Bei "Sinn in Flammen" am 23. Juli war sie zum Schutz vor Überlastung teilweise gesperrt; inzwischen ist die mit Naturstein verkleidete Stahlbetonbrücke über den Nebenarm der Sinn im Siebener-Park abgerissen. Ob dieses Schicksal mehr der 38 Bad Brückenauer Brücken über kurz oder lang ereilt, wird sich zeigen. Vermutlich kostet es aber viel Geld. Im Dezember soll die Brückenprüfung starten. Die ist überfällig.

"Die Brücken werden ein großes Thema werden", sagt Thorsten Grament. Der Mitarbeiter des städtischen Büros Bauleistungen vermutet, dass aus der Prüfung durch den Technischen Überwachungsverein (TÜV) "einige Maßnahmen resultieren". Das bedeutet mehr oder weniger große Sanierungen, im schlimmsten Fall gar Abriss und Neubau. Aufgaben, die die chronisch klamme Stadtkasse wohl kaum zusätzlich finanzieren können wird.

Allerdings ist der Unter- und Erhalt von Brückenbauwerken Pflichtaufgabe einer Kommune. Genauso wie die Brücken-Hauptuntersuchung, die - gesetzlich vorgeschrieben - alle sechs Jahre erfolgen muss.

Termin der letzten Prüfung unbekannt

Wann in Bad Brückenau die letzte Brückenprüfung erfolgte, kann Jens Grament nicht sagen. Dazu ist er zu kurz im Büro Bauleistungen angestellt. Aber dass sie erfolgen muss - da ist er sich sicher.

Es sei gar nicht so einfach gewesen, den Auftrag an den Mann zu bringen. "Wir haben lange gesucht, ehe jemand ein Angebot abgegeben hat."

Der TÜV übernimmt die Aufgabe nun voraussichtlich ab Dezember. Pro Bauwerk werden dafür zwischen 450 und 650 Euro fällig, sodass Grament mit Gesamtkosten um die 27.000 Euro für alle Brücken rechnet. Wann die Ergebnisse vorliegen, weiß er noch nicht.

Dringlicher Sanierungsbedarf bei "Wernarzer und Mühlbach-Brücke"

Eine Brücke, bei der die Stadt trotz der anstehenden Prüfung um ihren dringlichen Sanierungsbedarf weiß, ist die über die Sinn unterhalb des Stadtteils Wernarz. Die Stadträte hatten monatelang darüber debattiert, ob und wie das Doppelbauwerk "Wernarzer und Mühlbach-Brücke" erneuert werden soll und wer es künftig nutzen darf. Eine Erneuerung zugunsten von motorisierten Fahrzeugen erschien - auch dank Fördermittel - eine Zeit lang günstiger als das Modell Fußgänger- und Radfahrersteg. Die Stadträte einigten sich im März 2021 grundsätzlich auf eine zwei Meter breite Überführung für Fußgänger und Radfahrer. Damit war es das. Laut Thorsten Grament soll die Wernarzer Brücke weiter angegangen werden. Zwischenzeitlich habe er eine weitere Alternative erarbeitet und dem Wasserwirtschaftsamt in Bad Kissingen vorgestellt. Demnach soll die Überführung abgetragen und ein paar Meter weiter in einem anderen Winkel über die Sinn neu errichtet werden. Dieses Bauwerk wäre kürzer als das bisherige und Fußgängern sowie Fahrradfahrern vorbehalten. Landwirtschaftliche und andere Fahrzeuge könnten den Wasserlauf über eine unter der jetzigen Brücke bestehende gepflasterte Furt durchqueren. Laut Grament hat das Wasserwirtschaftsamt positiv auf die Idee reagiert. Was das Brückchen über den Sinn-Arm im Siebener-Park betrifft, war der Abriss laut Grament absolut nötig. "Die Doppel-S-Träger waren extrem korrodiert." Um den Überweg weiter zu gewährleisten, sei aus Standardgerüstteilen eine Konstruktion aufgebaut worden. "Der Wunsch wäre, die Brücke im nächsten Jahr wieder zu errichten."

Macht Wiederaufbau überhaupt Sinn?

Allerdings stünden der Stadt viele Aufgaben bevor. Deswegen stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Wiederaufbaus. Eine Pflicht, zum Beispiel weil bestimmte Bereiche im Siebener-Park sonst nicht erreichbar wären, besteht nicht.

FDP-Stadträtin Adelheid Zimmermann fände es okay, wenn er nicht wieder erfolge. "Es besteht nur wenig Abstand zur nächsten Brücke. Sie könnte also entfallen." Letztlich muss aber der Stadtrat insgesamt entscheiden.