Der Tisch liegt voll mit Lebensmitteln: Neben Gemüse, Obst und Backwaren finden sich dort auch Joghurt und Getränke. Alles davon sieht einwandfrei genießbar aus, nur die Bananen zeigen die typischen braunen Flecken. Das alles wäre am Vorabend fast im Müll von Supermärkten und Bäckereien der Umgebung gelandet. Doch die freiwilligen Foodsaver, übersetzt Lebensmittelretter, holten es in den Supermärkten ab, mit denen die Initiative Foodsharing eine Vereinbarung hat.

Die Kinder freuen sich heute darauf, gemeinsam mit den Foodsavern ein Menü mit Hauptgericht, Salaten und Nachtisch vorzubereiten. Nicole Fläschner, Initiatorin der Veranstaltung im Rahmen des Bad Brückenauer Ferienprogramms, beschreibt das Anliegen so: "Wir möchten den Kindern schon den Wert der Lebensmittel mit auf den Weg geben und sie dafür sensibilisieren."

Denn viele Nahrungsmittel aus Supermärkten und Bäckereien landen jeden Abend im Müll. Menschen, die diese Lebensmittel retten wollen, müssen allerdings grundsätzlich mit Strafen rechnen. Erst vor wenigen Wochen sind zwei Studentinnen, die das ändern und legalisieren wollten, am Bundesverfassungsgericht gescheitert. Das sogenannte Containern bleibt auch weiterhin strafbar.

Legale und simple Methode

Eine legale und simple Methode ist hingegen das Foodsharing. Die Initiative wurde 2012 in Berlin gegründet und wird mittlerweile in vielen Städten von über 1000 Freiwilligen unterstützt. Seit Juni gibt es auch in Bad Brückenau einen kleinen Kreis von Ehrenamtlichen, die damit Essen retten. Die Bad Brückenauer Leoni Nelkenstock und Lucas Ankenbrand hatten die Idee dazu.

"Ich habe das in Würzburg während meines Studiums durch eine Freundin mitbekommen, und das Konzept hat mich voll überzeugt", sagt Nelkenstock. Nach einigen Recherchen und Gesprächen kam der Vorschlag, auch hier eine Initiative zu gründen. Und so funktioniert's: Die Initiative schließt eine Kooperation mit Supermärkten oder Bäckern ab, die die Unternehmen von den rechtlichen Haftung entbindet, das Essen wegzuschmeißen. In Absprache mit den Märkten kommen nach Ladenschluss die Foodsaver und holen die Lebensmittel ab.

Kooperationen

"Wir möchten den Betrieben keinen zusätzlichen Aufwand machen", erklärt Nelkenstock. Die Initiative sei zu 100 Prozent zuverlässig und möchte keinem Betrieb schaden: "Das ist uns besonders wichtig." Aktuell laufen bereits zwei Kooperationen mit regionalen Betrieben. Doch das Ziel von Nelkenstock ist es, noch mehr Kooperationen in der Region abzuschließen: "Dazu brauchen wir noch mehr Mitstreiter, um alles organisieren zu können."

Aktuell sind es rund 15 Helfer, die Nelkenstock unterstützen. Eine Konkurrenz zur Tafel sieht sie allerdings nicht, eher ein zusätzliches Angebot. "Die Tafel hat immer Vorrang, denn dort gilt das übergeordnete Ziel, den Bedürftigen zu helfen", sagt Nelkenstock. Bei Foodsharing geht es alleine um das Ziel, der Lebensmittelverschwendung entgegenzuwirken. Der Vorteil einer Kooperation könnte sein, dass individuelle Vereinbarungen zur Abholung getroffen werden können. "Wir sind nicht auf einen Tag festgelegt, das ist vor allem bei Backwaren und schnell verderblichen Waren der Vorteil", so Nelkenstock.

Nur positive Resonanz

In naher Zukunft soll ein sogenannter Fairteiler, also ein Schrank, aus dem die Lebensmittel kostenlos entnommen werden können, angeschafft werden. "Doch das ist nicht ganz so einfach, wegen der hygienischen Vorgaben." Bisher haben die Foodsaver "nur positive Resonanz" bekommen, sagt Nelkenstock. "Es ist total schön, dass es auch hier so viel Interesse am Thema gibt."

Initiative Foodsharing

Wer mehr über das Thema der legalen Lebensmittelrettung wissen möchte, dem kann sich auf der Homepage ein Bild davon machen. Unter der Mailadresse l.nelkenstock@foodsharing.network können sich Interessenten melden, die sich der Initiative anschließen möchten.