Strahlender Sonnenschein, eine Fernsicht weit über die südliche Rhön hinaus, Vogelgezwitscher und absolute Ruhe herrschten am Neustädter Haus. Nach und nach fanden sich die Menschen ein, teilweise hatten sie Decken und Liegestühle mitgebracht, und richteten sich auf der Wiese mit Blick in Richtung Walddörfer ein. Noch war das Gras vom Regen des Vorabends etwas feucht, doch unter den wärmenden Sonnenstrahlen war das schnell verdunstet.

"Die Erde ist schön, es liebt sie der Herr", stimmten die Feuerbergmusikanten aus Langenleiten an, die unter den hohen Buchen im Schatten Platz genommen hatten. Sie waren zum Neustädter Haus gekommen, um den zweiten ökumenischen Berggottesdienst musikalisch mit ihren Liedern zu begleiten.  Gekommen waren auch die beiden Dekane aus Bad Neustadt, Dr. Matthias Büttner von der evangelischen Kirche, und Dr. Andreas Krefft von der katholischen Kirche.

Radfahrer und Wanderer kamen den steilen Weg herauf, blieben kurz stehen, lauschten und ließen die Kulisse auf sich wirken. Das Jahr sei an einem Wendepunkt angekommen. Am Freitag zuvor war der längste Tag des Jahres gewesen. In sechs Monaten ist Weihnachten und am Wochenende wurde das Geburtsfest von Johannes des Täufers gefeiert. Diesen "Vorläufer und Wegbereiter Jesus" haben die Dekane in den Mittelpunkt ihres ökumenischen Berggottesdienstes gestellt.

Wie wäre das vor 2000 Jahren gewesen wenn damals live über Johannes den Täufer berichtet worden wäre?, fragte Dekan Krefft. Über diesen merkwürdigen Wanderprediger, der im Jordan, in der römischen Provinz Judäa für Aufregung sorgte, der die Flussgegend und die judäisch Wüste durchstreifte und die bevorstehende Ankunft eines Retters ankündigte, den die Juden seit Jahrhunderten erwarteten? Die Bußfertigen pflegte er im Jordan unter zu tauchen, um sie von Schuld zu befreien und zur Umkehr zu motivieren. Solche schrägen Typen sei die römische Besatzungsmacht zwar gewohnt gewesen, doch dieser Täufer wurden ihnen zu mächtig. "Wir fragen uns, was würde Johannes der Täufer heute anprangern?", fragte Dekan Krefft.

Dekan Büttner sprach über weitere Eigenschaften des Johannes, den er als eine Person beschrieb, der sich einer Sache ganz und gar hingeben konnte. Anfangs sei er mit seinem Jüngerkreis eine Art Konkurrenz zu Jesus und einen Anhängern gewesen. Doch er habe die Perspektive gewechselt , nahm sich selbst zurück und sagte über Jesus : "Er muss wachsen und ich muss kleiner werden. Er ist es dem ihr folgen sollt." "Seine Bescheidenheit und Demut ist bewundernswert", betonte Krefft.

Johannisfeuer, die um die Mitsommerzeit vor allem in den Bergen gerne angebrannt werden, seien hierfür ein schönes Symbol, einerseits für Christus das Licht der Welt, dem Johannes vorging und für ihn selbst, sein Entflammt sein, seine Liebe und Leidenschaft. "Dass Johannes für etwas brennt ist genau das Gegenteil von Gleichgültigkeit", hob Dekan Büttner hervor. "Das Schlimmste in unserer Zeit ist die Gleichgültigkeit."