Bad Brückenau
Brustkrebsvorsorge

Bereit für den 10. Präsenzlauf in Pink

Heike Kötzner und Petra Morschhäuser sind Pinklauf-Urgesteine. Bei jeder der bisher neun Benefizveranstaltungen waren sie dabei, haben sie groß werden sehen. Natürlich starten sie am 3. Oktober beim Jubiläumslauf. Und freuen sich auf ein ganz besonderes Gefühl.
Heike Kötzner (links) und Petra Morschhäuser - hier mit einem T-Shirt - vom 1. Pinklauf 2011 - freuen sich auf die Jubiläumsausgabe, die am 3. Oktober durch Bad Brückenau und das Staatsbad führt. Foto: Steffen Standke
Heike Kötzner (links) und Petra Morschhäuser - hier mit einem T-Shirt - vom 1. Pinklauf 2011 - freuen sich auf die Jubiläumsausgabe, die am 3. Oktober durch Bad Brückenau und das Staatsbad führt. Foto: Steffen Standke

"Boah, sind das viele Leute" - so oder so ähnlich dachte Petra Morschhäuser, als sie beim 1. Pinklauf 2011 die Reihen der Startenden begutachtete. 450 Menschen, die allermeisten in pink gekleidete Frauen und eine Handvoll Männer, standen damals an der Startlinie am E-Center in Bad Brückenau. Nie hätte die Mitgenfelderin gedacht, dass sich ihre Zahl im Laufe der Jahre mehr als verdreifachen sollte. Bis es 2019, im Jahr vor der Pandemie rund 1400 waren.

Seit dem 2. Pinklauf spielt Morschhäuser selbst mehr als eine sprichwörtliche Mitläuferrolle. Die Frau, die in der Therme Sinnflut Aqua-Fitness- und Sportkurse gibt, übernahm ab 2012 das Warmup, damals das erste Mal am neuen Startpunkt vor dem Neuen Rathaus. Zwei Lieder, eine Herz-Kreislauf-Erwärmung und Stretching für die Muskulatur - dann wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf die 7,77 Kilometer lange Strecke durch Stadt und Staatsbad geschickt.

Mitgebracht hatte die Idee eines Benefizlaufs zugunsten der Brustkrebsvorsorge die damalige Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) aus Frankreich. Das öffentliche Interesse, dass das schwierige Thema Brustkrebs, besonders bei Frauen, durch den dortigen Lauf fand, hatte sie beeindruckt (siehe Interview unten).

Auch Heike Kötzner war gleich Feuer und Flamme für die Idee. Die CSU-Stadträtin aus Volkers lief spontan mit. Auch sie erlebte, wie die Teilnehmerzahl immer größere Höhen erreichte. Wie die Organisation immer ausgefeilter wurde. Wie sich der anfängliche Wust an Läuferinnen, Walkerinnen und Spaziergängerinnen dank aufgesplitterter Startzeiten entzerrte. Alles das getragen von einer unbeschreiblichen Euphorie. "Wenn man von Volkers herunterkommt, spürt man schon die Begeisterung", sagt sie.

In einem Jahr erreichte Heike Kötzner das Ziel, das sich nunmehr im Siebenerpark befand, sogar als Erste. Damals ahnte sie nicht, dass sie selbst mal an Krebs erkranken würde, auch wenn es eine andere Art als der im Brustbereich sein sollte. Dass sie die schwere Erkrankung über Monate peinigen würde. Dass sie aber auch zurückkommen und wieder laufen würde. Selbst als der Pinklauf 2020 und 2021 wegen der Corona-Pandemie nur als virtuelle Veranstaltung stattfand. Ähnlich wie Petra Morschhäuser joggte sie in dieser Zeit individuell oder eben mit ihrer CSU-Ortsgruppe.

Gemeinsam am Start

Apropos: Bei einem der letzten Pinkläufe vor der Pandemie fanden Morschhäuser und Kötzner als Laufteam zusammen. Fortan absolvierten sie jeden der Präsenzläufe gemeinsam. So soll es auch bei der 10. Ausgabe an diesem Montag, 3. Oktober, sein. Beide Frauen freuen sich sehr darauf, auch auf das unvergleichliche Gemeinschaftsgefühl, die Anfeuerung der Zuschauer, die freiwerdende Energie, die einen dem Ziel entgegenträgt.

Heike Kötzner hatte eine zeitgleiche Einladung zum Oktoberfest in München. Sie lehnte ab. "Der Pinklauf ist als Termin gesetzt. "Man tut etwas Sportliches, aber auch etwas für den guten Zweck." Denn das Startgeld von zehn Euro geht komplett an den Verein "Brustkrebs Deutschland e.V.". Und das ist der Volkerserin besonders wichtig. Denn das eingesammelte Geld komme ja nicht nur der speziellen Brustkrebsforschung, sondern auch der zu anderen Krebsarten zugute.

