Zeitlofs
Nahversorgung

Darum muss der Dorfladen schließen

Matthias Hauke ist bitter enttäuscht. Sein erstes großes Projekt als Zeitlofser Bürgermeister - der Selbstbedienungs-Dorfladen - steht vor dem Aus. Das Betreiber-Ehepaar Henninger hat für Ende Oktober seinen Rückzug angekündigt. Besteht noch Hoffnung?
Hoffnungsvoll präsentierte Bürgermeister Matthias Hauke im Mai 2021 das Schild für den Zeitlofser Dorfladen, der im Juli desselben Jahres  öffnete. Ende Oktober schließt er Stand jetzt wieder. Foto: Archiv/Steffen standke
Hoffnungsvoll präsentierte Bürgermeister Matthias Hauke im Mai 2021 das Schild für den Zeitlofser Dorfladen, der im Juli desselben Jahres öffnete. Ende Oktober schließt er Stand jetzt wieder. Foto: Archiv/Steffen standke
+1 Bild
}

Als der Dorfladen an der Ecke Raiffeisenstraße/Marktplatz im Juli 2021 startete, ließ er aufhorchen: die Rückkehr eines Lebensmittelladens in einen Ort, in dem es seit Jahren lediglich noch einen Bäcker gab. Die nächsten Supermärkte mit Vollsortiment stehen in Altengronau und Bad Brückenau - kilometerweit entfernt.

Was den Charme des Projekts noch ausmachte: Es steckte anscheinend ein durchdachtes, innovatives Konzept dahinter. Mithilfe von Geld aus dem Regionalbudget für Kleinprojekte der Brückenauer Rhönallianz ließ die Gemeinde die lange leerstehende ehemalige Metzgerei herrichten. Mit dem Ehepaar Elisabeth und Ralf Henninger aus Detter fand Matthias Hauke Betreiber. Diese bestückten den Dorfladen nicht nur mit Waren von ihrem eigenen Biohof, sondern auch von anderen Erzeugern aus dem Markt Zeitlofs und der Rhöner Region.

Die Henningers trugen das unternehmerische Risiko und die Nebenkosten für den Dorfladen; Miete mussten sie in dem "einen Jahr Probebetrieb", wie Hauke es nennt, keine zahlen. Vieles lief auf Vertrauensbasis.

"Ich war glücklich, dass es so geklappt hat", sagt der Bürgermeister. "Wir hatten in Zeitlofs eine Grundversorgung geschaffen, den Bürgern etwas geboten. Und es stand ja niemand in der Schlange, der auch so etwas machen wollte", spricht Hauke die nicht existente Konkurrenzsituation an. Nicht nur Menschen aus Zeitlofs und seinen Ortsteilen hätten dort eingekauft; der Dorfladen habe auch Autofahrer auf der Durchreise und Fahrradtouristen angelockt.

Doch der Umstand der fehlenden Pacht brachte eine Entwicklung ins Rollen. Im Gemeinderat wurden Stimmen laut, eine solche von der Familie Henninger zu verlangen, auch um die Sache auf rechtlich stabilere Füße zu stellen. Mehr noch: Das Gremium beschloss nach Informationen dieser Redaktion in nichtöffentlicher Sitzung vor etwa sechs Wochen sogar einen konkreten Betrag, der gefordert werden sollte.

Für Elisabeth Henninger war das nach eigenen Worten Anlass, das bisherige Jahr Dorfladen betriebswirtschaftlich genau durchzurechnen, mit folgendem Ergebnis: Der schmale Ertrag rechtfertigt den beträchtlichen Aufwand eigentlich nicht. "Mit dem Dorfladen kann man nicht viel verdienen. Eigentlich geht es Null auf Null aus." Große Gewinne einzustreichen sei gar nicht ihr Ziel gewesen. "Ich mache das für die Gemeinde."

Dies betonten sie und ihr Mann in einer E-Mail an die Gemeinde. Darin teilen die Detterer aber auch mit, dass sie den Selbstbedienungsladen ab November nicht mehr weiterführen werden. Worüber Matthias Hauke den Zeitlofser Gemeinderat im öffentlichen Teil seiner jüngsten Sitzung informierte (wir berichteten). Sicher mitentscheidend für den Entschluss dürfte die Tatsache sein, dass die Verbraucher spätestens seit April bei ihren Einkäufen bewusst sparen - und eben besonders bei den nicht ganz günstigen Bioprodukten.

In derselben Mail an die Verwaltung macht Elisabeth Henninger allerdings das Angebot eines "persönlichen Gesprächs" mit den Räten in der nächsten Sitzung am 13. September. Offensichtlich hatte es dergleichen vor der Entscheidung des Ortsparlaments für eine Ladenmiete nicht gegeben.

Matthias Hauke zeigt sich nicht sehr optimistisch für die Zukunft des Dorfladens, in den er "viel Zeit und Kraft gesteckt" habe. Es sei schade, dass Vorgaben und Bürokratie ein solches Projekt scheitern ließen.

Per Ausschreibung werde nun ein neuer Betreiber gesucht. "Meine größte Sorge ist, jemanden dafür zu finden", sagt der 37-Jährige. Wie gesagt: Es sei nicht viel damit zu verdienen. Und der Aufwand gestalte sich immens.

Die Gemeinde könne einen solchen Laden nicht selbst betreiben. Deswegen hofft der Bürgermeister auch "auf Leute, die sagen: Das ist mir wichtig; ich mache da mit." Er wolle Bürger gezielt ansprechen, ob sie bereit wären, eine Genossenschaft zu gründen, um so das Selbstbedienungsgeschäft mit Leben zu füllen.

Nach diesem Prinzip funktioniert seit Jahren der Dorfladen in Gräfendorf (Landkreis Main-Spessart). Allerdings scheint man dort auch dank der Zusammenarbeit mit der auf solche Geschäfte spezialisierten Igros-Handelsgesellschaft aus Salz (Rhön-Grabfeld) eine gewisse Schwelle genommen zu haben. Der Gräfendorfer Laden ist viel größer als der Zeitlofser, beschäftigt sogar Angestellte.