"Für mich schließt sich in diesen Tagen ein Kreis", sagt der 65-Jährige. Denn als Roland Heinlein im Januar 1988 in Bad Brückenau seine Arbeit aufnahm, ging es in erster Linie um die Inventarisierung des damaligen Heimatmuseums und um die Neukonzeption der Dauerausstellung. Zum Abschluss seines Berufslebens hat er in den vergangenen Jahren zusammen mit Kulturbüroleiter Jan Marberg das Stadtarchiv auf den aktuellen Stand gebracht. "Das wollte ich noch unbedingt erledigt wissen", lässt der künftige Ruheständler den ihm schon immer eigenen Ehrgeiz erkennen.

Arbeit im Archiv

Mit der letzten Archivierungskampagne, viele Dinge laufen ja heute in digitaler Form, ist das Duo bei der Aktenummer 7014 angelangt. Allein 319 großformatige Bände beinhalten dabei Daten und Fakten sowie historische Unterlagen aus der Kernstadt. Dazu kommen die Sammlungen für Volkers mit über 200 Bänden sowie für Wernarz und Römershag mit jeweils weit über 100 Bänden. Komplettiert wird das Ganze mit sieben interessanten Nachlässen, die heimatverbundene Bürger der Stadt vermacht haben.

Das Archiv war aber nur ein Teil der breiten Aufgabenpalette, für die Heinlein in über 30 Jahren in Bad Brückenau mitverantwortlich zeichnete. Maßgeblich beteiligte er sich an Vorbereitung und Realisierung der Stadtfeste von 1993 bis 2004, an der Ausrichtung des Valentin-Becker-Komponisten Wettbewerbs (1993 bis 2019), am Volkshochschulprogramm (1992 bis 2004) und ab 1992 am seinerzeit neu konzipierten Ferienprogramm. In sein Ressort fielen darüber hinaus vier große Jubiläen und etliche Gedenktage auf Stadtebene. Noch gut in Erinnerung sind dem gebürtigen Langendorfer, der nach dem Abitur unter anderem Vor- und Frühgeschichte sowie Archäologie an der Uni Würzburg studiert hat, die Unterfränkischen Kulturtage 2016, die weit über die Grenzen der Rhön hinaus ein großes Echo gefunden haben. Das gilt ebenso für die Mundartfestivals. Ein weiteres Spektrums seines Schaffens waren die publikumsträchtigen Ausstellungen mit ganz unterschiedlichen Themenbereichen.

Stadtbibliothek mit dem Namen eng verbunden

Eng verbunden mit dem Namen Roland Heinlein wird wohl noch lange Zeit die Stadtbibliothek bleiben, die für ihn schon immer mehr als eine reine Ausleihe von Belletristik oder Fachliteratur gewesen ist. Das beweist unter anderem die Tatsache, dass der heute 65-Jährige an drei Buchprojekten selbst mitgewirkt hat.

"Ich habe nicht exakt mitgezählt, aber weit über 1000 Entdeckertouren zu Fuß werden es schon gewesen sein", sagt Heinlein, wenn man ihn auf die Stadtführungen unter seiner Leitung anspricht. Diese informativen Rundgänge mit Start am Alten Rathaus wussten besonders die Kur- und Urlaubsgäste zu schätzen, denen er beim Bummel durch Straßen und Gassen komprimiertes Wissen über Bad Brückenau vermittelte. Zu seiner "Ausrüstung" gehörte dabei stets der schon legendäre Stoffbeutel. Mit gezieltem Griff in die Baumwolltasche brachte er dann etliche Dinge ans Tageslicht, die die Teilnehmer erst überraschten und dann faszinierten. Zu diesen "Schätzen" gehörten beispielsweise Überbleibsel des großen Stadtbrandes von 1876 wie ein Bündel zusammengeschmolzener Schusternägel oder das von der enormen Hitze deformierte Stück einer alten Kirchenglocke.

Schon der vierte Dienstherr

Nicht unerwähnt lässt Heinlein zum Abschluss des Gesprächs mit dieser Zeitung, dass der aktuelle Bürgermeister Jochen Vogel (CSU) nun bereits sein vierter Dienstherr ist. Denn im Laufe seines Berufslebens hatte er außerdem konstruktiv mit den Stadtoberhäuptern Hans Rohrmüller, Thomas Ullmann und Brigitte Meyerdierks zusammengearbeitet.