Es herrschen rosige Zeiten in Oberleichtersbach. Dieter Muth seufzt. "Man kann schon stolz drauf sein...", sagt der Bürgermeister (Aktive WG). Allein, "für das Geld hätten wir selbst auch gut Verwendung". Fast zwei Millionen Euro zahlt die Gemeinde in diesem Jahr in den großen Topf der Kreisumlage ein. Profitieren werden davon andere im Landkreis, Oberleichtersbach selbst geht leer aus. Diesmal.

"Es gibt im Landkreis keine Gemeinde, die so einen Zickzack-Kurs fährt", beschreibt Lothar Ziegler die Situation. Rund vier Millionen Euro Anteil an der Gewerbesteuer verbuchte der Kämmerer im Jahr 2015 - ein Ausreißer. Just in diesen Zeitraum fällt die Übernahme einer Firma durch eine große Industriegruppe. Es gab auch andere Jahre: 2008 lagen die Einnahmen aus der Gewerbesteuer bei rund 440.000 Euro, 2006 sogar nur bei 234.000 Euro. Heuer geht Ziegler von 1,7 Millionen Euro aus - das sind immerhin rund 250.000 Euro mehr als der Betrag, mit dem der "große" Nachbar Bad Brückenau bei der Gewerbesteuer rechnet.


7,3 Millionen Euro angespart

Oberleichtersbach geht es gut. Bauplätze gehen weg wie warme Semmeln, das Gewerbegebiet soll um 4,5 Hektar erweitert werden. Kläranlagen, Grundschule und Turnhalle wurden saniert oder gänzlich neu gebaut. Der Schuldenstand der Gemeinde soll bis zum Jahr 2020 auf 276.407 Euro sinken. Wenn das gelingt, bedeutete das eine Verschuldung von noch nicht einmal 100 Euro pro Einwohner. Gut 7,3 Millionen Euro hat der Kämmerer auf die Seite gelegt, davon tastet er 3,9 Millionen Euro gar nicht erst an.

Noch nicht einmal Beiträge für den Straßenausbau zahlen die Oberleichtersbacher, zumindest im Altort. Eine Tatsache, die im Bad Brückenauer Stadtrat für Kopfschütteln sorgt. Es gebe schlicht keine Satzung dafür, erklärt der Bürgermeister. Und: "Wir dürften eine der letzten Gemeinden in Unterfranken sein, die keine Straßenausbaubeiträge erhebt." Ziegler nickt. Seit dem Jahr 2000 verwaltet er die Finanzen der Gemeinde, Jahr für Jahr mahnte er an, dass die Bürger für den Straßenausbau zur Kasse gebeten werden. Es fruchtete nicht.


Kindergarten soll größer werden

Der Vollständigkeit halber muss erwähnt werden, dass es beim Ausbau der Wasserversorgung genau andersherum läuft. Während andernorts Kredite aufgenommen und in der Folge die Kosten auf die Wassergebühren aufgeschlagen werden, bat Oberleichtersbach die Grundstückseigentümer zur Kasse. "Das ist auch ein Grund, warum die Gemeinde so wenig Schulden hat", sagt Ziegler.

Bleiben da noch Wünsche offen? Der Bürgermeister nickt. "Der Kindergarten", sagt er. Eine Million Euro will Oberleichtersbach heuer investieren. Warum aber kauft er nicht einfach die Straße, die die Lkw-geplagten Breitenbacher und Mitgenfelder so ärgert? Dieter Muth stutzt. Und dann lacht er. "So verlagere ich das Problem doch nur", erklärt er.