Der Praxis-Unterricht an der Berufsfachschule für Holzbildhauer konnte wieder aufgenommen werden. Die Schüler und Lehrkräfte sind sehr erleichtert, dass das Bayerische Kultusministerium die Situation der kunsthandwerklichen Berufsfachschulen wahr- und ernstgenommen habe.

Anfang Januar haben sich die Schüler der Bischofsheimer Holzbildhauer, gemeinsam mit Schülern mehrerer kunsthandwerklicher Berufsfachschulen, mit einem offenen Brandbrief an den bayerischen Kultusminister Michael Piazolo gewandt, um individuelle Lösungen zu erzielen und ihre Berufsausbildung sicher zu stellen.

Im Gegensatz zu Berufsschülern, die ihre praktische Ausbildung in einem Betrieb absolvieren, haben die Schüler kunsthandwerklicher Berufsschulen ihre komplette Ausbildung in den Schulen. Durch die Schulschließungen, aufgrund des Lockdowns, konnten sie ihre praktischen Ausbildungsinhalte nicht fortführen. Die Bedenken stiegen, dass dadurch die Qualität der Berufsausbildung leide.

Spezielle Werkzeuge nötig

Gerade in spezialisierten Ausbildungen, wie der der Holzbildhauer werden spezielle Werkzeuge und Maschinen benötigt, die den Schülern zu Hause beziehungsweise in ihren Wohngemeinschaften nicht zur Verfügung stehen. Auch können nicht alle Werkstücke im Freien gefertigt werden, es werden entsprechende Räume mit hohen Raumhöhen und guten Lichtverhältnissen benötigt. Das alles finden die Schüler in der Holzbildhauerschule vor. Die Schüler haben das Kultusministerium über die besondere schulische Situation und die Rahmenbedingungen informiert.

29 Schüler lernen derzeit in drei Klassen an der Holzbildhauerschule. Der kommissarische Schulleiter Michael Kühnert ist erleichtert, dass der Präsenzunterricht an kunsthandwerklichen Berufsfachschulen in Bayern, worunter neben den Holzbildhauern, auch Goldschmiede, Glasbläser, und andere zählen, nicht nur für die Abschlussklassen, sondern für alle Klassen wieder erlaubt ist.

Klare Vorgaben

Er verwies auf die hierfür klaren Vorgaben bezüglich Abstände- und Hygieneplan, die Erlaubnis des örtlichen Gesundheitsamtes und der Regierung von Unterfranken.

Für den Praxis-Unterricht seien gute Lösungen gefunden worden, die gleichzeitig den geltenden Auflagen gerecht werden. "Die Schüler wurden auf die Räumlichkeiten der Schule so verteilt, dass die Abstände gewährleistet werden können", betonte Kühnert. Auch werden verschiedene Zeitfenster eingehalten, betonte Michaela Heigl, die gerade an ihrer Abschlussarbeit sitzt.

Die Räume an sich seien groß genug, um am eigenen Werkstück mit genügend Abstand zum Nachbarn zu arbeiten. Schüler, die gemeinsam in einer Wohngemeinschaft leben und somit als Hausgemeinschaft gelten, habe gemeinsame Arbeitszeiten in der Schule.

Die Zeit drängt

"Wir sind sehr dankbar, dass das Kultusministerium unsere Situation erkannt und reagiert hat", sagte Michaela Heigl. Denn gerade für die Schüler der Abschlussklasse dränge die Zeit, das Gesellenstück müsse fertig werden.

Wie Kühnert betonte, werden aber nur die Fächer vor Ort unterrichtet, die einen praktischen Bezug haben. Der theoretische Unterricht in den Fächern Deutsch, Ethik, Sozialkunde und Kunstgeschichte finde weiterhin online statt. Diese Einschränkung nehmen die Schüler gerne in Kauf. Viel wichtiger für die Ausbildung sei die direkte Begleitung, Korrektur und Ergänzung im künstlerischen Prozess des Praxisunterrichts.

Dass das Kultusministerium eine differenzierte Betrachtung von kunsthandwerklichen Berufsfachschulen in Betracht gezogen haben, darüber sind Schüler, Lehrer und Schulleitung sehr glücklich und hoffen, dass die aktuelle Entwicklung der Coronazahlen nicht wieder zu anderen Maßnahmen zwingt. Kühnert freut sich besonders, dass die Aktion der Schüler dies ermöglicht habe.

Anmeldungen und Informationen gibt es über die Website der Schule.

Die Ansprechpartner der Holzbildhauerschule stehen für Fragen von Montag bis Donnerstag, jeweils vormittags von 8 Uhr bis 13 Uhr, zur Verfügung. Sie sind unter der Telefonnummer 09772/1241 oder per E-Mail erreichbar.