Ob das gut geht mit der "Klappe" in dieser schwierigen Zeit? Diese Frage hat sich Tanja Spahn nie gestellt. Im November übernahm die Obersinnerin, die seit 2014 in Bad Brückenau lebt, das Kultbistro in der Bad Brückenauer Altstadt. Es sei "eine logische Entscheidung" gewesen, sagt sie. Thomas "Thommy" Dittmayer hatte das Lokal neben dem Kino "Rhönlichtspiele" über elf Jahre hinweg wieder etabliert, wollten es aber aus Altersgründen abgeben. Spahn griff zu.

"Das wäre überhaupt nicht gegangen, so einen schönen, überschaubaren Laden zuzumachen", sagt die Frau, die seit Januar 2020 im Bistrobetrieb mitgearbeitet hatte. Sie erlebte mit, dass solch ein Lokal trotz inzwischen zwei Jahren Corona-Pandemie mit entsprechenden Beschränkungen funktionieren kann. Zwar blieb es im Winter geschlossen; dafür entschädigte der Sommer, in dem auch dank der Außenterrasse viel los war.

Nach der Übernahme war die "Klappe" erst einmal komplett dicht; erst kurz vor Weihnachten öffnete Spahn sie wieder. Viele Leute bekamen das mit und auch, dass der Betreiber gewechselt hatte. "Die meisten hatten Angst, dass der Charakter sich ändert", sagt die Gastronomin.

"Die Klappe" - das war immer ein Ort der Begegnung. Da kamen diejenigen, die vor oder nach dem Kinobesuch einen trinken oder etwas essen wollten. Aber auch Stammtische fanden in der "Klappe" statt, Familienfeiern und Vereinsfeste. Viele Gäste schätzten einfach nur das gemütliche Ambiente, das öfters den Rahmen bot für kleine Konzerte oder Lesungen.

Was die Atmosphäre betrifft, werden sich die Gäste kaum umstellen müssen. Die Möbel bleiben dieselben; sie stehen nur etwas anders. Dass das Farbkonzept sich von "terrakotta gewischt" zu "grün mit Matsch" und "grau mit Leinen" gewandelt hat, fällt kaum auf.

Am ehesten geändert hat sich wohl die Speisekarte. Sie ist etwas kleiner geworden. Die für die "Klappe" so typischen Flammkuchen stehen aber weiter drauf, dazu Burger und fränkische Brotzeiten. Neu sind die wechselnden Wochengerichte. Auch bieten Spahn und ihr fünfköpfiges Team stets mindestens ein vegetarisch/veganes Gericht an.

Für die neue Betreiberin bedeutet ihr Lokal übrigens einen " Ausgleich zur regulären Arbeit". Tagsüber schafft Spahn als Sozialarbeiterin. Doch ab dem frühen Abend gehört ihr Herz ganz dem Bistro.

So wie es bei ihrem Vorgänger Thommy Dittmayer war. "Nach elf Jahren 'Klappe', die ich wahnsinnig gern gemacht habe, bin ich froh, dass Tanja sie fortführt", äußert sich der 67-Jährige zufrieden. In dieser Zeit sei das Lokal von einem kleinen Bistro, in dem er anfangs alles alleine gemacht habe, zu einem Speiselokal mit vier bis fünf Mitarbeitern geworden. Manchmal habe es Tage gegeben, wo die Gäste reservieren mussten, weil der Platz begrenzt war.

Die Pandemie habe natürlich in den Gastrobetrieb reingehauen. "Wir haben das gut überstanden; es gab ja auch sehr gute Zeiten vorher." Und als die Gäste wieder kommen durften, sei sie wieder gekommen. Und Dittmayer bedankt sich bei den "tollen Leuten".

Auch wenn elf Jahre "Klappe" natürlich auch Kraft gekostet haben: Der 67-Jährige will noch einmal etwas Neues beginnen, etwas, das nicht ganz so aufwendig und anstrengend ist. Das Ganze sei aber noch nicht spruchreif.

Tanja Spahn hat ihrerseits einiges mit der "Klappe" vor. Abhängig von den Corona-Bestimmungen soll dort wieder Livemusik stattfinden, einmal im Monat sogar eine offene Session. Fürs spontane Musizieren stehen immer Klavier und Gitarre bereit.

Im Frühjahr plant die Gastronomin "eine Bierprobe mit den Jungs von den Rhönmomenten" (Tourenveranstalter und Vermarkter Rhöner Produkte aus Oberelsbach, d.R.). Aber auch für regelmäßige Veranstaltungen wie die Feierabendkonzerte ist Spahn offen. Und schließlich will sie wieder verstärkt mit dem benachbarten Lichtspielhaus gemeinsame Aktionen starten. Denn Klappe und Kino - das gehört irgendwie zusammen.