Karl-Heinz Kolb möchte - im übertragenen Sinne - am liebsten in die Luft gehen. Aber nicht vor Freude. Der neue Gebietsbetreuer des Bund Naturschutz für Sinngrund und Schwarze Berge ärgert sich über Luftballons, fliegen gelassen an Freudenfesten wie Hochzeit oder Geburtstag. Doch dort, wo sie herunterkommen, in der Rhön, verschandeln sie die Natur. Und stellen eine tierische Gefahr dar.

Kolb sieht man derzeit verstärkt am Mittelbach, jenem Gewässer, das aus den Schwarzen Bergen Richtung Riedenberg herabfällt und kurz vor der Staatsstraße 2289 die Fischteiche speist. Im Rahmen eines Projektes forschte der Naturschützer dort und an anderen Bächen im Landkreis nach Feuersalamandern.

Was er an zwei Vormittagen fand, waren insgesamt fünf Luftballons, allein am Mittelbach. Irgendwo im weiten Umkreis auf die Reise geschickt, sanken sie - als ihnen die Lift ausging - auf die Landschaft hernieder.

Für Karl-Heinz Kolb stellt das kein neues Phänomen dar. Schon als Naturschutz-Betreuer der Langen Rhön von 1991 bis 2004 fand der Schwarzwälder immer mal wieder vereinzelt Exemplare, zum Beispiel an der Hochrhönstraße. Die in Deutschland vorherrschenden Westwind hatten sie Richtung Osten getragen. An natürlichen Hindernissen - wie der Rhön , die sich wie ein Riegel von Nord nach Süd zieht - blieben sie hängen.

Kolb erinnert sich an einen Ballon mit Karte dran, die den Absendeort und entlarvte: Brüssel. So weit - etwa 400 Kilometer Luftlinie - war dieser Luftballon geflogen. Und das an nicht einmal einem Tag. Denn das Abflug-Datum war auch vermerkt.

Aber wie gesagt: Es war ein einzelnes Exemplar. Heute findet der Gebietsbetreuer immer mehr. Nicht nur am Mittelbach, sondern zuletzt auch am Feuerberg. "Überall, wo sie sicher zum Landen kommen", sagt er. Viele Ballons würden gar nicht entdeckt, weil sie sich auf Hausdächern landen.

Der Luftballon-Müll ist Ausdruck eines Trends. Kaum noch eine Hochzeit oder andere Feier, wo keine Luftballons fliegen. Dank des nicht brennbaren Füllgases Helium eine sichere Sache. Und weit fliegen sie damit auch noch.

Inzwischen stellen die Luftballons ein Umweltproblem dar. Die früheren waren aus Gummi, berichtet Kolb. Die heutigen Ballons bestünden aus haltbarem Kunststoff, sind rissfest. Was bedeutet: Sie verrotten nicht. Stattdessen zersetzen sie sich in immer kleinere Teile, die Tiere in ihre Verdauung oder Pflanzen über ihre Kapillaren in sich aufnehmen. Oder über Regen und Flüsse ins Meer gespült werden. Wo schon genug Plastik herumschwimmt.

"Die beste Lösung wäre, wenn mansolche Ballons nicht mehr steigen lassen würde", sagt Kolb. Unproblematischer fände er auf Hochzeiten weiße Tauben vom Züchter, die in ihren Schlag zurückfliegen. Das ist aber etwas teurer.