In einer kleinen Pappschachtel stapeln sich mehrere Polaroid-Fotos übereinander. Die meisten sind schwarz-weiß, aber auch ein buntes Foto ist dabei. David Söder zeigt auf eines der Bilder: "Das da ist meine Mutter und das mein Vater." Dieser blickt einem von den Bildern in der Pappschachtel immer wieder entgegen. Ein junger Mann mit kurz geschnittenen dunklen Haaren, meist in Uniform. Vielmehr ist es nicht, was Söder von seinem Vater an Erinnerungen hat und über den Mann auf den Bildern weiß.

"Ich kenne nicht mal seinen genauen Namen. Nur den Vornamen: Dave. Und seinen Spitznamen: Sparkey", erzählt Söder. Ende der 1960er-Jahre war Söders Vater als Soldat der US-Armee in Wildflecken stationiert. Dort lernte er Söders Mutter kennen. Die beiden wurden ein Paar. Eines der Polaroids zeigt, wie sie gemeinsam auf einer Treppe sitzen und in die Kamera lächeln.

In den Vietnamkrieg geschickt

Als der US-Soldat Mitte 1970 in den Vietnamkrieg beordert wird, reißt das Schicksal die beiden auseinander. Auf der Rückseite eines Fotos, das Söders Vater offenbar aus Vietnam geschickt hat, steht noch, dass er zurückkommen will zu seiner Freundin und dem Baby. Danach verliert sich die Spur. "Wir wissen nicht, ob er im Krieg gefallen ist oder doch einfach nicht mehr zurückkommen wollte", sagt Söder.

Der 50-Jährige ist bei seiner Großmutter aufgewachsen. In seiner Geburtsurkunde steht dort, wo der Name seines Vaters stehen sollte, schlicht: "Unbekannt". Dass er wenig bis gar nichts über seinen Vater weiß, damit hatte Söder sich lange Zeit einfach abgefunden, wie er erzählt. Erst als seine Frau meinte, dass es doch interessant wäre, mehr zu wissen, fing er an, "ein bisschen zu recherchieren".

Das größte Problem dabei: Der unvollständige Name. "Meine Mutter meinte nur, dass das so lange her ist und sie sich nicht mehr erinnert", sagt der Wildfleckener. Auch die weitere Verwandtschaft, Onkel und Tante, meinten nur, dass das ja schon ewig her sei.

Namensschild nicht zu entziffern

Auf den alten Polaroids ist zwar das Namensschild an der Uniform seines Vaters zu sehen, aber der Name ist nicht lesbar. "Auch mit der modernen Technik lässt sich da nichts machen. Man kann den Namen nicht erkennen", berichtet Söder. "Wir vermuten aber, dass mein Vater mit Nachnamen Sparks hieß, wegen seines Spitznamens", sagt der 50-Jährige. Gesichert sei das aber natürlich nicht. Es gebe ja immer wieder Leute mit Spitznamen, die rein gar nichts mit dem tatsächlichen Vor- und Nachnamen zu tun haben.

Von Seiten des US-Militärs würden keine Namen herausgegeben, berichtet Söder. In den Aufzeichnungen der Armee wäre es sicher relativ leicht nachzuvollziehen, wie sein Vater mit vollem Namen heißt. Doch ohne diesen gleicht die Suche nach dem Vater der sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

"Die Aussichten sind im Prinzip gleich null", sagt der Wildfleckener. In den vergangenen rund 20 Jahren hat er die Suche immer wieder sporadisch vorangetrieben. Auch Freunde und Bekannte halfen dabei. Söder fragte bei Veteranen an, der Botschaft, auf einen Tipp hin auch beim Roten Kreuz. "Wir haben auch nach Washington geschrieben", erinnert er sich. "Aber ohne Namen oder Sozialversicherungsnummer, keine Chance."

Zahlreiche David Sparks gefunden

Auch in den Sozialen Medien, auf Facebook, starteten er und Bekannte Aufrufe, um vielleicht doch noch Hinweise auf Söders Vater zu erhalten - in Gruppen, die speziell für die Suche nach verschollenen Familienmitgliedern oder Freunden angelegt wurden, die dem US-Militär angehörten. Die Organisatorin einer dieser Gruppe schickte Söder sogar eine Liste mit etlichen "David Sparks" zu, die in den USA wohnen und das richtige Alter haben. "Aber die kann ich doch nicht einfach anrufen und überrumpeln", sagt Söder. Auch per Post alle anzuschreiben sei ein Riesenaufwand.

Die Töchter hätten gesagt, er solle sich doch mal bei "der Leischik" melden. Gemeint ist Moderatorin Julia Leischik, die in der gleichnamigen Fernsehsendung auf Sat.1 nach Vermissten sucht. Doch die TV-Produktion griff den Fall nicht auf. Er solle doch einen DNA-Test machen, hätten die Töchter außerdem vorgeschlagen. "Aber mit was will man die Probe denn vergleichen", sagt der 50-Jährige. "In den 1970ern gab es das doch wahrscheinlich noch gar nicht."

Gefehlt habe ihm der Vater nicht, sagt Söder. "Ich hatte nie Kontakt und weiß im Grunde ja auch gar nicht, was für ein Mensch mich da erwarten würde." Natürlich wäre es schön, mehr zu wissen. Dass sich aber wirklich noch der entscheidende Hinweis auf seinen Vater auftut, bezweifelt Söder. Das Einzige, was ihm bislang bleibt, sind die alten Polaroids in der kleinen Pappschachtel.