Und die Männer? Haben in Kötzners und Morschhäusers Augen den eigentlich an Frauen gerichteten Lauf stets akzeptiert und angenommen. Waren es anfangs einige Exoten mit schrägen Perücken, sei die Zahl der männlichen Teilnehmer ebenfalls gestiegen. Auch das ist ein Erfolg. Jetzt hoffen die beiden Rhönerinnen, dass der Jubiläums-Pinklauf an seine Vorgänger anknüpfen kann. Die Anmeldezahlen stimmen positiv: Bis Dienstagabend hatten sich 740 Menschen aus ganz Unterfranken angemeldet.

Interview zum Pinklauf mit Brigitte Meyerdierks

Altbürgermeisterin Brigitte Meyerdierks initiierte 2011 den Pinklauf in Bad Brückenau. Sie ahnte damals schon, dass das Charity Event ein Erfolg wird. Wie sie die Läufe erlebt hat und was ihr besonders in Erinnerung geblieben ist, das verrät die Initiatorin im Interview.

Sie haben 2011 als Bürgermeisterin den Pinklauf in Bad Brückenau etabliert. Was war Ihre Intention dabei?

Meyerdierks: 2011 nahm ich mit einer Delegation aus mehreren Frauen an einem Charity-Lauf für Brustkrebspatientinnen in Caen, Frankreich, teil. Die Thematik und die Gemeinschaft dort haben mich so sehr beeindruckt, dass ich es unbedingt für unsere Stadt ausprobieren wollte. Letztendlich war es eine spontane Idee, wir dachten, wir hängen den Charity-Lauf an den damals ganz traditionellen Opa-Lauf dran, der immer vom TV organisiert wurde.

Erinnern Sie sich an den 1. Lauf am 3. Oktober 2011. Was haben Sie nach erfolgreichem Abschluss des Tages gedacht?

Ich war begeistert und glücklich. Gleich beim ersten Lauf in unserer Stadt nahmen über 300 Läuferinnen teil. Ich war mir sicher, dass es im nächsten Jahr wiederholt werden sollte. Aber die Idee kam nicht nur positiv an. Es gab auch Stimmen, die das Ganze kritisch sahen. Da hieß es: "Wie könnt ihr das so lustig aufziehen, mit Tanzen und Lachen?". Aber gerade für die damalige Zeit für solch eine tabuisierte Krankheit Öffentlichkeit zu schaffen, das lag mir sehr am Herzen.

Dieses Jahr findet der Charity-Lauf zum 10. Mal statt. Hätten Sie jemals gedacht, dass es einmal zu diesem Jubiläum kommen wird?

Mir war sehr schnell klar, dass es viele Wiederholungen geben wird. Denn jedes Jahr bis 2019 steigerten sich die Teilnehmerzahlen. Dann kam Corona, gerade als wir den Peak in diesem Jahr vor Ausbruch der Pandemie mit rund 1500 Läuferinnen erreicht haben. Aber ich bin ganz ehrlich, damit war die absolute Teilnehmer-Grenze erreicht. Zwei Jahre musste dann der Lauf ausgesetzt werden, beziehungsweise hat er als Pinkwoche digital stattgefunden.

Können Sie abschätzen, wie sich der erste Pinklauf nach Ausbruch der Corona-Pandemie anfühlen wird? Immerhin handelt es sich bei den Brustkrebs-Patientinnen ja um eine besonders vulnerable Bevölkerungsgruppe.

Ich denke, viele werden sich erfahrungsgemäß noch in letzter Sekunde anmelden. Das kommt auch auf das Wetter drauf an. Ich bin mir sicher, dass die Resonanz verhaltener sein wird, es muss alles erst wieder neu anlaufen. Aber das Thema passt denke ich wieder genau in die jetzige Zeit. Und ich bin natürlich auch dabei, dafür habe ich sogar das Oktoberfest in diesem Jahr abgesagt.

Welcher Lauf war ihr schönster und warum?

Jeder Lauf war einzigartig, aber natürlich sind manche Erinnerungen besonders. Beispielsweise als die erste Männergruppe teilnahm. Mir war bis dahin nicht bewusst, dass diese Krebsart auch Männer treffen kann. Die Quote liegt bei rund fünf Prozent aller Fälle. Eine ältere Dame absolvierte die Strecke im Rollstuhl und hat ihn auch durchgezogen. Das war unglaublich. In den ersten Jahren stand die Bundeswehr als Streckenwärter an der Strecke, da gab es immer wieder lustige Momente. Allen Läufen gemein ist aber, dass wir etwas gemeinsam machen, die Vereine sich ohne Eigennutz beteiligten.Das Gespräch führte Julia Raab