"Die Idee, sich als Fairtrade-Schule zu bewerben, gab es bereits 2016", erinnert sich die heute 18-jährige Abiturientin Maja Morper als Mitbegründerin des agilen Arbeitskreises, der das Projekt kontinuierlich mit Leben erfüllt. 2019 wurde das Engagement aller Beteiligten schließlich mit der offiziellen Zertifizierung belohnt, die entsprechende Urkunde im Rahmen eines Festakts mit viel Prominenz feierlich an die Protagonisten überreicht.

Da die Zertifizierung immer nur für zwei Jahre gilt, stand jetzt die Titelerneuerung auf der Agenda. In Zeiten von Distanzunterricht und Homeschooling sei das kein einfaches Unterfangen gewesen, betonen Schülersprecher Marlon Benkert (17) und seine Mitstreiter Max Schüßler (16) und Kilian Strebl (17). "Aber wir wollten das trotz der widrigen Umstände ohne Ausrede selbstverständlich so schnell wie möglich erledigen."

Krisensitzung des Fairtrade-Schulteams

"Corona hat uns ausgebremst", bestätigt auch Studiendirektor Dirk Hönerlage, der zusammen mit Oberstudienrat Joachim Ostheimer ebenfalls zum Fairtrade-Schulteam gehört. Auf einer "Krisensitzung" wurden in Windeseile die sprichwörtlichen Nägel mit Köpfen gemacht, um die Sache noch vor Ende des Schuljahres abzuschließen. Das gelang sage und schreibe innerhalb von nur einer Woche.

Hönerlage betont in diesem Zusammenhang, dass es alle Aktiven nicht nur bei einer Absichtserklärung, die in der aktuellen Situation erst einmal den für die Kampagne Verantwortlichen in Köln genügt hätte, belassen wollten. Eine gesunde Basis sollte her, "sonst wäre das Ganze eine zu große Hypothek für die kommenden Jahrgänge in unserem Haus gewesen", so der stellvertretende Schulleiter.

Die zuständigen Experten von "TransFair" waren jedenfalls vom überarbeiteten Fairtrade-Kompass der Bad Brückenauer sofort überzeugt. In dem Bewerbungspapier bestätigt das Franz-Miltenberger-Gymnasium erneut sein Engagement für den fairen Handel, der ein Beitrag zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von benachteiligten Bauern- und Produzentenfamilien in Afrika, Asien und Lateinamerika darstellt.

Fair gehandelte Produkte in der Schule

Die Verfasser weisen außerdem darauf hin, dass zur Bewusstseinsschärfung für diese Thematik unter anderem Gastvorträge und vielfältige Informationsveranstaltungen beitragen. Fair gehandelte Produkte sind vor Ort längst an der Tagesordnung. So gibt es im Lehrerzimmer seit mittlerweile 30 Jahren Fairtrade-Kaffee und seit zehn Jahren die entsprechende Schokolade. Die Schülerschaft stärkt sich in den Pausen gern mit Fairtrade-Schokoriegeln.

Auch auf eine Fülle von Projektarbeiten und kulturelle Veranstaltungen wie Theateraufführungen wird in dem Schreiben aus Bad Brückenau detailliert Bezug genommen. Und bei einem Weihnachtsturnier im Dezember 2018 kamen sogar Fairtrade-Fußbälle zum Einsatz.

Mit Spannung schaut man schon auf das kommende Schuljahr, an dessen Beginn die neue Schulkleidung aus ökologischer und nachhaltiger Baumwolle präsentiert werden soll. Im schulinternen Wertekonzept würden Begriffe wie Fairness und Hilfsbereitschaft eine große Nähe zu Fragen des gerechten Umgangs miteinander zeigen, wird bilanzierend formuliert.

Lob für das Engagement der Schule

Vom Verein "TransFair" aus Köln kam umgehend zusammen mit der Bestätigung der Titelerneuerung ein großes Lob für das vielfältige Engagement der Rhöner in schwierigen Zeiten. Besonders beeindruckt zeigten sich die Juroren neben diversen anderen Dingen von der Tatsache, "dass die Nikolaus-Aktion trotz der pandemiebedingten Einschränkungen durchgeführt werden konnte".

"Wir haben noch viel vor", betonten Dirk Hönerlage und Joachim Ostheimer auf Lehrerseite und Maja Morper, Marlon Benkert, Max Schüßler sowie Kilian Strebl aus den Reihen der Schülerinnen und Schüler bei einem Pressetermin. Denn fairer Handel betreffe nicht nur den Austausch mit fernen Ländern, sondern fange praktisch vor der Haustür an, so ihr Credo. Dafür hatten sie mit der aktuellen Situation der deutschen Milchbauern oder den Problemen der heimischen Obst- und Gemüsebauern gleich zwei konkrete Beispiele parat.

Der Weg zur Fairtrade-Schule

Der erste Schritt zur Erfüllung von insgesamt fünf Kriterien ist die Gründung eines Schulteam, das aus Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften, Eltern und weiteren Interessenten besteht. Bei regelmäßigen Treffen bespricht diese Gruppe die Aktivitäten rund um den fairen Handel an der Schule.

Beim Fairtrade-Kompass handelt es sich um ein Schriftstück, das zusammenfasst, in welche Richtung sich der faire Handel in den nächsten zwei Jahren an der Schule entwickeln soll.

Ein weiterer Gesichtspunkt ist der Verkauf und Verzehr von fair gehandelten Produkten am Gymnasium.

Beim vierten Kriterium geht es darum, den fairen Handel in den Unterricht mit aufzunehmen und sich dort intensiv mit dieser Thematik auseinanderzusetzen.

Schließlich sollen Schulaktionen zum fairen Handel unter dem Motto "Tue Gutes und rede drüber!" dazu beitragen, so viele Menschen wie möglich direkt an der Lehranstalt und in deren Umfeld zu erreichen.