Als die vier Musikanten ihre Instrumente anhoben und "Großer Gott wir loben dich" anstimmten, wurde es für einen kurzen Moment richtig feierlich. Die letzten Sonnenstrahlen dieses Herbstnachmittags beleuchteten die bizarren Wolkenformationen und schafften einen fast surrealen Hintergrund für das Richtfest des imposanten neuen Gipfelkreuzes auf dem Himmeldunkberg.

Einen ähnlichen Moment muss der Frankenheimer Christian Enders im Jahre 2012 erlebt haben, dass er auf die Idee kam, hier ein Kreuz zu errichten. Von der ersten Idee bis zur Realisation sind zehn Jahre vergangen. Es brauchte Zeit, bis er sich traute, seine Idee laut auszusprechen. Lebensgefährtin Elvira Gründl stand von Anfang an hinter seinem Vorhaben. Auch Landrat Thomas Habermann war sofort begeistert, und da nahm das Projekt Fahrt auf.

Spendengelder fließen

Christian Enders hatte sein Projekt kaum publik gemacht, da flossen schon die ersten Spendengelder. Im Bischofsheimer Rhönklub-Zweigverein fand er einen Verein, der als Bauherr fungierte und Spenden entgegennehmen und quittieren konnte. Rhönklub-Vorsitzender Dieter Büttner berichtete, dass der gesamte Vorstand einstimmig hinter dem Vorhaben steht. Vom Einsatz des Christian Enders ist er begeistert, der alles selbst in die Hand genommen hatte, von der Planung über Genehmigung, Spendensammlung bis zur Ausführung. Stets stand Enders bei allen Arbeiten in erster Reihe, suchte sich Helfer, denen ein Mitwirken an diesem Projekt eine Ehre war, und die unentgeltlich halfen. Christian Enders´ Herzenssache wurde auch zu ihrer eigenen. Und sprach man mit den Menschen, die zum Richtfest auf den Himmeldunkberg kamen, so erfuhr man, dass der Berg für viele ein Ort ist, um Kraft zu tanken.

"Der Berg der Ruhe", sagt Christian Enders, und er ist es auch für viele andere. Das Kreuz ist ins Brendtal gedreht. "Es sollte in den Landkreis Rhön-Grabfeld zeigen", betonte Enders, dessen Freund Horst Kimmel gerne mit Blickrichtung in die Schwarzen Berge gesehen hätte.

In Kimmels Schmiede wurden die Stahlbauarbeiten ausgeführt.

Hauptrohr stammt von Werbepylon

Kurios ist die Tatsache, dass zwar ein neues Kreuz geschaffen wurde, das elf Meter hohe Hauptrohres (Durchmesser 60 cm, 12 mm stark) jedoch von einem alten Werbepylon der Wildfleckener Firma Kunert stammt, die das Material spendete. Daran wurden zwei Querrohre befestigt und auf den Kreuzungspunkt beidseitig Edelstahlkreuze vorgeblendet, wodurch ein Gesamtgewicht von elf Tonnen entstand. Das mächtige Betonfundament misst 3 x 3 m und ist 1.60 m tief. Ganze 330 kg Bewehrungsstahl sind darin enthalten. Den Bewehrungskorb band Enders zuhause in seinem Hof. Das Stahlkreuz wurde an 16 einbetonierten Edelstahlankern verschraubt und es wird - glaubt man Horst Kimmel - ewig halten. Anders als das Holzkreuz auf dem Kreuzberg, das unter seiner Mithilfe schon zwei Mal aufgerichtet wurde. Auf die Frage, ob das Himmeldunkkreuz ein besonderes Projekt für Kimmel sei, antwortete er sofort und nachdrücklich, "jedes meiner Projekte ist ein besonderes, ob es nun ein Balkongeländer oder ein Kreuz ist!". Über seinen Einsatz freut sich Enders sehr, "Horst ist immer mit Herzblut bei der Sache", stellte er fest.

Unzählige kostenlose Arbeitsstunden

Christian Enders ist über die große Spendenbereitschaft erfreut und oft verblüfft. Die meisten generierte er aus seinem beruflichen Umfeld. Als er kürzlich in einem Lokal zum Essen war, fragte der Wirt nach dem Stand der Arbeiten am Kreuz und gab ihm gleich eine Spende mit. Doch nicht nur Geld wurde gespendet. Die unzähligen kostenlosen Arbeitsstunden der Helfer hat Enders nicht gezählt. Materialspenden wie der Beton für das Fundament und das große Stahlrohr gehören dazu, sowie Fahrstunden mit Traktoren und Baumaschinen. Zu den tatsächlichen Kosten kann er keine Angaben machen, da ihm noch nicht alle Rechnungen vorliegen, zugesagte Spenden stehen auch noch aus. Dabei war das Unterfangen alles andere als einfach. Der Frischbeton wurde mit Radladern den letzten Wegabschnitt auf den 888 m hohen Gipfel gefahren, da die Anfahrt für ein Mischfahrzeug zu steil ist. Zwei Anläufe brauchte das Aufstellen.

Erst im zweiten Anlauf klappt es

Trotz perfekter Witterung misslang der erste Versuch mit einem Autokran aus Kist die Anhöhe hinaufzufahren. Der zweite Anlauf gelang mit einem Kettenkran aus Siegen. Am 15. Oktober 2022 morgens circa 11.40 Uhr stand endlich das Kreuz.

Einen schönen Abschluss stellte nun das Richtfest dar, bei dem Christian Enders selbst den Richtspruch hielt und sein Glas auf dem Fundament zerschlug.

Die Fakten

Herbst 2012: Christian Enders hat die Idee zum Bau eines Gipfelkreuzes auf dem Himmeldunkberg.

14.07.2020: Antrag auf Vorbescheid wurde gestellt

Januar 2022: Genehmigung durch das Landratsamt

19.7.2022: Aufstellen der Bautafel

22.7.2022: 1. Spatenstich

6.8.2022: Betonage des Fundamentes

23.09.2022: 1. Versuch der Aufstellung, der Autokran schaffte die steile Anfahrt über den Schwedenwall zum Gipfel nicht, trotz besten Wetters

15.10.2022: 2. Versuch mit Kettenkran glückte. Trotz dichten Nebels stand das Kreuz um ca. 11.40 Uhr an seiner neuen Position.

4.11.2022: Richtfest

Christian Enders möchte am Kreuz alle Namen der Helfer, Spender und Unterstützer anbringen.