afghanischen Ortskräften und ihren Familien die Rede, könnten jetzt auch "humanitäre Aufnahmen" dazugehören. Damit sind Menschen gemeint, die zum Beispiel wegen einer akuten Krise aus ihrem Heimatland geflohen und kurzfristig auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. Auch die früher genannte Zahl von acht Familien, die die beiden Häuser füllen, wackelt. Graber sprach davon, dass "meistens Familien, von drei- bis zehn oder elfköpfig" kämen, selten Einzelpersonen. Wenn die Flüchtlinge kommen, dann wohl schnell. Graber informierte, dass in ganz Unterfranken Unterkünfte gesucht werden und neu verfügbare Plätze schnell nach deren Meldung belegt seien. Sie rechnet mit der Ankunft der neuen Wildfleckener Anfang August.

2. Wie werden die Menschen wohnen?

Die Haustüren sind neu, ebenso die Böden in den Wohnungen in der Rothenrainer Straße und der Dörrenbergstraße. Ansonsten bieten die Unterkünfte einen einfachen Standard, besonders was Küchen- und Sanitärbereiche angeht. Sie wirken aber innen nicht heruntergekommen. Laut Regierung von Unterfranken werden bis zum Bezug noch einige Dinge eingebaut, so wie die Küchen. W-Lan-Anschlüsse werden keine bereitgestellt; die Bewohner müssten laut Graber eigene Mobilfunkverträge abschließen.

3. Wer betreut die Ankömmlinge?

Lidia Völker kümmert sich mit ihren vier Mitarbeitenden für die Regierung um die bald fünf Standorte im Landkreis Bad Kissingen. Konkret sind das neben der Gemeinschaftsunterkunft Volkers die "Teil-Unterkünfte" in Bad Kissingen, Reiterswiesen, Hammelburg und eben Wildflecken. Maria-Antonette Graber verdeutlichte, dass die Betreuerinnen nicht rund um die Uhr und auch nicht am Wochenende vor Ort sein können. Unter der Woche werde es - gerade am Anfang - Präsenzzeiten geben. Die Caritas übernimmt in Wildflecken die Flüchtlingsberatung. Mitarbeiterin Jutta Ort sagte bei dem Treffen im SV-Sportheim, dass auch bei dem Wohlfahrtsverband Personalmangel herrsche und man leider nicht regelmäßig vor Ort sein könne. Der Stellvertretende Bürgermeister Wolfgang Illek hofft, dass sich Wildfleckener finden, die unterstützen. "Bisher herrscht da noch Zurückhaltung."

4. Wovon sollen die Menschen leben?

Afghanische Ortskräfte und "Humanitäre Aufnahmen" müssen kein Asylverfahren durchlaufen, gelten als anerkannt und dürfen sofort arbeiten. Allerdings wird das - auch wegen oft mangelnder Deutschkenntnisse - kaum möglich sein. Deswegen müssen wohl viele Leistungen nach Sozialgesetzbuch II (Hartz IV) beantragen. Zuständig ist das Jobcenter Bad Kissingen. Für die Antragstellung dorthin zu gelangen, dürfte angesichts der schlechten ÖPNV-Anbindung schwierig werden. Harald Kolb vom Jobcenter stellte eine Art große Anmeldeaktion in Wildflecken in Aussicht.

5. Wie sollen die Menschen einkaufen?

Viele Neuankömmlinge werden laut Graber kaum etwas mit sich bringen. Geld gibt es erst auf Antrag beim Jobcenter. Kolb schlug vor, dass die Gemeinde mit 100 bis 200 Euro in Vorleistung geht und sich die Auslagen vom Jobcenter zurückerstatten lässt. Ein Vorschlag, den die Verwaltung laut Kleinheinz nicht sehr befürwortet. In manchen Geschäften im Landkreis können Flüchtlinge per Barcode zahlen. Nur: Beim Rewe als Wildfleckens einziger größerer Einkaufsmöglichkeit geht das nicht. Deswegen auch Harald Kolbs Vorschlag.

6. Wo werden Kinder und Jugendliche betreut?

Sowohl der gemeindliche Kindergarten in Oberbach als auch der kirchliche in Wildflecken sind laut Kleinhenz voll; es gibt Wartelisten. Jüngere Flüchtlingskinder müssen wohl vorerst daheim bleiben. Schulleiterin Christine Helfrich signalisierte Kleinhenz, dass man Kinder im Schulalter mitbetreuen könne.

7. Wie ist die medizinische Versorgung?

In Wildflecken praktiziert nur ein Arzt; eine Apotheke gibt es nicht. Sabrina Stranzik appellierte daran, die Flüchtlinge zu informieren, dass Medikamente an die Gärtnerei geliefert werden.

8. Die Generalkritik

Gemeinderat Oliver Masso fand "erschreckend, dass noch so viele offene Fragen sind und dass die Ämter untereinander diskutieren, was zu machen ist". Sie müssten Erfahrungen mit Flüchtlingen haben; Strukturen müssten bestehen. Harald Korb antwortete, dass die Situation doch neu sei, weil die Menschen jetzt ohne Asylverfahren direkt aufs Jobcenter zukämen.