Den Festtag feiert die Jubilarin mit ihren Kindern, fünf Enkeln, drei Urenkeln und guten Freunden im Gasthaus "Grünes Tal" in Geroda.

Aufgewachsen ist Waltraud Palacky in Nesselsdorf im Ostsudetenland. Ihre Kindheit war durch den Zerfall der Donaumonarchie und die Gründung der Tschechischen Republik zwar politisch beeinflusst, dennoch hatten die vier Geschwister, die zweisprachig aufwuchsen, "eine sehr schöne Kindheit". Bis zum Kriegsende, denn im Mai 1945 flohen die Palackys zunächst vor der russischen Armee, durften aber die "Reichsgrenze" nicht passieren.

Über ein Internierungslager kamen sie völlig mittellos 1946 nach Furth im Wald über die Grenze. "16 Jahre alt, ausgeraubt, mittellos und rechtlos, aus der Heimat vertrieben und der begonnene Bildungsweg zur Lehrerausbildung futsch", beschreibt Schneider diesen Tag. In Geroda angekommen, hatte die junge Frau keine Möglichkeit, ihr Studium weiterzuführen. Sie konnte nur als landwirtschaftliche Hilfe und Dienstmädchen arbeiten. 1950 heiratete sie den Schreiner Otto Schneider aus Geroda. "Wir waren bettelarm, aber voller Zuversicht und inniger Liebe".

Ein Jahr später zog die kleine Familie - ein Sohn war inzwischen geboren - zu Waltraud Schneiders Vater, der in Nürnberg ein Haus gebaut hatte. 37 Jahre lang lebten die Schneiders "gerne" in Nürnberg und brachten es auch "zu einem bescheidenen Wohlstand". Ein zweiter Sohn vervollständigte das kleine Glück. Als Rentner kehrte das Ehepaar in die Heimat Otto Schneiders zurück und fand im Seifertshof eine "erholsame Bleibe". In der Marktgemeinde brachte sich die agile Jubilarin mit ihren Fähigkeiten ein: Sie leitete den Singkreis des Obst- und Gartenbauvereins, ist bis heute aktiv bei der Gymnastikgruppe des Sportvereins, schwimmt und baut ihre Muskeln auf. Fast zehn Jahre lang engagierte sich Schneider auch als freie Mitarbeiterin der Saale-Zeitung.

Vor zwei Jahren starb Schneiders "lieber" Mann. In ihrem "bescheidenen Altersruhesitz im Seifertshof" fühlt sich die Jubilarin recht wohl, denn die Nachbarn "kümmern sich sehr um mich". Dennoch "bleibt Nesselsdorf in der reizvollen Wald- und Burgenlandschaft in den Beskiden meine Heimat". Wäre die Entfernung, zirka 900 Kilometer, nicht so groß, würde sie Schneider heute "noch gerne besuchen".